Rheinisch-Bergischer Kreis.
Der demografische Wandel zeigt sich auch im Rheinisch-Bergischen Kreis: Die Bevölkerung wird älter, Lebensläufe verändern sich und die Anforderungen an Unterstützung, Pflege und Teilhabe wachsen. Wie der Kreis diesen Ansprüchen möglichst gerecht werden kann, analysiert der aktuelle Pflegebericht, der im Ausschuss für Arbeit, Soziales, Pflege und Gesundheit vorgestellt wurde. Auf 121 Seiten nimmt er die Entwicklung der Pflegebedürftigkeit in den Blick, bewertet die vorhandenen Versorgungsstrukturen und ist somit eine zentrale Informations- und Entscheidungsgrundlage für Politik, Verwaltung sowie die Akteurinnen und Akteure der Pflege im Kreisgebiet.
„Unser Ziel ist es, im Rheinisch-Bergischen Kreis Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen älter werdende Menschen gut leben, wohnen und versorgt sein können. Wir müssen jetzt die richtigen Weichen stellen, damit die pflegerische Versorgung auch in Zukunft gesichert ist. Dazu braucht es ein enges Zusammenspiel aller Beteiligten – von Kommunen über Leistungserbringer bis hin zu Initiativen und Ehrenamt“, so Sozialdezernent Jürgen Langenbucher.
Auch in Zukunft gut versorgt: Pflegebericht analysiert Bedarfe und Angebote
Der Pflegebericht untersucht, wie sich die Zahl der pflegebedürftigen Menschen entwickelt, beschreibt die vorhandenen Pflegeangebote und bewertet, wie sich der Bedarf in Zukunft verändern wird. Er dient als zentrale Grundlage für die gesetzlich vorgeschriebene Pflegeplanung nach dem Alten- und Pflegegesetz Nordrhein-Westfalen. Neben dem notwendigen Ausbau der Infrastruktur – von stationären Einrichtungen über ambulante Dienste bis hin zu teilstationären Angeboten – hebt der Bericht insbesondere die Bedeutung präventiver Ansätze und die Stärkung pflegender Angehöriger hervor.
Im Jahr 2050 wird knapp ein Drittel der Bevölkerung 65 Jahre oder älter sein und der Anteil der Bevölkerung, der 80 Jahre und älter ist, wird bis 2050 auf 12,5 Prozent anwachsen. Im Vergleich: 2024 waren es 8,2 Prozent. Seit 2015 hat sich die Zahl der Pflegebedürftigen mehr als verdoppelt, gleichzeitig ist die Zahl derer, die vollständig im privaten Rahmen versorgt werden, stark angestiegen. Der Pflegebericht stellt fest, dass die Zahl der Pflegebedürftigen von 2021 bis 2023 um mehr als 18 Prozent auf 23.730 gestiegen ist. Dagegen sank die Zahl der durch ambulante Dienste versorgten Personen erstmals um sieben Prozent. Gleichzeitig ging das Personal in der ambulanten Pflege um 6,5 Prozent zurück.
„Die Zahl pflegebedürftiger Menschen wird weiter steigen, während gleichzeitig Fachkräfte fehlen“, erklärt Claudia Materne, Leiterin des Amts für Soziales und Inklusion. „Das stellt uns vor erhebliche Herausforderungen in der Planung und Sicherstellung der Versorgung.“
Der Bericht prognostiziert eine strukturelle Entwicklung, die sich weiter verschärfen könnte: Bis 2050 müsste die professionelle Pflegeinfrastruktur um rund 40 Prozent wachsen, während das Potenzial an Arbeitskräften bis Mitte der 2030er Jahre um etwa 11 Prozent sinkt. Zusätzlich nimmt das familiäre Unterstützungspotenzial deutlich ab. „Diese Entwicklung ist eine zentrale Herausforderung für die zukünftige Versorgungssicherheit“, erklärt Claudia Materne.
Besonders deutlich wird der Handlungsbedarf in der vollstationären Dauerpflege: Das Versorgungsniveau liegt bereits heute rund 15 Prozent unter dem Landesdurchschnitt. Um den aktuellen Stand zu halten, fehlen bis 2030 etwa 100 Plätze. Um das Durchschnittsniveau von Nordrhein-Westfalen zu erreichen, wären rund 350 zusätzliche Plätze erforderlich. Bis 2045 wächst die Lücke auf 660 bis 940 Plätze an.
Die Empfehlungen des Berichts sind eng mit dem Handlungskonzept „Inklusiv leben und wohnen, aktiv altern und versorgt sein im Rheinisch-Bergischen Kreis“ sowie der Sozialplanung „Motiv Mensch“ verknüpft. Ziel ist es, die Versorgung bedarfsgerecht weiterzuentwickeln und kleinräumig auszurichten, um Angebote passgenau im Lebensumfeld der Menschen weiterzuentwickeln.
Interessierte können den Pflegebericht auf der Webseite des Kreises unter
https://www.rbk-direkt.de/pflegebericht-2025–2026.pdfx herunterladen.
Foto: RBK


Schreibe einen Kommentar