Stell dir vor, du wachst jeden Morgen auf und weißt nicht, ob du den Tag überleben wirst. Stell dir vor, du bist ein Kind – und diese Angst ist dein Alltag. Für 32 ukrainische Kinder war heute alles anders. Heute durften sie einfach nur lachen, schreien vor Freude und für ein paar Stunden vergessen, was sie zu Hause erwartet.
Dank großzügiger Spenden sind wir mit der ganzen Gruppe im Phantasialand. Ich bewache gerade ihre viel zu schweren Rucksäcke. Getränke, Brötchen vom Frühstückstisch und ihre ganz persönlichen Dinge wiegen eben. Die Kinder selbst warten ungeduldig und voller Vorfreude in der langen Schlange auf die heiß begehrte Fahrt mit der Achterbahn.
Seit fünf Tagen sind die Kinder hier – in Sicherheit, im Jugendgästehaus des TSV Bayer 04. Alle haben ihre Väter im Krieg verloren. Ihre Mütter zu überzeugen, sie für zehn Tage nach Deutschland reisen zu lassen, war nicht einfach. Doch jetzt sind sie hier. Und für diese kurze Zeit gibt es keine Sirenen, keine Angst, keinen Krieg. Nur Sommer, Spiel und die Gewissheit: Du bist nicht allein.
Eine Journalistin fragte mich: „Wie halten Sie das aus?“ Ich antworte: „Ich denke an die Momente wie heute, an das Lachen, die leuchtenden Augen, die Freude. Und ich weiß: Jeder Tag hier ist ein Tag, an dem diese Kinder spüren, dass die Welt auch anders sein kann. Dass sie nicht vergessen sind.“
„Sag mir, wo die Blumen sind …“ dieses Lied klingt meiner Generation noch in den Ohren. Und doch müssen wir uns heute, 80 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, wieder fragen: Was können wir tun, damit Kinder nicht in Angst aufwachsen müssen?
Vielleicht ist die Antwort einfach: Weiter machen. Weiter helfen. Weiter Hoffnung geben. Denn diese Kinder verdienen mehr als nur zehn Tage ohne Krieg. Sie verdienen eine Zukunft.
Fotos und Video: Lothar Dähn


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