Eine demokratiebildende Erfahrung
Buchempfehlung zum Geburtstag unseres Grundgesetzes von Marie-Louise Lichtenberg.
Pija Lindenbaum (Text und Illustration)
Aus dem Schwedischen von Jutta Hemer
Klett Kinderbuch Verlag 2023
18,00 €
Ab 5

Schon kleine Kinder haben ein Gespür für Gerechtigkeit. Diese Parabel der bedeutenden schwedischen Bilderbuchkünstlerin Pija Lindenbaum zeigt eindrucksvoll, wie Kinder sich gegen Willkür erfolgreich wehren und soziale Ungerechtigkeit nicht hinnehmen.
Das Buch hat zahlreiche Preise erhalten und war 2024 in der Sparte Bilderbuch für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.
Die Jury begründete ihre Wahl mit folgendem Text:
„Vor farbenprächtiger Internatskulisse entfaltet Der erste Schritt eine Parabel über eine Revolte gegen Begrenzungen und soziale Ungleichheit. Die in Frage zu stellende Ordnung bewacht eine Vorsteherin, die mit dem hintersinnigen Wort „Schäfin“ bezeichnet ist. In Gestalt eines Hundes und mit Trillerpfeife gibt sie einer Kinderschar vor, was zu tun ist. Markantes Symbol der Willkür ist das eine das Gelände begrenzende weiße Linie, die nicht zu überschreiten ist. Obwohl alle Kinder Topfhaarschnitt tragen, unterscheiden sie sich maßgeblich. Die Privilegierten in blauen Roben dürfen lernen, spielen und ruhen, während die mit schmutziggrauen Kitteln zu Bediensteten Erklärten dienen, putzen und räumen müssen. Nach und nach verliert die kindliche Erzählerfigur den in der Übersetzung von Jana Hemer gut getroffenen lakonischen „So-ist-es-eben“-Ton ihres Berichts. Die Brutalität der Verhältnisse wird erkannt und Veränderung eingeleitet. Auf einen Rollentausch folgen weitere Macht auflösende Taten der Kinder. Sie bringen die „Schäfin“ an den Rand der Erschöpfung und die Kinder – endlich – über die Linie.
Die Mitentdeckung des Fragwürdigen und die Mitfreude an entdeckten Handlungsmöglichkeiten kann für Leser:innen dieser politischen Bilderbuchparabel zu einer wichtigen demokratiebildenden Erfahrung werden.“
Ein sehr empfehlenswertes Buch für Kleine und Große, denn es zeigt, dass, wenn alle zusammenhalten und solidarisch sind, man Veränderungen herbeiführen kann.
Beitragsbild: Marie-Louise Lichtenberg


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