Ein Beitrag von Rosie Geisler
Kunst im Vorübergehen entdecken – und vielleicht ein wenig länger verweilen
Wer durch die Fußgängerzone schlendert, kennt es längst: das „Kunstfenster“ der Bergischen Apotheke. Seit 2023 ist es zu einem festen Bestandteil unseres Stadtbildes geworden – eine stille Einladung, im Alltag kurz innezuhalten und Kunst dort zu begegnen, wo man sie nicht unbedingt erwartet: mitten auf dem Weg durch die Stadt.
Initiiert von Apothekerin Ulla Buhlmann in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein Wermelskirchen, bietet dieses besondere Format lokalen Künstlerinnen und Künstlern die Möglichkeit, jeweils für einen Monat ein Werk im Schaufenster zu präsentieren. Kunst wird so aus dem geschützten Raum von Galerien herausgelöst und direkt in das Leben der Menschen getragen – niedrigschwellig, sichtbar und überraschend nah.
Ein zweites Fenster öffnet sich
Nun bereichert ein weiteres „Kunstfenster“ unsere Innenstadt: Im Kreativstudio „Shines“ von Helen Hachenberg in der Kölner Straße 4 entsteht ein neuer Ort für Kunst im öffentlichen Raum. Die Idee dazu entstand auf Initiative von Ulla Buhlmann und in enger Zusammenarbeit mit dem Kunstverein.
Helen Hachenberg, die ihr Studio erst im vergangenen Oktober mit viel Engagement und Begeisterung eröffnet hat, sieht darin eine wunderbare Ergänzung ihres Konzepts:
„Das Kunstfenster ist ein schöner Blickfang an unserem Eckfenster und ich bin schon gespannt auf die verschiedenen Werke, die dort zu sehen sein werden.“
Ihr Studio versteht sich als offener Raum für Kreativität und Begegnung – ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen, Ideen teilen und gemeinsam gestalten. Oder, wie sie es selbst formuliert: Mal bunt. Mal laut. Mal leise. Hauptsache: mit Freude.
Kunst mit Geschichte – der Auftakt
Den Anfang im neuen Kunstfenster macht Roswitha Geisler mit ihrem Werk „Pinetop’s Blues“ (Acryl, 60 x 60 cm). Das Bild erzählt seine eigene Geschichte – inspiriert von einem Song des legendären Bluesmusikers Pinetop Perkins, der noch im hohen Alter die Bühne mit seiner Musik erfüllte. Das Porträt zeigt einen Pianisten, den die Künstlerin in einem Blues-Club erlebte – ein Moment gelebter Musik, eingefangen in Farbe und Ausdruck. So wird das Schaufenster nicht nur zur Ausstellungsfläche, sondern auch zu einem Ort erzählter Geschichten.

Kunst im Alltag – eine Einladung zum Innehalten
Mit dem zweiten Kunstfenster entsteht mehr als nur ein weiterer Ausstellungsort. Es wächst ein kleines Netzwerk kultureller Blickpunkte, das unsere Innenstadt auf leise, aber wirkungsvolle Weise bereichert.
Gerade jetzt, mit Blick auf die kommenden Frühlingstage und vielleicht bei einem Osterspaziergang durch das Städtchen, laden die Kunstfenster dazu ein, stehen zu bleiben, hinzuschauen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Kunst wird hier zum Anlass für Begegnung – ungeplant, offen und für alle zugänglich.
Dank an die Engagierten
Ein herzlicher Dank gilt Ulla Buhlmann für ihre kontinuierliche Initiative, Kunst in den öffentlichen Raum zu bringen, Helen Hachenberg für die Offenheit und die neue Ausstellungsfläche im Kreativstudio „Shines“, dem Vorstand des Kunstvereins Wermelskirchen für die Organisation, sowie allen beteiligten Künstlerinnen und Künstlern.
Solche Projekte zeigen, wie lebendig unser Wermelskirchen wird, wenn Engagement, Kreativität und Gemeinschaft zusammenfinden.
Übrigens: Anfang Mai wird bereits das nächste Kunstwerk im Eckfenster zu entdecken sein. Ein Grund mehr, immer wieder einmal stehen zu bleiben.
Fotos: Martin di Georgi und Helen Hachenberg

