Offener Brief an Herrn Klingbeil zum Ehegattensplitting

Das Forum Wer­mels­kir­chen wur­de gebe­ten, die­sen offe­nen Brief an Lars Kling­beil zu ver­öf­fent­li­chen. Lars Kling­beil ist deut­scher Poli­ti­ker (SPD) und seit dem 11. Dezem­ber 2021 einer der bei­den Bun­des­vor­sit­zen­den der SPD. Seit dem 6. Mai 2025 ist er zudem Vize­kanz­ler und Bun­des­mi­nis­ter der Finan­zen im Kabi­nett Merz. Der Inhalt die­ses Schrei­bens spie­gelt nicht zwin­gend die Mei­nung der Redak­ti­on wider.

Meinungsbeitrag von Dr. Jörg Hucklenbroich

Lie­ber Herr Kling­beil,

ich muss Ihnen voll­kom­men wider­spre­chen. Das Ehe­gat­ten­split­ting hilft vor allem zwei Grup­pen von Fami­li­en: jun­gen Fami­li­en und älte­ren Men­schen. Durch das Split­ting haben Fami­li­en mehr Geld. Nie­mand fin­det einen Job, nur weil das Split­ting abge­schafft wer­den soll. Zudem ist das Recht die eige­nen Kin­der zu erzie­hen ein ver­fas­sungs­mä­ßi­ges Recht für Eltern. Das wird uns durch die Abschaf­fung genom­men. Sehr zum Leid­we­sen der Kin­der, die dann nur noch vom Staat erzo­gen wer­den kön­nen und ich per­sön­lich glau­be, dass ich es bes­ser kann.

Ich möch­te Ihnen mal kon­kret die Fol­gen des Ehe­gat­ten­split­tings für mei­ne eige­ne Fami­lie mit­tei­len, viel­leicht sehen Sie die Din­ge dann auch ein wenig anders. Nach mei­nem Stu­di­um habe ich gehei­ra­tet und eine Voll­zeit­stel­le ange­nom­men. Mei­ne Frau hat noch stu­diert. Hier hat uns das Split­ting das ers­te mal gehol­fen. Danach haben wir bei­de Voll­zeit gear­bei­tet. Als es in mei­nem Unter­neh­men krie­sel­te konn­te ich ein Sabat­ti­cal neh­men und dank des Split­tings pro­mo­vie­ren und wir konn­ten die Kre­di­te für unse­re Woh­nung wei­ter bedie­nen. Mei­ne Frau hat gear­bei­tet. Spä­ter kam unser Sohn zur Welt und mei­ne Frau konn­te Erzie­hungs­ur­laub machen und ich habe voll­zeit gear­bei­tet. Als er grö­ßer wur­de hat mei­ne Frau dann in Teil­zeit gear­bei­tet. Lei­der ging es dem Unter­neh­men, in dem wir bei­de beschäf­tigt waren, dann finan­zi­ell schlecht und wir haben bei­de unse­re Stel­le ver­lo­ren. Mei­ne Frau hat sich im Qua­li­täts­ma­nage­ment wei­ter gebil­det und wir haben beschlos­sen, wer zuerst wie­der eine Stel­le fin­det, kann Voll­zeit arbei­ten. Nun bin ich inzwi­schen 57 und so war es für mei­ne Frau ein­fa­cher eine Stel­le zu fin­den. Gute Aus­bil­dung und viel Erfah­rung hel­fen mir lei­der auch nicht. Im Gegen­teil. Man ist den Unter­neh­men mit 57 zu alt und zu teu­er. Mei­ne Frau arbei­tet nun Voll­zeit und ich suche nach einer Teil­zeit­stel­le und küm­me­re mich um mei­nen 9 jäh­ri­gen Sohn und die Fami­lie. Zudem leis­te ich ehren­amt­li­che Arbeit. Auch das ermög­licht uns das Ehe­gat­ten­split­ting. War­um soll­ten mei­nem Sohn, wenn er erwach­sen ist, die­se Mög­lich­kei­ten genom­men wer­den?

Wenn man älter ist, wird es extrem schwie­rig eine Stel­le zu fin­den, auch wenn man ger­ne arbei­ten will. Die Abschaf­fung des Ehe­gat­ten­split­tings schafft kei­ne Stel­len für Älte­re und auch nicht für jun­ge Müt­ter, es ver­hin­dert Qua­li­fi­zie­run­gen und belas­tet gera­de die Fami­li­en, die wenig Geld haben. Daher mein drin­gen­der Apell an die SPD: Wer­det end­lich wie­der Arbeit­neh­mer­par­tei: Fin­ger weg vom Ehe­gat­ten­split­ting. Wer 100 Mil­li­ar­den in die Bun­des­wehr ste­cken kann, soll­te auch etwas für Fami­li­en übrig haben.

Dr. Jörg Huck­len­broich
Döl­ler­s­we­ger Hof 2
42929 Wer­mels­kir­chen
02196 8899667

Foto: Chat GPT

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