Einfach mal nix

Manch­mal denk ich: „Es geht nicht mehr. Ich kann nicht mehr.“

Das mor­gend­li­che Ritu­al: Lap­top ein­schal­ten. Die GMX-Sei­te öff­net sich mit den neu­es­ten Nach­rich­ten. Trump, Ukrai­ne, Iran, Regie­rungs­streit usw. und eigent­lich ist damit der Tag schon ver­saut. Danach geht es zu rp-online, zu „Mein Ort“ also Wer­mels­kir­chen, danach zum Forum-WK und die Stim­mung wird nicht bes­ser. Mei­ne Frau hat sich auch noch ein Pro­be-Abo des RGA auf­schwät­zen las­sen. Muss auch noch gele­sen wer­den. Da ich am Vor­abend bereits Nach­rich­ten und Maga­zi­ne und Talk­shows gese­hen habe ist mein Bedarf an schlech­ten Nach­rich­ten ziem­lich erschöpft. Kann man das aus­hal­ten? Ja, ich weiß: nur eine schlech­te Nach­richt ist eine gute Nach­richt. Das eine Flug­zeug dass abstürzt ist inter­es­sant. Die rest­li­chen tau­send die star­ten, flie­gen und lan­den – wen inter­es­siert das?

Manch­mal benei­de ich die Leu­te die poli­tisch völ­lig des­in­ter­es­siert sind. Denen es völ­lig egal ist was so pas­siert. „Ich kann es nicht ändern, ich kann es nicht auf­hal­ten.“ Ein Freund sag­te mal: „Ein biss­chen For­rest Gump täte uns allen gut.“ Also ein biss­chen schlich­tes Gemüt, einen Hauch von blöd oder halt ganz ein­fach gestrickt. Ja. Viel­leicht wür­de das hel­fen.

Ich den­ke über einen Selbst­ver­such nach. Ein schö­nes stil­les Plätz­chen, ein Häus­chen am Strand, ohne Inter­net, ohne Han­dy, ohne TV. Geht das? Kann man das aus­hal­ten?

Ja, was macht man denn da? Wie sähe so ein Tag aus?

Auf­ste­hen, Toi­let­te machen, anzie­hen, früh­stü­cken, einen Spa­zier­gang machen, ein­kau­fen, kochen, Mit­tag essen, auf­räu­men, Nicker­chen, lesen, Spa­zier­gang machen, lesen, Wein trin­ken, Abend­essen, lesen, Wein trin­ken und ab ins Bett. Und wenn es gut läuft mal mit­ein­an­der spre­chen? Klingt doch nach einem Plan. Musik wäre wich­tig. Dar­auf möch­te ich nicht ver­zich­ten. Musik hören, Wein trin­ken, auf’s Meer schau­en und nichts tun, nur da sein. Klingt doch gut.

Wird man am zwei­ten Tag schon unru­hig? Ist es wie auf Ent­zug beim nicht mehr rau­chen wol­len? Steht der Rus­se schon vor der Tür und man hat es gar nicht mit­ge­kriegt? Wird man unru­hig, fühlt man sich aus­ge­schlos­sen, von der Welt abge­schnit­ten? Und man kann ja gar nicht mehr mit­re­den – man weiß ja von nichts. Katha­ri­na Rei­che hat ein För­der­pro­gramm für Die­sel­hei­zun­gen vor­ge­stellt, Ver­kehrs­mi­nis­ter Patrick Schnie­der will auf Links­ver­kehr umstel­len um dem Rechts­trend ent­ge­gen zu wir­ken und Öster­reich will heim ins Reich geholt wer­den. Trump plant eine Inva­si­on auf Bor­kum und Sylt wird das 17. Bun­des­land. Die Fuß­ball-WM wird auf Grund des gro­ßen Erfol­ges ein­fach wie­der­holt und geht auf Welt­tour­nee. Ja, das alles wür­de man ver­pas­sen. Aber wäre das schlimm?

Ich fin­de es wäre einen Ver­such wert. Mal sehen, viel­leicht mach’ ich das wirk­lich mal.

Foto: Wal­ter Schu­bert

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