Wie wir wohnen wollen
Stellt man sich Wermelskirchen im Jahr 2035 vor, haben die meisten sofort Bilder im Kopf: eine belebte Innenstadt, sichere Wege, grüne Plätze, bezahlbare Wohnungen, kurze Wege für den Alltag. Zwischen diesen Bildern und der Wirklichkeit liegt jedoch Planung – und Planung braucht Entscheidungen, die wehtun, weil sie Prioritäten setzen.
Die Aufgaben lassen sich nicht aussitzen. Die Mieten steigen, Wohnraum fehlt, über Verdichtung und über Freiflächen wird zugleich geklagt, Leerstände prägen einzelne Lagen, und die Frage, ob junge Familien hierbleiben, entscheidet sich auch daran, ob sie eine Wohnung finden. Stadtgestaltung heißt, auf diese Fragen zu antworten, statt Sie zu verwalten: Wo wollen wir wachsen? Wo ausdrücklich nicht? Welche Orte brauchen wir dringend – Spielplätze, Plätze zum Verweilen, sichere Schulwege, Grün, das mehr ist als ein Rest zwischen zwei Straßen?
An dieser Stelle gehört das Rhombus-Gelände hin. Über kaum ein Vorhaben ist in dieser Stadt so viel gestritten worden, und der Streit war berechtigt, denn es geht um viel Geld und um eine Weichenstellung. Ob man die Entscheidung für richtig hält oder für gewagt: sie ist ein Anfang, und Anfänge haben die Eigenschaft, dass man an ihnen später gemessen wird. Ein Gelände dieser Größe kann eine Stadt beleben oder jahrzehntelang binden; welcher der beiden Fälle eintritt, entscheidet sich nicht an der Absichtserklärung, sondern an der Beharrlichkeit, mit der man dranbleibt.
Wohnen und Energie hängen dabei enger zusammen, als die getrennten Ausschüsse vermuten lassen. Ein Neubaugebiet mit einem Nahwärmenetz und Dächern voller Photovoltaik ist ein anderes Gebiet als eines, in dem jedes Haus für sich kämpft. Eine sanierte Altbauzelle ist gleichzeitig Wohnungspolitik, Klimapolitik und Sozialpolitik. Wer beim Planen nur eines dieser Felder im Blick hat, verschenkt die Hälfte des Nutzens.
Ein letztes noch: „Wie wollen wir leben?“ klingt nach einer Frage für Sonntagsreden. In Wahrheit wird sie jeden Werktag beantwortet, im Bauausschuss, im Bebauungsplan, in der Entscheidung, ob eine Fläche versiegelt oder freigehalten wird. Nur merkt man die Summe dieser vielen kleinen Antworten erst, wenn sie gebaut ist und sich nicht mehr ändern lässt.
Wie wir wohnen wollen, sollten wir deshalb aussprechen, bevor es der Zufall für uns entscheidet.
Bild: Privat Klaus Ulinski
Hier finden Sie eine Übersicht der Kolumne “Übergänge” von Klaus Ulinski
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Übergänge – Folge 1
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Übergänge – Folge 2
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Übergänge – Folge 3
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Übergänge – Folge 4
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Übergänge – Folge 5
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Übergänge — Folge 6
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Übergänge — Folge 7


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