In Wermelskirchen wächst die Sorge über eine zunehmende Zahl rechtsextrem motivierter Vorfälle. Das AJZ Bahndamm hat am Wochenende in einem öffentlichen Statement auf Social Media von mehreren Angriffen und Einschüchterungen berichtet, die sich in jüngster Zeit in der Stadt ereignet haben sollen. Besonders alarmierend: Laut Darstellung des Jugendzentrums seien inzwischen auch Minderjährige betroffen.
Vorwurf gezielter Angriffe und Bedrohungen
Nach Angaben des AJZ Bahndamm kam es zuletzt am Abend des 23. Mai zu einem mutmaßlich rechtsextrem motivierten Vorfall. Ein Vater und sein 13-jähriger Sohn seien auf dem Heimweg vom Jugendzentrum bedrängt, beleidigt und bedroht worden. Zudem sollen verfassungsfeindliche Parolen, darunter „Sieg Heil“, gerufen worden sein. Nach Darstellung des AJZ habe das Eingreifen einer Passantin mit Zivilcourage eine weitere Eskalation verhindert.
Das Jugendzentrum spricht in seinem Statement von „gezielten rechtsextremen Angriffen auf Personen in unserer Stadt“ und betont, dass es sich nicht um einen Einzelfall handle.
Weitere Vorfälle geschildert
Bereits einige Wochen zuvor habe es laut AJZ einen weiteren Übergriff gegeben. Demnach soll eine beteiligte Person wahllos auf Gäste und Aktivistinnen und Aktivisten des Jugendzentrums eingeschlagen haben, nachdem offen rechtsextreme und menschenfeindliche Positionen vertreten worden seien.
Darüber hinaus verweist das AJZ auf weitere Entwicklungen, die aus Sicht der Einrichtung Anlass zur Sorge geben: Anfeindungen auf bislang friedlichen Stadt- und Dorffesten sowie verfassungsfeindliche Schmierereien entlang der Bahntrasse und in der Innenstadt. Diese Ereignisse seien Ausdruck einer besorgniserregenden Entwicklung, heißt es.
Appell an Zivilgesellschaft und Behörden
In seinem Statement ruft das AJZ Bahndamm zu gesellschaftlicher Wachsamkeit auf. Bürgerinnen und Bürger sollten menschenfeindlichen Aussagen widersprechen und Zivilcourage zeigen, wenn sie Zeugen entsprechender Vorfälle würden. Gleichzeitig fordert die Einrichtung die zuständigen Behörden auf, demokratie- und verfassungsfeindliche Handlungen konsequent zu verfolgen.
Das AJZ betont zugleich sein Selbstverständnis als Ort für Offenheit, Demokratie und Solidarität und positioniert sich klar gegen Gewalt, Ausgrenzung und Rechtsextremismus.
Ein Thema für die gesamte Stadtgesellschaft
Die geschilderten Vorfälle werfen Fragen auf, die über das AJZ hinausreichen. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, würde dies auf eine Entwicklung hindeuten, die nicht nur einzelne Einrichtungen betrifft, sondern die gesamte Stadtgesellschaft herausfordert. Gerade kleinere Städte galten lange Zeit oft als weniger von offenem Extremismus geprägt – umso größer ist die Aufmerksamkeit, wenn entsprechende Vorfälle öffentlich gemacht werden.
Ob und in welchem Umfang Ermittlungsbehörden bereits mit den geschilderten Fällen befasst sind, ist derzeit öffentlich nicht bekannt.
Redaktioneller Hinweis: Die Darstellung der Vorfälle beruht auf einem öffentlichen Statement des AJZ Bahndamm Wermelskirchen. Eine unabhängige Bestätigung der geschilderten Ereignisse lag zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht vor.
Hier der Facebookbeitrag des AJZ Bahndamm:
“!!! GEZIELTE RECHTSEXTREME ANGRIFFE AUF PERSONEN IN UNSERER STADT !!!
Zum wiederholten Mal sind nun Menschen in Wermelskirchen von rechtsextremen Gewalttäter*innen attackiert, beleidigt, bedrängt und mit verfassungsfeindlichen Parolen beschimpft worden. Übergriffe in diesem Ausmaß waren in unserer Stadt lange Zeit nicht bekannt. Damit sich dieser Zustand nicht normalisiert, wollen wir diese erschreckende Entwicklung öffentlich zur Sprache bringen. Die Gewalttäter*innen leben in Wermelskirchen und sind in Vereinen etc. bekannt.
Aktueller Fall: Am Abend des 23.05.2026 wurde ein Vater mit seinem dreizehnjährigen Sohn auf dem Heimweg aus dem AJZ Bahndamm massiv angegangen. Nach Gewaltandrohungen wurden sie körperlich bedrängt, beschimpft und es wurde ihnen „Sieg Heil“ entgegen gerufen. Das das mutige Einschreiten einer Mitbürgerin mit Zivilcourage verhinderte an diesem Abend Schlimmeres.
Einige Wochen zuvor hatte ein Beteiligter an dieser feigen Aktion wahllos auf Gäste und Aktivist*innen des AJZ Bahndamms eingeschlagen, nachdem er offen rechtsextreme, menschenfeindliche Thesen, die er der AfD zuordnete, vertrat.
Dies sind nur zwei Beispiele für die Situation, in der sich nun auch unsere Stadt befindet. Und diese Tendenz betrifft nicht nur das AJZ Bahndamm. Die Anfeindungen auf bisher friedlichen Stadt- und Dorffesten, in unserer Stadtgesellschaft allgemein nehmen zu.
Verfassungsfeindliche Parolen, die vor drei Wochen auf unsere Bahntrasse und in unsere Innenstadt gesprüht wurden, sind sichtbare Zeichen dieser besorgniserregenden Entwicklung. Dass nun auch Minderjährige in Gefahr gebracht werden, ist eine neue Ebene rechter Gewalt in unserer Stadt.
Wir sind fassungslos, aber gleichzeitig werden wir dies so nicht hinnehmen. Das AJZ Bahndamm wird sich auch weiterhin konsequent für eine offene, demokratische und solidarische Gesellschaft einsetzen. Wir tolerieren keine Gewalt! Wir tolerieren keine Ausgrenzung von Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihrer sexuellen Ausrichtung, ihrer Religion oder einer Benachteiligung. Wir tolerieren keine Rechtsextremen, Nazis und Faschisten, die die Werte unserer Gesellschaft auch in Wermelskirchen zerstören wollen.
Deshalb rufen wir euch auf: Bildet eine starke Zivilgesellschaft, die handlungsfähig gegenüber rechtsextremen Entwicklungen bleibt und unterstützt euch dabei gegenseitig. Greift möglichst ein, wenn in eurer Gegenwart rechtsextreme und menschenfeindliche Aussagen getätigt werden. Seid wachsam gegenüber abwertenden Aussagen gegenüber Ausländer*innen, Frauen, queeren Personen etc. Die Ordnungsbehörden rufen wir auf, diese Entwicklungen ernst zunehmen und demokratie- und verfassungsgefährdende Handlungen nachdrücklich zu verfolgen.
Von Dhünn und Dabringhausen bis Tente und zur Innenstadt haben wir die Faschisten satt!
Eure Aktivist*innen im AJZ Bahndamm”
Fotos: AJZ Bahndamm


Kommentare
5 Kommentare zu „Sorge um zunehmende rechtsextreme Vorfälle in Wermelskirchen: AJZ Bahndamm macht Übergriffe öffentlich“
Aus gutem Grund und schmerzlicher Erfahrung hatte sich einst die BBC
“Erster zu sein ist gut, aber der Erste zu sein, der recht hat, ist alles”
über den bei uns empfohlenen Pressekodex hinaus auf die Fahne geschrieben.
Einfach mal darüber nachdenken.
Gelassenheit beginnt ‑bekanntlich- heute.
L.G.
Stefan Schäfer
Wie kann man als, Demokrat, bei der derzeitigen politischen Entwicklung gelassen bleiben. Gelassen bleiben kann nur der jenige der diese Entwicklung befürwortet. .. Und, der befürwortet eine faschistische, nationalistische, antidemokratische Politik. – Und, ich höre es jetzt schon, ” Das konnten wir nicht ahnen, das wollten wir nicht” Allein ein Blick ins ” Regierungsprogramm” der AfD in Sachsen, zeigt wo die Reise hingehen soll.
Gerade als gutem Demokraten sollte die besonnene Einschätzung der Lage Vorrang vor dem Teilen einseitig radikaler Verlautbarungen haben. Alles andere tendiert Richtung “Clickbait” bzw. “Unlauterer Journalismus”.
… und, schaut man in die Stadtgeschichte
Von Wermelskirchen, muss man feststellen, dass Wermelskirchen nicht ein konservativer Fleck Erde ist/war, sondern durchaus ein Fleck Erde mit strammen Nationalsozialisten. – Im hier und jetzt, strebt die AfD eine solche Zeit wieder an und hat damit auch in Wermelskirchen Erfolg. Eines ist klar, jeder kann wissen was für eine Gesellschaft die AfD anstrebt. Niemand, aber auch nicht einer kann behaupten er habe es nicht gewusst, habe so nicht kommen sehen.
Wundert mich nicht wirklich. Die gesellschaftliche, politische Entwicklung bewegt sich seit einigen Jahren eher gegen Demokratie, Grundgesetz, Menschenrechte und christlichen Menschenbild. – Mir wurde von einem Stadtverordneten schon vor einigen Jahren in den Sozialenmedien gesagt; dass er bedauere, das der Strafrechtsbestand des Paragrafen 175 abgeschafft wurde.