Das Bergfest ist gefeiert, die Hälfte ist rum. Gemeint ist das diesjährige Stadtradeln, an dem auch Wermelskirchen einmal mehr mit Erfolg teilnimmt. Seit 2008 wird dieser Wettbewerb vom Klima-Bündnis, einem europäischen Netzwerk von Städten, Gemeinden und Landkreisen, organisiert. Ziel ist es, möglichst viele Menschen dazu zu bewegen, Alltagswege mit dem Fahrrad statt mit dem Auto zurückzulegen und gleichzeitig die Radverkehrsförderung in den Kommunen zu stärken.
11 der insgesamt 21 Tage Stadtradeln sind nun vorbei, und das bisherige Ergebnis kann sich einmal mehr sehen lassen. 549 Radelnde konnten in 38 Wermelskirchener Teams bereits 68777 Kilometer zurücklegen. Damit belegt man bundesweit Platz 436. Im Rheinisch-Bergischen- Kreis ist das Rang 12. Zum Vergleich: Bundesweit sind 3062 Kommunen mit insgesamt 612.246 Fahrradfahrern dabei, die bisher mit 7.924.008 Fahrten 92.822.500 Kilometer erradelt haben. Platz 1 auf Bundesebene belegt Berlin, wo 5.447.220 Kilometer erreicht wurden.
Dabei sind die gemeldeten Teams unterschiedlich engagiert und eifrig. Während einmal mehr das Team Dabringhausen mit 146 Radlern und bisher 17920 absolvierten Kilometern auf Platz eins der Teamwertung steht, haben andere Radler noch nicht so richtig angefangen, Kilometer zu sammeln. Die Teams „Billionäre unter sich“, “HeiterWeiter“ oder „Schalkarina“ punkten aber zumindest schon einmal mit kreativen Teamnamen. Das beste Outfit stellen wahrscheinlich die radelnden „Herbert & Hotchkiss“. Auf ihren bisherigen 44 Kilometern konnte man die Lokal-Satiriker allerdings noch nicht fotografieren…
Das Stadtradeln soll ja auch kein Leistungssport sein, sondern einfach nur zum Mitmachen animieren. In Wermelskirchen sind in den letzten Jahren die Radler durch diese Aktion zusammen gerückt. Die Teams bilden mittlerweile eine für Wermelskirchen ernst zu nehmende Rad-Lobby. So wurde 2024 erstmals auf Initiative des Teams Dabringhausen und des ADFC ein Workshop mit der Stadtverwaltung initiiert. Zuvor hatten sich die Team-„Kapitäne“ getroffen und einen offenen Brief an Bürgermeisterin Holthaus mitunterzeichnet. Als Ergebnis wurden von der Stadt zahlreiche Verbesserungen der Radstruktur umgesetzt. Auch die große Rad-Demo am letzten Wochenende zeigt, dass sich die heimischen Radfahrer nicht mehr so einfach abspeisen lassen werden. Die Verbindung der Außenbezirke nach Wermelskirchen über sichere Radwege – diese Forderung wird man Ernst nehmen müssen. Die meisten der Mitradelnden und all die anderen sind immerhin Wähler.
Geradelte Kilometer können aber auch viel Gutes bewirken. Das 60 Teilnehmer umfassende Team „Prophysio und Freunde“ hat bereits 8768 Kilometer erradelt. 1 Cent pro Kilometer wird man an das Kinderhospiz Burgholz weiterleiten. Von den wahrscheinlich am Ende über 30 000 Kilometern des Team Dabringhausen wird der Förderverein des Freibads Dabringhausen profitieren. Sponsoren werden die gefahrenen Kilometer der Aktiven aus Dabringhausen mit Spenden belohnen, die in die Kasse des Freibads fließen werden.
Schade ist allerdings, dass die Lokalpolitiker in Wermelskirchen das Stadtradeln als Kampagne bisher ignorieren. Zwar gab es schon einmal vereinzelt radelnde Parteimitglieder (SPD und Grüne) unserer Stadt, die beim Stadtradeln mitgemacht hatten. Die in den Stadtradeln-Statuten angebotene Spezial-Wertung für Parlamentarier, also auch für Lokalpolitiker, hat bisher bei uns noch keinen Anklang gefunden. Schade, die Erfahrungen auf dem Rad könnten doch gerade in Wermelskirchen wichtige Erkenntnisse für Ausschuss- oder Ratssitzungen bringen. Immerhin nehmen gerade bis heute bundesweit 3414 Parlamentarier am Stadtradeln 2026 teil.
Wäre das nicht schön, wenn man sich in der Kleinstadt mit Herz einmal daran ein Beispiel nehmen würde?
Foto: Canva generiert


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