Aufhören!

Zum Glück hat unser Land kei­ne Pro­ble­me. Egal wel­cher Bereich – es läuft super und alles funk­tio­niert.

Des­halb kön­nen wir uns nun auf ein ganz wich­ti­ges The­ma kon­zen­trie­ren: Die ver­geig­te Fuß­ball-WM. Die heu­ti­ge Zei­tung ist fast unge­le­sen im Alt­pa­pier gelan­det. Wer sich, so wie ich, so gar nicht für Fuß­ball inter­es­siert, für den ist die­se Bericht­erstat­tung völ­lig däm­lich und unver­ständ­lich. Ich emp­fin­de es als eine media­le Beläs­ti­gung. Leu­te, die gera­de mal wis­sen dass ein Ball rund ist, posau­nen ihre Exper­ti­sen hin­aus.

Das Mot­to lau­tet: „War­um habt ihr ver­lo­ren?“ „Weil die ande­ren ein Tor mehr geschos­sen haben.“ Ja, wer hät­te das gedacht. Tol­le Erkennt­nis.

Dum­mer­wei­se habe ich mir die­ses Spiel teil­wei­se ange­se­hen. „Wir schau­en mal eben rein. Ist ja gleich Schluss.“ Ja nix war mit Schluss. Ein aberkann­tes Tor, dann Ver­län­ge­rung und Elf­me­ter­schie­ßen. Und span­nend war’s. Bin mehr­fach ein­ge­schla­fen. Ein unmo­ti­vier­tes kicken, lust­los ohne Inter­es­se und Begeis­te­rung, ein­fach satt – so mein Ein­druck. Das sind also die bes­ten Spie­ler unse­res Lan­des? Na, ja. Aber wir brau­chen uns kei­ne Sor­gen zu machen – alles wird gut bezahlt, Leis­tung hin oder her.

Nun ist also der Trai­ner schuld. Der hat zwar nicht gespielt aber einer muss ja die Gesamt­ver­ant­wor­tung über­neh­men. Die Auf­stel­lung war sowie­so falsch und er konn­te die Spie­ler nicht moti­vie­ren. Wird er ent­las­sen, geht er frei­wil­lig, wenn ja wann, wer wird Nach­fol­ger, gibt es einen Nach­fol­ger, kann der es bes­ser – Fra­gen über Fra­gen, abso­lut lebens­wich­tig für unser Land, die alles ande­re über­schat­ten.

Ich fin­de, die Mann­schaft hat ein pas­sen­des Bild abge­lie­fert, hat sich ange­passt an die all­ge­mei­ne Situa­ti­on, an die aktu­el­le Lage. Wir kön­nen nichts, wir ler­nen nichts und wir machen nichts und wenn dann lie­ber nur halb­her­zig. Und weil die Leis­tung so über­ra­gend war gab es noch ein Lob vom Kanz­ler: „Wir sind stolz auf euch!“. Es ist zum fremd­schä­men.

Foto: Wal­ter Schu­bert

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Kommentare

4 Kommentare zu „Aufhören!“

  1. Avatar von RA Stefan Markel
    RA Stefan Markel

    Was soll das?

    Wer als Zuschau­er ergeb­nis­of­fen und neu­tral das Tur­nier beob­ach­tet hat, für den war das deut­sche Ergeb­nis der Grup­pen­run­de kei­ne Über­ra­schung.

    Dass sich die Deut­sche Natio­nal­mann­schaft der “all­ge­mei­nen Situa­ti­on im Lan­de ange­passt habe” , ist eine sach­ge­biets­über­schrei­ten­de, werk­im­men­an­te Leis­tungs­in­ter­pre­ta­ti­on ohne jede fak­ti­sche Grund­la­ge. Sozu­sa­ge ein fake. Ein sol­ches sub­jek­tivs­kur­ri­les Emp­fin­den soll­te eher klein­ge­schrie­ben wer­den.

    Hin­ge­gen wird “fremd­schä­men” in letz­ten Satz groß geschrie­ben, als Sub­stant­tiv.

    Und über­haupt: Da Deutsch­land ande­re Pro­ble­me als das Abschnei­den der Fuss­bal­ler bei der WM hat die regie­ren­de Koali­ti­on die WM-Zeit genutzt, um tief­grei­fen­de Ände­run­gen vor­zu­be­rei­ten. Durch die Ver­kür­zung der WM für alle deut­schen Bun­des­trai­ner und Bes­ser­wis­ser schau­en jetzt hof­fent­lich mehr Men­schen dem Gesetz­ge­ber auf die Fin­ger.

    Ich bin sehr gespannt, ob das irgend­wel­che posi­ti­ven Aus­wir­kun­gen auf die Beschluss- und Ver­ab­schie­dungs­la­ge hat.

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    1. Avatar von Walter Schubert
      Walter Schubert

      Es han­del­te sich um eine Kolum­ne mit ein wenig Sati­re und ein biss­chen Humor.
      Da muss man nicht das gro­ße Fass auf­ma­chen.

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  2. Avatar von Karl-Reiner Engels
    Karl-Reiner Engels

    Wenn es denn ein Gutes hat, dass unse­re “Jungs” aus­ge­schie­den sind, dann besteht dies dar­in, dass “Wir” uns jetzt wie­der ver­stärkt dem Wesent­li­chen zuwen­den kön­nen. Dies besteht ins­be­son­de­re dar­in, teil­zu­neh­men an den vom DGB und den Ein­zel­ge­werk­schaf­ten orga­ni­sier­ten Pro­test­ak­tio­nen gegen den geplan­ten mas­si­ven Sozi­al­ab­bau und die gewünsch­te und erzwun­ge­ne gesell­schaft­li­che “Kriegs­er­tüch­ti­gung”. Zudem bedeu­tet dies auch, dass pro­tes­tiert wird gegen die fort­schrei­ten­de Rechts­ent­wick­lung, was impli­ziert, gegen ein wei­te­res Erstar­ken der AfD zu pro­tes­tie­ren. Denn die AfD ist zu begrei­fen, als die extre­me Fort­set­zung einer neo­li­be­ra­len Poli­tik, die sich gegen die Inter­es­sen der Beschäf­tig­ten rich­tet.

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  3. Avatar von Harald Heidbüchel
    Harald Heidbüchel

    Gute Ana­ly­se, der letz­te Absatz ist tref­fend.

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