Aufhören!

Zum Glück hat unser Land kei­ne Pro­ble­me. Egal wel­cher Bereich – es läuft super und alles funk­tio­niert.

Des­halb kön­nen wir uns nun auf ein ganz wich­ti­ges The­ma kon­zen­trie­ren: Die ver­geig­te Fuß­ball-WM. Die heu­ti­ge Zei­tung ist fast unge­le­sen im Alt­pa­pier gelan­det. Wer sich, so wie ich, so gar nicht für Fuß­ball inter­es­siert, für den ist die­se Bericht­erstat­tung völ­lig däm­lich und unver­ständ­lich. Ich emp­fin­de es als eine media­le Beläs­ti­gung. Leu­te, die gera­de mal wis­sen dass ein Ball rund ist, posau­nen ihre Exper­ti­sen hin­aus.

Das Mot­to lau­tet: „War­um habt ihr ver­lo­ren?“ „Weil die ande­ren ein Tor mehr geschos­sen haben.“ Ja, wer hät­te das gedacht. Tol­le Erkennt­nis.

Dum­mer­wei­se habe ich mir die­ses Spiel teil­wei­se ange­se­hen. „Wir schau­en mal eben rein. Ist ja gleich Schluss.“ Ja nix war mit Schluss. Ein aberkann­tes Tor, dann Ver­län­ge­rung und Elf­me­ter­schie­ßen. Und span­nend war’s. Bin mehr­fach ein­ge­schla­fen. Ein unmo­ti­vier­tes kicken, lust­los ohne Inter­es­se und Begeis­te­rung, ein­fach satt – so mein Ein­druck. Das sind also die bes­ten Spie­ler unse­res Lan­des? Na, ja. Aber wir brau­chen uns kei­ne Sor­gen zu machen – alles wird gut bezahlt, Leis­tung hin oder her.

Nun ist also der Trai­ner schuld. Der hat zwar nicht gespielt aber einer muss ja die Gesamt­ver­ant­wor­tung über­neh­men. Die Auf­stel­lung war sowie­so falsch und er konn­te die Spie­ler nicht moti­vie­ren. Wird er ent­las­sen, geht er frei­wil­lig, wenn ja wann, wer wird Nach­fol­ger, gibt es einen Nach­fol­ger, kann der es bes­ser – Fra­gen über Fra­gen, abso­lut lebens­wich­tig für unser Land, die alles ande­re über­schat­ten.

Ich fin­de, die Mann­schaft hat ein pas­sen­des Bild abge­lie­fert, hat sich ange­passt an die all­ge­mei­ne Situa­ti­on, an die aktu­el­le Lage. Wir kön­nen nichts, wir ler­nen nichts und wir machen nichts und wenn dann lie­ber nur halb­her­zig. Und weil die Leis­tung so über­ra­gend war gab es noch ein Lob vom Kanz­ler: „Wir sind stolz auf euch!“. Es ist zum fremd­schä­men.

Foto: Wal­ter Schu­bert

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