Die fast 9-Euro-Saga und Frau Sachlich
Der kleine Rüdiger ist tot. Die Hundesteuer soll abgemeldet werden. Nach dem ersten Kontakt per E‑Mail war klar: Das Formular muss her. Also hieß es: Formular ausfüllen, ausdrucken und persönlich zum Amt bringen. Digitalisierung auf Deutsch. Immerhin: Wer eine Kopie seiner Abmeldung möchte, bekommt sie auch.
Für 70 Cent.
Da fragt man sich kurz, ob die Kopie wenigstens auf handgeschöpftem Büttenpapier ausgedruckt wurde. Dieser Wunsch ging leider nicht in Erfüllung. Aber damit ist die Geschichte natürlich noch lange nicht beendet. Auf dem Formular sollte auch die neue Bankverbindung eingetragen werden. Die Mitarbeiterin, nennen wir sie Frau A. Sachlich, riet sogar ausdrücklich dazu. Gesagt, getan. Neue Bankverbindung handschriftlich eingetragen. Formular abgegeben.
Angelegenheit erledigt. Dachten Frauchen und Herrchen. Denn jetzt kommt der spannende Teil:
Hundesteuer storniert oder Geld zurück?
Oh nein. Das wäre viel zu einfach. Stattdessen meldet sich einige Zeit später Frau B. Sachlich per E‑Mail. Für den Restbetrag zur Verrechnung von sage und schreibe knapp 9 Euro fehle der SEPA-Auftrag. Alternativ könne man allerdings die knappen 9 Euro auch überweisen. Aha.
Die Bankverbindung wurde also auf dem offiziellen Abmeldeformular handschriftlich eingetragen – auf Empfehlung einer Mitarbeiterin. Aber für die knappen 9 Euro braucht es offenbar noch eine weitere Willenserklärung. Man könnte jetzt natürlich fragen: Gab es eigentlich noch eine dritte Frau Sachlich? Oder vielleicht einen Herrn Sachlich, der sich ausschließlich mit der Frage beschäftigt, ob die 9 Euro nun überwiesen, verrechnet oder zunächst formulartechnisch genehmigt werden müssen? Man weiß es nicht.
Die Hundehaftpflicht-Versicherung hatte es da einfacher. Eine E‑Mail genügte. Bedauern ausdrücken. Vertrag beenden. Geld zurück. Vier Vorgänge, null Formulare, kein Amtsbesuch.
Bei der Stadt hingegen wird aus dem Tod des kleinen Rüdigers ein Verwaltungsverfahren. Und während Frauchen oder Herrchen noch überlegen, welcher Sachlich nun für welchen Sachverhalt zuständig ist, bleibt eine Frage: Was hätte der Rüdiger wohl dazu gesagt? Vermutlich nichts. Er war schließlich ein Hund. Aber eines ist sicher: Er hätte sein Geschäft einfach erledigt – und wäre gegangen. Die Stadt hingegen braucht dafür ein Formular. Und für die knapp 9 Euro offenbar noch ein zweites.
Der kleine Rüdiger war nach seinem langen Leben als treuer Begleiter schneller aus dem System abgemeldet als sein Mensch aus dem Verwaltungsverfahren.
So sieht sie aus, die Digitalisierung 2026:
Der Hund Rüdiger ist tot. Die Hundesteuer lebt weiter. Und die Bürokratie wedelt mit dem Formular oder den Formularen.
Illustration: Mit Ki erstellt


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