Ein Tag voller fliegender Gefahren


Von Chro­nik­zwerg Fand­orin Moos­bart

Heu­te mach­ten mei­ne Frau und ich uns auf den Weg von der Neu­emüh­le hin­auf bis zur gro­ßen Schnei­se, die die Men­schen eine Stra­ße nen­nen. Kaum hat­ten wir den Wald­rand erreicht, kreis­ten vier gewal­ti­ge Mila­ne über einem frisch gemäh­ten Feld. Ein Bau­er war dort eben mit sei­nen lär­men­den Maschi­nen fer­tig gewor­den, und wie jedes Mal wusel­te es nun vor Mäu­sen.

Ein präch­ti­ger Anblick sind die­se gro­ßen Vögel. Ele­gant glei­ten sie durch die Lüf­te und ent­geht ihnen doch kaum eine Bewe­gung am Boden. Für uns Zwer­ge heißt das aller­dings: stets wach­sam blei­ben. Wer weiß schon, ob ein hung­ri­ger Milan nicht ein­mal einen bär­ti­gen Zwerg mit einer beson­ders dicken Feld­maus ver­wech­selt. Zum Glück schenk­ten sie uns heu­te kei­ne Beach­tung.

Nach­dem wir die gro­ße Schnei­se mit ihren unzäh­li­gen stin­ken­den und don­nern­den Roll­ma­schi­nen heil über­quert hat­ten, wan­der­ten wir wei­ter in Rich­tung Beu­tels­hu­fe und hin­über ins Gebiet der Solin­ger Tal­sper­re.

Doch dort geschah etwas, das selbst mich erschau­ern ließ.

Plötz­lich erfüll­te ein tie­fes Brum­men die Luft. Es klang wie jene furcht­ba­ren Maschi­nen der Men­schen, mit denen sie hin­ter ihren Häu­sern das Gras stut­zen. Über den Baum­wip­feln erschien ein selt­sa­mes Unge­heu­er. Es schweb­te durch die Luft, ganz ohne Flü­gel­schlag, und schien sich von dem dröh­nen­den Lärm selbst zu tra­gen.

Mei­ne Frau pack­te mich am Ärmel. Wor­te brauch­ten wir kei­ne. Mit einem Satz ver­schwan­den wir bei­de hin­ter einem dich­ten Brom­beer­busch und hiel­ten den Atem an. Erst als das selt­sa­me Wesen in der Fer­ne ver­schwand und sein Dröh­nen lang­sam ver­stumm­te, wag­ten wir uns wie­der her­vor.

So kehr­ten wir schließ­lich wohl­be­hal­ten ins Eif­gen­tal zurück.

Ich will nicht kla­gen – Aben­teu­er hal­ten einen Zwerg schließ­lich jung. Doch ein biss­chen weni­ger Bedro­hun­gen von oben wären mir und mei­ner Frau künf­tig durch­aus recht. Die Mila­ne rei­chen eigent­lich schon völ­lig aus.

Fotos: Chro­nik­zwerg Fand­orin Moos­bart

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