Es ist früh am Morgen, als ich die Rolllade meiner Ladentür hochziehe.
Der Himmel ist strahlend blau, durchzogen von einigen Kondensstreifen.
Wissenschaftliche Magie am Himmel.
“Wohl fett übersättigte Luft weiter oben”, denke ich.
Ein Nachbar kommt vorbei:
“Guten Morgen, Yvonne! Hast Du denn gut geschlafen?”
“Guten Morgen! Ja, soweit ganz gut. Und Du?”
“Hast Du denn auch geträumt?”
“Nun ja. Man träumt ja immer. Kann sich aber meist nur an die Träume bei leichtem Schlaf erinnern oder an Alpträume. Heute erinnere ich mich aber an nichts. Und Du?”
“Kein Wunder. Hast Du denn auch heute schon mal in den Himmel geschaut?”
“Ja”, sage ich und denke ‘och nööööööö, bitte nicht.…’
“Weisst Du denn, was das da oben sind?”
“Ja, Kondensstreifen von Flugzeugen. Passiert, wenn die Luft übersättigt ist und kein Wass…”
“Nein. Kondensstreifen sind das nicht. Die würden nicht so lange bleiben. ICH weiss aber, was das sind…”
“Ich glaube, ich weiß, wie Du das nennst, aber ich sage Dir direkt, dass das in meiner Welt nicht existiert.”
Er schweigt.
“Aber weißt Du, ich respektiere deine Meinung und deinen Glauben. Ich möchte nämlich gar nicht diskutieren.
Grundsätzlich allerdings finde ich, die Welt braucht Phantasie und Magie.”
Er lächelt milde und mitleidig und ich kann mir vorstellen, dass er denkt:
‘Schlafschaf, die Chemtrails wirken.’
Ich lächle zurück und denke: ‘Aluhut’.
“Das stimmt, Phantasie und Magie sind wichtig!”, sagt er nickend.
“Yo!”, sage ich.
“Bis später”, sagt er, der Aluhut.
“Bis später”, sage ich, das Schlafschaf.
Er lässt mir die Wissenschaft.
Ich lasse ihm die Erde in Scheibenform, die Echsenmenschen, die Chemtrails, usw.
Wir treffen uns zwischendurch, kurz und wohlgesonnen, an der Gesinnungskreuzung bei Phantasie und Magie und biegen dann freundlich winkend in vollkommen verschiedene Richtungen ab.
Und der Himmel ist schon wieder blau.
Die Kondensstreifen sind verschwunden.
Ich muss lächeln.
Wenn es doch immer so einfach wäre.
Beitragsbild: KI generiert


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