Die aktuelle Hitze- und Trockenheitslage macht deutlich: Brandgefahr ist kein Thema mehr nur für Südeuropa. Auch Wermelskirchen ist in erhöhter Alarmbereitschaft. Die Feuerwehr ist technisch nicht schlecht aufgestellt, kämpft aber seit Jahren mit baulichen Defiziten an Hauptwache und Gerätehäusern. Gleichzeitig zwingt die angespannte Haushaltslage die Stadt zur Priorisierung ihrer Investitionen. Genau hier liegt der Punkt: Wer jetzt priorisiert, muss den Brandschutz ganz oben ansetzen. Denn Feuerwehr ist keine freiwillige Kür, sondern die Sicherheitsgrundlage der Stadt.
Stand: 29. Juli 2026
Die Warnung der Feuerwehr Wermelskirchen kommt nicht zufällig und schon gar nicht zu früh. Wegen anhaltender Trockenheit, hoher Temperaturen und der aktuellen Werte beim Waldbrand- und Graslandfeuerindex befindet sich die Feuerwehr in erhöhter Alarmbereitschaft. Die Stadt spricht von Stufe 4 von 5. Besonders gefährdet sind trockene Wiesen, abgeerntete Felder, Waldränder und Zufahrten in die Natur. Der Appell ist eindeutig: keine Zigarettenkippen, kein Grillen am Wald, keine Fahrzeuge auf trockenem Gras – und Zufahrten für Einsatzfahrzeuge freihalten.
Wer die Bilder aus Frankreich und Spanien sieht, sollte diese Warnung nicht als routinemäßige Sommermeldung abtun. Dort zeigen Großbrände gerade, wie schnell aus Hitze, Trockenheit und einem kleinen Auslöser eine Lage werden kann, die ganze Regionen an ihre Grenzen bringt. Das ist nicht „weit weg“. Das ist die Realität eines Klimas, das auch vor Wermelskirchen nicht Halt macht.
Sollten wir uns jetzt nicht einmal nüchtern fragen: Wie belastbar ist unsere Feuerwehr, wenn aus Wetterlage Einsatzlage wird? Nicht nur auf dem Papier, sondern in der praktischen Realität.
Die Antwort könnte durchaus gemischt ausfallen.
Einerseits ist die Feuerwehr Wermelskirchen keineswegs schlecht aufgestellt. Der Fuhrpark wird seit Jahren modernisiert. Ersatz- und Neubeschaffungen, darunter auch waldbrandtaugliche Fahrzeuge, Sonderfahrzeuge, Digitalfunk und Sirenen, zeigen: Die Stadt hat verstanden, dass moderne Gefahrenabwehr moderne Technik braucht. Auch im laufenden Betrieb wird Geld in die Hand genommen – für Fahrzeugunterhaltung und Instandhaltung, Betriebsstoffe, Dienstkleidung. Aber auch für Fortbildung und die Förderung des Ehrenamts. Das ist keine bloße Symbolik.
Andererseits liegt der eigentliche Schwachpunkt der Wermelskirchener Feuerwehr nicht primär im Fahrzeugbestand, sondern in der baulichen Infrastruktur.
Und diese Feststellung ist nicht einfach die des Autors. Die offiziellen Unterlagen beschreiben die Feuer- und Rettungswache seit Jahren als ausgereizt. Mehrere Gerätehäuser entsprachen oder entsprechen nicht den Anforderungen von DIN und UVV (Unfallverhütungsvorschriften). Konkret geht es dabei um zu enge Stellplätze, fehlende Abgasabsaugung, zu kleine Umkleiden, unterdimensionierte Sanitär- und Sozialräume, Stolper- und Quetschungsgefahren sowie erschwerte Alarmabläufe. Das klingt technisch. Tatsächlich geht es um Zeit, Sicherheit und Einsatzfähigkeit.
Denn: Ein modernes Fahrzeug nützt nur begrenzt, wenn es in einer Halle steht, die den sicheren und schnellen Einsatz behindert. Eine engagierte Freiwillige Feuerwehr nützt nur dann voll, wenn ihre Standorte so ausgestattet sind, dass Alarmierung, Umkleiden, Ausrücken und Nachbereitung zeitgemäß funktionieren. Und eine hauptamtliche Wache kann nur dann ihre Stärke ausspielen, wenn sie nicht räumlich an der Belastungsgrenze arbeitet.
Dass die Stadt dieses Problem inzwischen erkannt hat, ist unstrittig.
Dabringhausen hat ein neues Gerätehaus.
In Dhünn läuft der Umbau beziehungsweise die Erweiterung.
Für Tente/Unterstraße und Eipringhausen sind Neubauten vorgesehen bzw. in Planung.
Nach den vorliegenden Haushalts- und Planungsunterlagen soll der Neubau Tente/Unterstraße nach Vorliegen der Machbarkeitsstudie sogar oberste Priorität haben. Das ist ein wichtiges Signal – zeigt aber zugleich, wie viel noch nicht erledigt ist.
Und damit sind wir beim eigentlichen politischen Kern.
Denn Wermelskirchen steht finanziell unter massivem Druck. Schon der Doppelhaushalt 2024/2025 war von hohen Investitionen, Kreditaufnahmen und der Notwendigkeit zur Priorisierung geprägt. Der inzwischen bekannte Entwurf des Doppelhaushalts 2026/2027 verschärft dieses Bild noch einmal deutlich. Für 2026 sind Investitionen von rund 75,5 Millionen Euro, für 2027 sogar von rund 91,9 Millionen Euro vorgesehen. Gleichzeitig sollen 60 Millionen Euro beziehungsweise 70,5 Millionen Euro an Investitionskrediten aufgenommen werden. In der mittelfristigen Finanzplanung stehen darüber hinaus weitere hohe Kreditbedarfe im Raum – auch für Schulen, Gebäude, Stadtentwicklung, Hallenbad und Brandschutz.
Der Kämmerer formuliert offen, dass nicht alle Maßnahmen im Finanzplanungszeitraum umsetzbar sein werden – weder finanziell noch personell – und dass deshalb eine Priorisierung der investiven Maßnahmen zwingend ist. Noch deutlicher: Im Entwurf 2026/2027 wird wieder ein Haushaltssicherungskonzept erforderlich. Und für die Folgejahre wird sogar das Risiko einer bilanziellen Überschuldung beschrieben, wenn die Entwicklung nicht gedreht wird.
Das ist die Lage, in der Wermelskirchen Entscheidungen treffen muss. Bürgermeister Hibst selbst stellt eindeutig klar: Es müssen Periorisierungen getroffen werden.
Und in diesem Zusammenhang muß die Frage gestellt werden: Wie wichtig ist im Gesamtkontext der Investitionen die Funktions- und Wehrfähigkeit der Feuerwehren – der freiwilligen wie der städtischen – in Wermelskirchen?
Ich denke: Sie gehört ganz nach oben. Nicht, weil Feuerwehr immer gut klingt. Nicht, weil Sirenen und Einsatzfahrzeuge politisch leichter vermittelbar wären. Sondern weil Brandschutz und Hilfeleistung keine freiwillige Kür, sondern eine Pflichtaufgabe und vor allem eine Sicherheitsgrundlage dieser Stadt sind.
Die Feuerwehren sind keine Frage des Komforts
Man kann über viele Investitionen streiten: über Reihenfolgen, Standards, Umfang, Zeitpläne. Das ist normal. Aber bei der Feuerwehr geht es nicht um eine Komfortfrage, die man im Zweifel eben ein paar Jahre länger schiebt. Es geht darum, ob die Stadt in einer Zeit zunehmender Extremwetterlagen in der Lage ist, Vegetations- und Flächenbrände schnell zu bekämpfen, Menschen aus Gebäuden zu retten, Außenbereiche und Gehöfte zuverlässig zu erreichen, bei mehreren parallelen Einsatzlagen handlungsfähig zu bleiben, und ihre eigenen Einsatzkräfte sicher arbeiten zu lassen.
Wermelskirchen mit seinen Waldflächen, Hoflagen, Streusiedlungen und Randlagen kann sich hier keine gefährliche Bequemlichkeit leisten.
Die Debatte über Prioritäten darf deshalb nicht so geführt werden, als stünde die Feuerwehr einfach mit auf einer langen Wunschliste. Sie ist kein beliebiger Investitionsposten, sondern Teil der kritischen Daseinsvorsorge. Wer jetzt priorisieren muss, muss sich auch trauen, das offen auszusprechen: Es gibt Projekte, die wichtig sind – und es gibt Projekte, ohne die eine Stadt ihre Kernaufgabe im Ernstfall nicht mehr verlässlich erfüllt. Die Feuerwehr gehört zur zweiten Kategorie.
Was nicht heißt, dass andere Vorhaben unwichtig wären. Schulen sind wichtig. Stadtentwicklung ist wichtig. Infrastruktur ist wichtig. Aber wenn eine Kommune selbst in ihren Haushaltsunterlagen festhält, dass von den Anforderungen des Brandschutzes ein besonderes Haushaltsrisiko ausgeht, dann sollte diese Feststellung nicht als Randnotiz behandelt werden, sondern als politische Leitlinie.
Die aktuelle Hitze- und Trockenheitslage liefert dafür in bedrückender Weise den passenden Realitätscheck. Wenn es brennt, zählt am Ende nicht, was einmal als Leuchtturmprojekt präsentiert wurde. Dann zählt, ob Fahrzeuge herauskommen. Ob Personal da ist. Ob Zufahrten frei sind. Ob Gerätehäuser funktionieren. Ob Führung, Technik und Ehrenamt ineinandergreifen. Ob die Stadt ihre Feuerwehr wirklich ernst genommen hat – bevor sie sie brauchte.
Darum sollte die Antwort auf die Prioritätenfrage in Wermelskirchen lauten: Feuerwehr zuerst. Nicht aus Reflex. Sondern aus Vernunft.
Quellen
Forum Wermelskirchen / Stadt-News, 29. Juli 2026:
Feuerwehr warnt vor erhöhter Brandgefahr
Stadt Wermelskirchen:
Entwurf Doppelhaushalt 2024/2025 (PDF)
Stadt Wermelskirchen:
Feuerwehr Wermelskirchen – Bürgerinfo / Feuerwehr und Rettungsdienst
Stadt Wermelskirchen / Forum Wermelskirchen:
„Unsere Stadt ist in guten Händen“: Feuerwehr tagt zur Hauptversammlung
Stadt Wermelskirchen:
Freiwillige Feuerwehr – Standorte und Einheiten
Stadt Wermelskirchen:
Neuer Schlauchwagen SW 2000 für die Feuerwehr
Stadt Wermelskirchen / Amtliche Bekanntmachung:
Feuerwehr investiert in Ausbildung. Förderverein ermöglicht wichtige Anschaffungen
Beteiligung NRW / Stadt Wermelskirchen:
Frühzeitige Beteiligung „Tente-Unterstraße“ – neues gemeinsames Feuerwehrgerätehaus
Brandschutzbedarfsplan Stadt Wermelskirchen:
Fortschreibung Brandschutzbedarfsplan (PDF)
AP News, 29. Juli 2026:
Heat wave threatens to intensify France’s mega-fire near Bordeaux
AP News, 27./29. Juli 2026:
What to know about the historic wildfires in France and Spain
Bild: Privat Klaus Ulinski


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