130 Jahre Wupper-Talsperren-Genossenschaft

Meilenstein der Wasserwirtschaft im Bergischen Land

Bei­trag vom Wup­per­ver­band

Der 29. April steht für ein beson­de­res Ereig­nis, das das Wup­per­ge­biet nach­hal­tig geprägt hat: Vor 130 Jah­ren wur­de die „Genos­sen­schaft zur Errich­tung von Tal­sper­ren“ offi­zi­ell gegrün­det. Sie gilt als Vor­gän­ger­or­ga­ni­sa­ti­on des heu­ti­gen Wup­per­ver­ban­des und mar­kiert im Ber­gi­schen Land den Beginn einer ganz­heit­li­chen Was­ser­wirt­schaft über kom­mu­na­le Gren­zen hin­weg.

Bereits im Jahr 1881 wur­de die Esch­bach-Tal­sper­re in Rem­scheid als ers­te Trink­was­ser­tal­sper­re in Deutsch­land errich­tet. Dar­über hin­aus soll­ten im Ber­gi­schen Land nun wei­te­re Tal­sper­ren gebaut wer­den. Der Düs­sel­dor­fer Regie­rungs­prä­si­dent for­der­te des­halb die Grün­dung einer Genos­sen­schaft, die den Bau und Betrieb von Tal­sper­ren über­neh­men soll­te. Nach­dem die Bil­dung der Genos­sen­schaft bereits 1895 mit gro­ßer Mehr­heit in einer Ver­samm­lung der Inter­es­sen­ten beschlos­sen wur­de, wur­de die­se am 29.04.1896 schließ­lich offi­zi­ell geneh­migt und gegrün­det.

Zu den Mit­glie­dern zähl­ten damals Krei­se und Gemein­den sowie indus­tri­el­le Unter­neh­men, z. B. Trieb­werks­be­sit­zer, ent­lang der Wup­per. Die Genos­sen­schaft hat­te ihren Sitz in Hückes­wa­gen.

Was­ser­vor­rat für flo­rie­ren­de Unter­neh­men

Die Tal­sper­ren dien­ten zu die­ser Zeit dann schwer­punkt­mä­ßig zur Bereit­stel­lung von Brauch­was­ser, um die Was­ser­kräf­te der Wup­per bes­ser zu nut­zen. Sie spei­cher­ten Regen­was­ser für Tro­cken­zei­ten. Denn die Wup­per hat­te von jeher einen sehr schwan­ken­den Was­ser­stand. Für die flo­rie­ren­den Unter­neh­men soll­te aber mög­lichst durch­gän­gig aus­rei­chend Was­ser in der Wup­per zur Ver­fü­gung ste­hen, zum Bei­spiel, um Tur­bi­nen anzu­trei­ben.

Die ers­te fer­tig­stell­te Tal­sper­re der Genos­sen­schaft war die „alte“ Bever-Tal­sper­re, die 1898 in Betrieb ging. Bereits ein Jahr spä­ter folg­te die Ein­wei­hung und Fül­lung der Lin­ge­se-Tal­sper­re in Mari­en­hei­de. Die letz­te von der Genos­sen­schaft errich­te­te Tal­sper­re war die Bruch­er-Tal­sper­re in Mari­en­hei­de, die 1913 fer­tig­ge­stellt wur­de. Zusätz­lich wur­den seit Grün­dung der Genos­sen­schaft meh­re­re Aus­gleichs­wei­her, unter ande­rem in Rade­vorm­wald-Dah­l­hau­sen, ange­legt.

Zu Beginn des ers­ten Welt­kriegs ver­füg­te die Genos­sen­schaft über drei Tal­sper­ren mit ins­ge­samt 9,2 Mil­lio­nen Kubik­me­ter Stau­in­halt sowie vier Aus­gleichs­wei­her ent­lang der Wup­per.

1930: Grün­dung des Wup­per­ver­bands

Mit den Jah­ren gewan­nen auch die The­men Abwas­ser­be­hand­lung und eine Rein­hal­tung der Wup­per zuneh­mend an Bedeu­tung. Denn die Wup­per war inzwi­schen durch Indus­tria­li­sie­rung und Bevöl­ke­rungs­wachs­tum zur Kloa­ke gewor­den. Ein schwe­res Hoch­was­ser im Jahr 1925 rück­te zudem den Hoch­was­ser­schutz in den Fokus. Das Tro­cken­jahr 1929 war ein wei­te­rer Impuls dafür, dass sich eine neue Genos­sen­schaft die­sen The­men gebün­delt anneh­men soll­te. Dies war der Aus­lö­ser für die Grün­dung des Wup­per­ver­ban­des. Er wur­de 1930 durch ein preu­ßi­sches Son­der­ge­setz gegrün­det. Sei­ne Mit­glie­der sind Krei­se und Kom­mu­nen, Unter­neh­men der Was­ser­ver­sor­gung und Indus­trie und Gewer­be im Wup­per­ge­biet.

Wup­per­ver­band bau­te wei­te­re Tal­sper­ren

Im Jahr 1932 wur­de die Wup­per-Tal­sper­ren-Genos­sen­schaft end­gül­tig auf­ge­löst und alle Rech­te und Pflich­ten sowie die damals vor­han­de­nen Tal­sper­ren im Ver­bands­ge­biet an den Wup­per­ver­band über­tra­gen.

Seit­dem bau­te der Ver­band wei­te­re Tal­sper­ren wie die die Sche­ve­lin­ger Tal­sper­re und erwei­ter­te die Bever-Tal­sper­re.  In den 1980er Jah­ren setz­te der Wup­per­ver­band nach jahr­zehn­te­lan­ger Pla­nung den Bau sei­ner bei­den größ­ten Tal­sper­ren um: 1987 ging die Wup­per-Tal­sper­re als größ­te Brauch­was­ser­tal­sper­re im Wup­per­ge­biet in Betrieb. 1988 war die Trink­was­ser­tal­sper­re Gro­ße Dhünn, die auch heu­te noch zweit­größ­te rei­ne Trink­was­ser­tal­sper­re Deutsch­lands, mit allen zuge­hö­ri­gen Anla­gen wie Pump­wer­ken und Lei­tun­gen fer­tig­ge­stellt.

Ande­re Tal­sper­ren, wie die Ronsdor­fer Tal­sper­re und die Pan­zer-Tal­sper­re, gehör­ten ursprüng­lich den Kom­mu­nen und dien­ten dort zur Trink­was­ser­ver­sor­gung. Sie wur­den spä­ter vom Wup­per­ver­band über­nom­men und wer­den seit­dem als Brauch­was­ser­tal­sper­ren genutzt.

Der Wup­per­ver­band küm­mert sich seit 96 Jah­ren im gesam­ten 813 km² gro­ßen Wup­per­ge­biet um Was­ser­wirt­schaft von der Quel­le bis zur Mün­dung.

Heu­te betreibt er ins­ge­samt 14 Tal­sper­ren: drei Trink­was­ser­tal­sper­ren, neun Brauch­was­ser­tal­sper­ren und Stau­an­la­gen sowie zwei Tal­sper­ren für die EWR in Rem­scheid. 

Aus sei­nen Trink­was­ser­tal­sper­ren stellt der Ver­band Roh­was­ser bereit. Das in den Was­ser­wer­ken auf­be­rei­te­te Trink­was­ser ist ein wich­ti­ger Bau­stein in der Ver­sor­gung der Men­schen in der Regi­on. Mit dem Was­ser­vor­rat der Brauch­was­ser­tal­sper­ren gleicht er die Was­ser­füh­rung im Gewäs­ser unter­halb der Tal­sper­ren aus. So wird das Öko­sys­tem von Wup­per und Dhünn auch in Dür­re­pha­sen unter­stützt. Außer­dem spei­chern die Tal­sper­ren Was­ser bei star­kem Regen und mil­dern so Hoch­was­ser­ab­flüs­se.

Die Tal­sper­ren spie­len also seit mehr als 100 Jah­ren eine wich­ti­ge Rol­le im Wup­per­ge­biet.

Wei­te­re wich­ti­ge Auf­ga­ben im Was­ser­ma­nage­ment sind: In 11 Klär­an­la­gen rei­nigt der Wup­per­ver­band die Abwäs­ser der Kom­mu­nen und er unter­hält und ent­wi­ckelt die Wup­per und ihre Neben­ge­wäs­ser mit einer Gesamt­län­ge von rund 2.000 Kilo­me­tern.

Infor­ma­tio­nen zur Geschich­te u.a. der Tal­sper­ren sind in der Chro­nik auf der Inter­net­sei­te zusam­men­ge­stellt:

Chro­nik | Wup­per­ver­band

Fotos: Wup­per­ver­band / Bei­trags­fo­to: Alte Stau­mau­er Bever­tal­sper­re

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert