In Thüringen findet derzeit ein Parteitag der AfD statt, der auf beklemmende Weise an einen historischen Vorgang vor genau 100 Jahren erinnert: An gleicher Stelle versammelte sich einst die NSDAP zu einem Parteitag, auf dem politische Ziele und Strategien beraten wurden, deren Folgen Deutschland und die Welt in die dunkelste Epoche ihrer Geschichte führten.
Die Parallelen, die heute sichtbar werden, sind alarmierend: ähnliche Feindbilder, ein vergleichbarer politischer Duktus und eine Sprache, die erneut gesellschaftliche Spaltung und Ausgrenzung befördert. Die Geschichte mahnt, dass demokratische Ordnungen nicht erst dann verteidigt werden dürfen, wenn ihre Zerstörung unmittelbar bevorsteht.
Währenddessen ringen die Sozialdemokratie und die Christdemokratie weiterhin mit der Frage, wie mit einer Partei umzugehen ist, deren Verfassungsfeindlichkeit von staatlichen Stellen in Teilen festgestellt wurde. Dieses Zögern birgt ein gefährliches Risiko: Wer die Bedrohung für die Demokratie erkennt, aber dauerhaft untätig bleibt, trägt Verantwortung dafür, wenn demokratische Institutionen geschwächt werden.
Die Geschichte zeigt, dass Demokratien nicht allein durch äußere Feinde fallen, sondern auch durch das Versagen derjenigen, die sie schützen sollen. Thüringen darf nicht zum Symbol dafür werden, dass aus historischem Wissen keine politische Konsequenz gezogen wurde.
Foto: Klaus Ulinski privat


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