Gerüchteküche

Gerüch­te sind Infor­ma­tio­nen ohne gesi­cher­te Grund­la­ge. Sie ent­ste­hen dort, wo Unsi­cher­heit herrscht, und leben davon, wei­ter­erzählt zu wer­den. Einen gewis­sen „Nut­zen“ haben sie durch­aus: Sie geben Ori­en­tie­rung, schaf­fen Gesprächs­stoff und ver­bin­den Men­schen kurz­fris­tig. Ihr Mehr­wert ist jedoch begrenzt – denn sie basie­ren nicht auf über­prüf­ba­ren Fak­ten.

Gera­de des­halb sind Gerüch­te so attrak­tiv. Sie sind oft emo­tio­nal, zuge­spitzt und ein­fa­cher zu ver­ste­hen als kom­ple­xe Zusam­men­hän­ge. Sie bestä­ti­gen vor­han­de­ne Mei­nun­gen und ver­mit­teln das Gefühl, „mehr zu wis­sen“. Doch genau hier beginnt das Pro­blem: Gerüch­te erset­zen kei­ne Fak­ten. Des­halb gehö­ren sie in das Gen­re “Face­book und Co” und fin­den dort eif­rig-wil­li­ge Küchen­hel­fer in der Gerüch­te­kü­che.

Fak­ten sind über­prüf­bar und belast­bar. Gerüch­te hin­ge­gen kön­nen sich mit jeder Wei­ter­ga­be ver­än­dern – bis sie irgend­wann als Wahr­heit erschei­nen. Durch stän­di­ge Wie­der­ho­lung kön­nen sie sich zu „alter­na­ti­ven Fak­ten“ ent­wi­ckeln: Aus­sa­gen, die geglaubt wer­den, obwohl sie nicht belegt sind.

In Wer­mels­kir­chen zeigt sich die­se Dyna­mik aktu­ell beson­ders deut­lich in der Debat­te um die gefühl­te Unsi­cher­heit. Obwohl belast­ba­re Daten kein Bild einer unsi­che­ren Stadt zeich­nen, hal­ten sich gegen­tei­li­ge Über­zeu­gun­gen hart­nä­ckig. Ein­zel­ne Vor­fäl­le wer­den ver­all­ge­mei­nert, Gerüch­te ver­stär­ken das Unsi­cher­heits­ge­fühl – und am Ende ent­steht eine Wahr­neh­mung, die mit der Rea­li­tät wenig zu tun hat.

Beson­ders kri­tisch ist, dass sol­che „alter­na­ti­ven Fak­ten“ gezielt auf­ge­grif­fen und ver­stärkt wer­den, ger­ne auch in den soge­nann­ten „sozia­len Medi­en“ – unter ande­rem von rechts­na­tio­na­len und rechts­extre­men Kräf­ten. Sie nut­zen Gerüch­te, um Ängs­te zu schü­ren, Ver­trau­en zu unter­gra­ben und gesell­schaft­li­che Spal­tung zu för­dern. Das Gefühl wird dabei über die Fak­ten gestellt.

Für eine Stadt­ge­sell­schaft wie Wer­mels­kir­chen ist das gefähr­lich. Denn wenn Gerüch­te die Grund­la­ge von Mei­nun­gen wer­den, ver­liert die sach­li­che Aus­ein­an­der­set­zung an Bedeu­tung.

Des­halb gilt: Gefüh­le sind ernst zu neh­men – aber sie erset­zen kei­ne Fak­ten. Wer Ver­ant­wor­tung für das Mit­ein­an­der über­neh­men will, soll­te bei­des klar unter­schei­den. Eini­ge im Rat die­ser Stadt tun genau das nicht – und beru­fen sich dabei auch noch auf eine angeb­li­che Mehr­heit, die sie gewählt habe. Die­ses Argu­ment wird genutzt, um unbe­leg­te Behaup­tun­gen auf­zu­wer­ten und Kri­tik abzu­weh­ren. Das ist scham­los und ver­ant­wor­tungs­los.

Denn am Ende ent­schei­den nicht Gerüch­te über die Rea­li­tät unse­rer Stadt, son­dern der bewuss­te, ehr­li­che Umgang mit Wahr­heit.

Bild: Pri­vat Klaus Ulin­ski

Kommentare

2 Kommentare zu „Gerüchteküche“

  1. Avatar von Lutz Balschuweit

    Man kann Men­schen auch absicht­lich Angst machen. Was ich per­sön­lich unan­stän­dig fin­de.

  2. Avatar von Uwe
    Uwe

    Sehr schön geschrie­ben, aber nur Zah­len, Daten und Fak­ten besei­ti­gen nicht die gefühl­te Unsi­cher­heit. Und die­se ist auch in Wer­mels­kir­chen weit ver­brei­tet.

    Natür­lich leben wir sta­tisch in einer sehr siche­ren Regi­on (objek­tiv), aber wenn der Bür­ger sich nun mal unsi­cher fühlt (sub­jek­tiv), soll­te man das ernst neh­men. Und vor allem nicht par­tei­po­li­tisch ver­knüp­fen.

    Wer das macht (und so ver­ste­he ich Dei­nen Text, lie­ber Klaus) miss­braucht die Gefüh­le der Bür­ger und nimmt die­se damit nicht ernst .

    Übri­gens – selbst die Poli­zei hat die­ses Ziel seit Jah­ren for­mu­liert:

    Die Poli­zei Nord­rhein-West­fa­len (NRW) ver­folgt das Ziel, das sub­jek­ti­ve Sicher­heits­ge­fühl der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger zu stei­gern.

    Scheint also doch eher seri­ös zu sein, sich auch damit zu beschäf­ti­gen …

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