Wenn “Entlastung” zur Belastung wird

Um 17 Cent pro Liter Ben­zin und Die­sel soll die Minera­öl­steu­er gesenkt wer­den – zunächst für zwei Mona­te. Das kün­dig­ten die Spit­zen der Koali­ti­on nach ihren Bera­tun­gen vom Wochen­en­de an. Die Koali­ti­on will es zudem Arbeit­ge­bern im Jahr 2026 ermög­li­chen, eine steu­er- und abga­ben­freie “Ent­las­tungs­prä­mie” von 1.000 Euro zu zah­len.

Doch wie­viel taugt das in einer Stadt wie Wer­mels­kir­chen?

Der pen­deln­de Arbeit­neh­mer bekommt viel­leicht etwas Hil­fe — falls der Arbeit­ge­ber die Prä­mie über­haupt zah­len kann. Und das kann ange­sichts unse­rer gesamt­wirt­schaft­li­chen Lage nicht jeder! Der Rent­ner mit Auto bekommt ein paar Euro beim Tan­ken und geht sonst weit­ge­hend leer aus. Und der Selb­stän­di­ge, der ohne­hin schon unter Auf­trags­druck, Büro­kra­tie, Inves­ti­ti­ons­zwang und Per­so­nal­sor­gen lei­det, soll plötz­lich auch noch der­je­ni­ge sein, der Ent­las­tung ver­teilt.

Genau dar­in liegt die Unge­rech­tig­keit: Der Staat bür­det dem Unter­neh­mer auf, sei­nen Beschäf­tig­ten eine Prä­mie zu zah­len, wäh­rend er selbst mit 17 Cent Tan­kra­batt so tut, als hät­te er damit den gro­ßen Wurf gelie­fert. Das ist bil­lig, durch­schau­bar und für vie­le Betrie­be, gera­de hier in Wer­mels­kir­chen, blan­ker Hohn.

Eine ehr­li­che Ent­las­tung, die ihren Namen ver­dient

War­um geht man nicht end­lich den ehr­li­chen Weg und ent­las­tet Arbeit mas­siv? War­um nicht ein­mal einen Brut­to­lohn net­to aus­zah­len? Weil dann wie­der die übli­chen Beden­ken­trä­ger auf­schrei­en — allen vor­an ein Finanz­mi­nis­ter, der bei ech­ter Ent­las­tung plötz­lich ganz schnell die rote Kar­te für Leis­tungs­trä­ger, Mit­tel­stand und arbei­ten­de Mit­te zieht. Und das beson­ders trau­ri­ge dar­an: Der Finanz­mi­nis­ter ist ein Sozi­al­de­mo­krat.

Die bit­te­re Wahr­heit ist: Die sozia­le Fra­ge ist nicht nur bei CDU/CSU, son­dern bei die­ser “Ent­las­tungs­ak­ti­on” mitt­ler­wei­le auch bei der SPD unter die Räder gekom­men. Wer sozi­al sein will, darf nicht stän­dig über Refor­men reden und dann Mini-Kor­rek­tu­ren als Wohl­tat ver­kau­fen. Wer sozi­al sein will, muss Rent­ner, Pend­ler, Arbeit­neh­mer und Selb­stän­di­ge glei­cher­ma­ßen im Blick haben.

Statt­des­sen erle­ben wir seit Jah­ren das­sel­be Trau­er­spiel: kei­ne über­zeu­gen­de Ren­ten­re­form, kei­ne ver­nünf­ti­ge Gesund­heits­re­form, kein ech­ter Büro­kra­tie­ab­bau, kei­ne spür­ba­re Ent­las­tung des Mit­tel­stands — aber immer neue Ankün­di­gun­gen, die in der Pra­xis kaum tra­gen.

Der Pend­ler wird nicht wirk­lich ent­las­tet.
Der Rent­ner wird über­gan­gen.
Der Selb­stän­di­ge wird aus­ge­nom­men.

Und genau des­halb wächst auch hier in Wer­mels­kir­chen der Ein­druck, dass die­se Poli­tik nicht nur schwach ist, son­dern an der Rea­li­tät der Men­schen schlicht vor­bei­re­giert. Leu­te wie Weigel, Chrup­al­la und Co. klop­fen sich jeden Tag vor Freu­de auf die Schen­kel und war­ten ein­fach nur ab: Auf die nächs­te Wahl.

Bild: Pri­vat Klaus Ulin­ski

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Kommentare

4 Kommentare zu „Wenn “Entlastung” zur Belastung wird“

  1. Avatar von Stefan Janosi
    Stefan Janosi

    Es ist erstaun­lich mit wel­chem Dilet­tan­tis­mus die Regie­rungs­ko­ali­ti­on ver­sucht mit den aktu­el­len Pro­ble­men umzu­ge­hen. Eine vor­geb­lich wirt­schafts­kom­pe­ten­te Par­tei wie die CDU, mit einer Minis­te­rin die Kom­pe­tenz in öko­no­mi­schen Fra­gen ledig­lich vor­gibt, igno­riert markt­wirt­schaft­li­che Prin­zi­pi­en. Das ein Tan­kra­batt nur zu einem Teil bei den Bür­gern lan­den wird, dafür gibt es genug Bei­spie­le in der Ver­gan­gen­heit und im EU-Aus­land (sie­he hier in Ita­li­en). Damit han­delt die Regie­rung ein­deu­tig nicht zum Woh­le der Bür­ger son­dern dilet­tiert ver­ant­wor­tungs­los vor sich hin. Kon­se­quen­ter­wei­se lässt sich da unse­re Wirt­schaft­mi­nis­te­rin zur Fra­ge von Gas­kraft­wer­ken von ihrem ehe­ma­li­gen Arbeit­ge­ber bera­ten, und extern nur von die­sem! Avan­ti dilet­tan­ti!!

  2. Avatar von Marcello Albani
    Marcello Albani

    Im letz­ten Kom­mu­nal­wahl­kampf zeig­te sich deut­lich: AfD und Lin­ke spra­chen fast aus­schließ­lich über Bun­des­the­men statt über loka­le Fra­gen – und leg­ten trotz­dem zu. Das belegt, dass Kom­mu­nal­wah­len zuneh­mend zum Stim­mungs­ba­ro­me­ter für Bun­des­po­li­tik wer­den. Ver­trau­ens­ver­lust und poli­ti­sche Fehl­ent­schei­dun­gen auf natio­na­ler Ebe­ne trei­ben vie­le Wäh­ler zur Pro­test­wahl, auch auf kom­mu­na­ler Ebe­ne.

  3. Avatar von Heidbüchel
    Heidbüchel

    Auch ich fin­de das gan­ze ist ein Witz.
    Ent­las­tung hin oder her, was sich die Ver­ant­wort­li­chen leis­ten ist schon eine Unver­schämt­heit. Ich wür­de mir wün­schen dass die ört­li­che CDU/SPD einen Brand­brief zur Regie­rung schickt.
    Ich den­ke dass ist nur ein Wunsch­den­ken!!!!
    Wie Herr Ulin­ski schon geschrie­ben hat.… ande­re rei­ben sich die Hän­de.

  4. Avatar von Henning Rehse
    Henning Rehse

    Her­vor­ra­gen­de Ana­ly­se, dan­ke Herr Ulin­ski!
    Sind Sie nicht in einer die Bun­des­re­gie­rung tra­gen­de Par­tei, der SPD? Dann machen Sie denen doch mal Bei­ne!
    Glei­ches sage ich im Übri­gen den Kol­le­gen der CDU, wenn sie wie­der den Ein­druck erwe­cken, sie hät­ten irgend­wie mit der Bun­des- und Lan­des-CDU nichts zu tun.
    Auch genau die­ses *Belei­di­gung entfernt/Redaktion* Ver­hal­ten von Poli­ti­kern schreckt die Bür­ger ab!