Wie man hört, plant die Bundesregierung eine neue Regelung für Autoreifen. Neben den bekannten und bewährten Sommer- und Winterreifen soll nun auch noch ein „Übergangs-Reifen“ eingeführt und auch Pflicht werden. Der Name wurde offenbar von der bekannten „Übergangs-Jacke“ abgeleitet. Die Nutzung erfolgt also in einer Zeit wo es nicht Sommer und nicht Winter ist – also in der Zwischenzeit, quasi zwischen den Tagen.
Geplant sind die Übergangs-Reifen für den Frühling und für den Herbst. Pflicht ist ein kompletter Satz einschließlich dem passenden Ersatzreifen. Das bedeutet 5 Reifen pro Fahrzeug. Und weiter gerechnet sind es dann 3 Satz pro Fahrzeug, also total 15 Reifen.
Der Reifenwechsel darf zukünftig nicht mehr selbst durchgeführt werden sondern muss zwingend in einer Kfz-Fachwerkstatt oder in einem zugelassenen Reifenbetrieb erfolgen. Jeder Wechsel muss mit einem Zertifikat belegt werden und soll auch kontrolliert werden. Über die Höhe eines Bußgeldes ist noch nichts bekannt.
„Diese Maßnahme erfolgt um die Sicherheit im Straßenverkehr weiter zu erhöhen“, sagte Dr. Hartmut Schraube, Staatssekretär im Verkehrsministerium. Er belegt dies mit den Ergebnissen einer umfangreichen Forschungsarbeit, die im Auftrag der Reifenindustrie erfolgte.
Der Verdacht drängt sich auf, dass es sich bei der geplanten Neuregelung um eine massive Lobbyarbeit handelt und letztendlich ein Konjunkturprogramm für Industrie und Werkstätten darstellt. Die geplanten Bußgelder bringen weitere Einnahmen in die klammen Kassen.
Die Automobilclubs reagierten erstaunt auf diese Ankündigung. „Gegen Sicherheit kann ja niemand etwas einwenden“, sagte Pressesprecher Peter Radlos, „aber die Sommer- und Winterreifen haben sich bewährt und selbst die Ganzjahresreifen sind in den meisten Gebieten völlig in Ordnung.“
Sollte die neue Regelung Gesetz werden entsteht ein gewaltiges Chaos.
Über einen Jahreswechsel kommt man mit Winterreifen. Kurz vor dem Frühjahr müssten dann die Übergangsreifen montiert werden, anschließend die Sommerreifen, dann wieder die Übergangsreifen und dann die Winterreifen. Das heißt viermal Räder wechseln pro Jahr, jeweils kostenpflichtig mit Beleg.
Und wo lagert man die Reifen, die man gerade nicht braucht, denn dann ein?
Immerhin wären das 10 Stück pro Fahrzeug die nicht im Einsatz wären. Nicht jeder hat eine geräumige Garage oder einen großen Keller. Schon entstehen Start-Ups, die Reifen-Aufbewahrungsboxen anbieten, ähnlich einer Müllbox. Damit füllen wir dann die Vorgärten und Gehwege und schon kommen Ordnungs- und Bauämter auf den Plan. Nutzungsänderungen und Behinderungen von Fußgängern sind die Stichworte. Vielleicht sind sogar Genehmigungen notwendig. Und bis so eine Genehmigung erteilt wird (immer mit Einzelprüfung) sind mindestens schon wieder zwei Reifenwechsel notwendig gewesen.
Das Ganze scheint, wie so oft, nicht zu Ende gedacht zu sein. Gut gemeint aber schlecht gemacht. Zum Glück sind Übergangsfristen bis 2032 vorgesehen und alles muss ja auch noch europaweit abgestimmt werden. Ungarn wäre sicher wieder dagegen.
Aktuell wechseln wir auf Sommerreifen und freuen uns auf eine schöne Zeit. Allzeit gute Fahrt!
Foto: Walter Schubert


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