Fliegen euch die Tierarztkosten um die Ohren?

Es ist nicht neu, aber jetzt wirkt es sich aus. Auf mei­ner mor­gend­li­chen Jog­ging­run­de hör­te ich in einem Pod­cast davon und als Hun­de­hal­ter darf ich mich auch als Betrof­fe­ner bezeich­nen.

Haus­tie­re sind für vie­le Men­schen ein fes­ter Bestand­teil der Fami­lie. Umso grö­ßer ist die Betrof­fen­heit, wenn tier­ärzt­li­che Behand­lun­gen plötz­lich deut­lich teu­rer wer­den. Seit der Reform der Gebüh­ren­ord­nung für Tier­ärz­te (GOT), die im Novem­ber 2022 in Kraft trat, sind die Kos­ten in vie­len Pra­xen und Tier­kli­ni­ken spür­bar gestie­gen. Vie­le Tier­hal­ter berich­ten, dass selbst Rou­ti­ne­be­su­che heu­te deut­lich mehr kos­ten als frü­her.

Warum sind die Kosten gestiegen?

Die wich­tigs­te Ursa­che ist die neue Gebüh­ren­ord­nung für Tier­ärz­te (GOT). Die­se wur­de nach vie­len Jah­ren ohne grö­ße­re Anpas­sung grund­le­gend über­ar­bei­tet. Ziel war es, die tier­me­di­zi­ni­schen Leis­tun­gen an den heu­ti­gen Stand der Medi­zin anzu­pas­sen und die wirt­schaft­li­che Grund­la­ge der Pra­xen zu sichern.

Neben der Reform spie­len aber auch all­ge­mei­ne Fak­to­ren eine Rol­le:

  • stei­gen­de Ener­gie- und Betriebs­kos­ten
  • höhe­re Löh­ne für Fach­per­so­nal
  • teu­re­re Medi­ka­men­te und Mate­ria­li­en
  • moder­ner tech­ni­scher Stan­dard in der Tier­me­di­zin

All das führt dazu, dass tier­ärzt­li­che Leis­tun­gen ins­ge­samt deut­lich teu­rer gewor­den sind.

Kosten vor und nach der GOT-Reform (Beispiele)

Die Unter­schie­de zei­gen sich beson­ders bei Stan­dard­leis­tun­gen. Hier eini­ge typi­sche Bei­spie­le (jeweils ein­fa­cher GOT-Satz) Den Link zur aktu­el­len GOT fin­det ihr unten bei den Quel­len:

All­ge­mei­ne Unter­su­chung

  • vor­her: Hund ca. 13,47 €, Kat­ze ca. 8,98 €
  • nach­her: ca. 23,62 €
    → teil­wei­se über 100 % Stei­ge­rung

Ver­band anle­gen

  • vor­her: ca. 5,13 €
  • nach­her: ca. 17,25 €
    → mehr als drei­fa­cher Preis

Inha­la­ti­ons­nar­ko­se

  • vor­her: ca. 38,48 €
  • nach­her: ca. 73,52 €
    → fast Ver­dopp­lung

Pferd – all­ge­mei­ne Unter­su­chung

  • vor­her: ca. 19,24 €
  • nach­her: ca. 30,78 €
    → rund 60 % Stei­ge­rung

Die­se Bei­spie­le zei­gen: Beson­ders Basis­leis­tun­gen sind deut­lich teu­rer gewor­den.

Transparenz bei der Abrechnung

Ein wei­te­rer wich­ti­ger Punkt ist die Art der Abrech­nung.

Tier­ärz­tin­nen und Tier­ärz­te kön­nen inner­halb der GOT einen Gebüh­ren­rah­men nut­zen, meist vom ein­fa­chen bis zum mehr­fa­chen Satz. Die­ser soge­nann­te „Fak­tor“ hängt laut Rege­lung unter ande­rem von Auf­wand, Schwie­rig­keit und Behand­lungs­um­stän­den ab.

Im Gegen­satz zur Human­me­di­zin müs­sen höhe­re Abrech­nungs­fak­to­ren jedoch nicht aus­führ­lich begrün­det wer­den. Für Ver­brau­cher ist dadurch oft nicht direkt ersicht­lich, war­um eine Leis­tung im kon­kre­ten Fall teu­rer abge­rech­net wur­de als in einem ande­ren.

Das führt immer wie­der zu Dis­kus­sio­nen über Trans­pa­renz und Nach­voll­zieh­bar­keit der Rech­nun­gen.

Auswirkungen auf Tierhalter und Tierwohl

Die gestie­ge­nen Kos­ten stel­len vie­le Tier­hal­ter vor ech­te Her­aus­for­de­run­gen. Wäh­rend aku­te Behand­lun­gen meist noch bezahlt wer­den, wird es bei län­ge­ren oder wie­der­keh­ren­den The­ra­pien schnell teu­er.

Vie­le Ver­brau­cher akzep­tie­ren die höhe­ren Kos­ten zunächst, beson­ders wenn es um das Wohl ihres Tie­res in einer aku­ten Situa­ti­on geht. Auf Dau­er kann die finan­zi­el­le Belas­tung jedoch dazu füh­ren, dass Behand­lun­gen hin­aus­ge­zö­gert oder nur ein­ge­schränkt durch­ge­führt wer­den.

Das kann im schlimms­ten Fall Aus­wir­kun­gen auf das Tier­wohl haben, wenn not­wen­di­ge medi­zi­ni­sche Maß­nah­men nicht mehr voll­stän­dig umge­setzt wer­den.

Tierkrankenversicherung als Lösung?

Immer mehr Tier­hal­ter den­ken des­halb über Tier­kran­ken- oder OP-Ver­si­che­run­gen nach. Die­se kön­nen hel­fen, hohe Ein­zel­kos­ten abzu­fe­dern. Aller­dings sind auch die Ver­si­che­rungs­bei­trä­ge gestie­gen, und nicht jede Poli­ce deckt alle Leis­tun­gen voll­stän­dig ab.

Ein Ver­gleich der Ange­bo­te ist daher beson­ders wich­tig.

Fazit

Die Reform der GOT hat die Tier­arzt­kos­ten in Deutsch­land spür­bar erhöht. Zusam­men mit Infla­ti­on, höhe­ren Betriebs­kos­ten und medi­zi­ni­schem Fort­schritt führt das zu einer ins­ge­samt deut­lich teu­re­ren tier­ärzt­li­chen Ver­sor­gung.

Wäh­rend die Anpas­sun­gen aus Sicht der Tier­me­di­zin not­wen­dig sein kön­nen, bleibt für Ver­brau­cher die finan­zi­el­le Belas­tung eine ech­te Her­aus­for­de­rung. Beson­ders kri­tisch wird dabei die Trans­pa­renz der Abrech­nung gese­hen.

Am Ende steht ein Span­nungs­feld: gute medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung für Tie­re – und gleich­zei­tig die Fra­ge, wie bezahl­bar die­se für Hal­ter lang­fris­tig bleibt.

Quellen (Auswahl)

  • Gebüh­ren­ord­nung für Tier­ärz­te GOT
  • Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ernäh­rung und Land­wirt­schaft (BMEL) – Grund­la­gen zur GOT-Reform
  • Bun­des­tier­ärz­te­kam­mer – Gebüh­ren­ord­nung für Tier­ärz­te (GOT)
  • Alli­anz Rat­ge­ber zur GOT und Kos­ten­ent­wick­lung
  • Zoo­plus Maga­zin – Erklä­rung der GOT und Preis­än­de­run­gen seit 2022
  • RTL / Ver­brau­cher­infor­ma­tio­nen zur GOT 2022

Foto: KI gene­riert

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