Digitalisierung auf vier Pfoten – Teil 2

Die fast 9-Euro-Saga und Frau Sachlich

Der klei­ne Rüdi­ger ist tot. Die Hun­de­steu­er soll abge­mel­det wer­den. Nach dem ers­ten Kon­takt per E‑Mail war klar: Das For­mu­lar muss her. Also hieß es: For­mu­lar aus­fül­len, aus­dru­cken und per­sön­lich zum Amt brin­gen. Digi­ta­li­sie­rung auf Deutsch. Immer­hin: Wer eine Kopie sei­ner Abmel­dung möch­te, bekommt sie auch.

Für 70 Cent.

Da fragt man sich kurz, ob die Kopie wenigs­tens auf hand­ge­schöpf­tem Bütten­papier aus­ge­druckt wur­de. Die­ser Wunsch ging lei­der nicht in Erfül­lung. Aber damit ist die Geschich­te natür­lich noch lan­ge nicht been­det. Auf dem For­mu­lar soll­te auch die neue Bank­ver­bin­dung ein­ge­tra­gen wer­den. Die Mit­ar­bei­te­rin, nen­nen wir sie Frau A. Sach­lich, riet sogar aus­drück­lich dazu. Gesagt, getan. Neue Bank­ver­bin­dung hand­schrift­lich ein­ge­tra­gen. For­mu­lar abge­ge­ben.

Ange­le­gen­heit erle­digt. Dach­ten Frau­chen und Herr­chen. Denn jetzt kommt der span­nen­de Teil:

Hun­de­steu­er stor­niert oder Geld zurück?

Oh nein. Das wäre viel zu ein­fach. Statt­des­sen mel­det sich eini­ge Zeit spä­ter Frau B. Sach­lich per E‑Mail. Für den Rest­be­trag zur Ver­rech­nung von sage und schrei­be knapp 9 Euro feh­le der SEPA-Auf­trag. Alter­na­tiv kön­ne man aller­dings die knap­pen 9 Euro auch über­wei­sen. Aha.

Die Bank­ver­bin­dung wur­de also auf dem offi­zi­el­len Abmel­de­for­mu­lar hand­schriftlich ein­ge­tra­gen – auf Emp­feh­lung einer Mit­ar­bei­te­rin. Aber für die knap­pen 9 Euro braucht es offen­bar noch eine wei­te­re Wil­lens­er­klä­rung. Man könn­te jetzt natür­lich fra­gen: Gab es eigent­lich noch eine drit­te Frau Sach­lich? Oder viel­leicht einen Herrn Sach­lich, der sich aus­schließ­lich mit der Fra­ge beschäf­tigt, ob die 9 Euro nun über­wie­sen, ver­rech­net oder zunächst formulartech­nisch geneh­migt wer­den müs­sen? Man weiß es nicht.

Die Hun­de­haft­pflicht-Ver­si­che­rung hat­te es da ein­fa­cher. Eine E‑Mail genüg­te. Bedau­ern aus­drü­cken. Ver­trag been­den. Geld zurück. Vier Vor­gän­ge, null For­mulare, kein Amts­be­such.

Bei der Stadt hin­ge­gen wird aus dem Tod des klei­nen Rüdi­gers ein Verwal­tungsverfahren. Und wäh­rend Frau­chen oder Herr­chen noch über­le­gen, wel­cher Sach­lich nun für wel­chen Sach­ver­halt zustän­dig ist, bleibt eine Fra­ge: Was hät­te der Rüdi­ger wohl dazu gesagt? Ver­mut­lich nichts. Er war schließ­lich ein Hund. Aber eines ist sicher: Er hät­te sein Geschäft ein­fach erle­digt – und wäre gegan­gen. Die Stadt hin­ge­gen braucht dafür ein For­mu­lar. Und für die knapp 9 Euro offen­bar noch ein zwei­tes.

Der klei­ne Rüdi­ger war nach sei­nem lan­gen Leben als treu­er Beglei­ter schnel­ler aus dem Sys­tem abge­mel­det als sein Mensch aus dem Ver­wal­tungs­ver­fah­ren.

So sieht sie aus, die Digi­ta­li­sie­rung 2026:

Der Hund Rüdi­ger ist tot. Die Hun­de­steu­er lebt wei­ter. Und die Büro­kra­tie we­delt mit dem For­mu­lar oder den For­mu­la­ren.

Illus­tra­ti­on: Mit Ki erstellt

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