Im Nachgang zu meiner Geschichte „Unglaubliche Szenen“ vom 25.Juni 2026 (massives Fehlverhalten im Straßenverkehr) wird mein Wunsch nach Kontrollen und sofortigen Strafen mit politischen Richtungen in Verbindung gebracht. Das ist natürlich Quatsch, denn das Einhalten von Regeln ist weder rechts noch links.
Auch der Ruf nach mehr Polizeipräsenz wird kritisiert. Ja, wen soll man denn sonst rufen? Verwaltung, Ordnungsbehörde und Polizei sind nun mal für die Einhaltung von Sicherheit und Ordnung zuständig. Auf diese Aufgabe kann man doch mal hinweisen.
Jedes Zusammenleben braucht Regeln. Von der Familie, in der Schule, am Arbeitsplatz, im öffentlichen Raum bis zum Straßenverkehr. Ohne Regeln würden wir im Chaos versinken.
§1 der Straßenverkehrsordnung fasst dies einfach und verständlich zusammen:
Punkt 1: „Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.“
Punkt 2: „…hat sich so zu verhalten, dass kein anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.“
Damit ist alles gesagt und diese Zusammenfassung lässt sich auf alle Bereiche übertragen. Wenn sich alle daran halten würden brauchte es fast keine weiteren Vorschriften.
Seit Jahrzehnten werden wir von allen möglich Stellen aufgefordert und inständig gebeten vorsichtig und rücksichtsvoll zu fahren. Doch das „ICH“ gewinnt. Und da die Menschen nun mal nicht einsichtig sind gibt es Regeln und auch Strafen.
Bestes Beispiel: Tempolimit bei unseren europäischen Nachbarn. Der Franzose, der Niederländer oder der Schweizer ist sicherlich genau so klug oder genau so dämlich wie der Deutsche. Also warum funktioniert dort das Tempolimit? Weil es umfänglich kontrolliert wird und Verstöße richtig teuer werden.
Raser und Poser fahren aus der Schweiz mal eben über die Grenze um sich in Deutschland ein wenig auszutoben. Grund: meist passiert nichts und wenn, ist es ein vergleichbar preiswertes Vergnügen. Darf man da mal fragen ob bei uns noch alles in Ordnung ist?
Österreich plant ab 2027 für massive Tempoüberschreitungen und illegale Straßenrennen eine neue Regelung. Die Tatfahrzeuge werden beschlagnahmt und für einen guten Zweck versteigert. Das neue und schöne daran: Es ist völlig egal ob es sich um das eigene Fahrzeug handelt oder um einen Mietwagen oder ein Leasingfahrzeug oder um eine freundliche Leihgabe vom Onkel, vom Vater oder einem Freund. Der Führerschein ist sowieso weg und dazu kommen noch ein paar tausend Euro Strafe.
Noch ein schönes Beispiel zu Regeln. Zu Regeln gehören auch Markierungen. Ohne diese weißen Streifen scheinen die Menschen völlig hilflos zu sein. Stellen wir uns den großen Parkplatz beim REWE-Markt einmal ohne Markierungen vor. Ohne Fahrstreifen, ohne Parkbuchten.
Ein Alptraum was die Leute damit machen würden. Vor vielen Jahren (damals war es noch das EKZ) hatte es über Nacht geschneit und die Markierungen waren nicht mehr erkennbar. Dass dann etwas “schräg“ geparkt würde war ja erwartbar, aber dass man sich teilweise in Dreierreihen aufstellte, also neben- und hintereinander, war dann doch überraschend. Die mittlere Reihe konnte nicht mehr wegfahren. Es waren viele Durchsagen im Markt nötig, um das Chaos aufzulösen. Auch gegen Dummheit und Unvermögen braucht es Regeln.
Zusätzliche Kontrollen sind nicht finanzierbar lautet ein Einwand. Falsch. Es gibt Gemeinden die sogenannte Mülldetektive beschäftigen. Die durchsuchen illegale Müllkippen nach dem Verursacher und werden oft fündig. Durch die Strafen und Bußgelder ist eine Finanzierung kein Problem. Dies wäre auch für Mitarbeiter/-innen der Ordnungsbehörde denkbar vielleicht auch mal außerhalb der normalen Kern-Dienstzeit.
Man muss es nur wollen und auch machen. Aber solange das Menschenrecht einer „Umweltsau“ höher bewertet wird als der Schaden den er anrichtet, ist zum Beispiel eine Videoüberwachung schwierig.
Ich würde mir wünschen diesen ganzen Kram nicht zu brauchen. Einfach freundlich und rücksichtsvoll miteinander umgehen – das wäre schön. Leider erlebe ich genau das Gegenteil. Schade.
Foto: Walter Schubert


Kommentare
2 Kommentare zu „Stellungnahme zum Beitrag „Unglaubliche Szenen“ vom 25.Juni 2026“
Dass § 1 StVO novelliert werden sollte, lässt sich an folgenden, etablierten Verkehrweisheiten erkennen:
1. Die Straßenverkehrsordnung gilt nur ohne Zeitdruck,
2. Parken ist überall erlaubt, wenn man “Bin gleich wieder da!” sagt,
3. Vorfahrt: Das neuere Fahrzeug wartet,
4. Sportwagen müssen aufjaulen, sonst verlieren sie Leistung,
5. Wer zuletzt hupt, muss seine Reflexe kontrollieren lassen,
6. Hupen bedeutet: Gelb ist vorweggenommenes Grün,
7. Wer den Blinker benutzt, verrät seinen Plan dem Feind,
8. Warnblinker ersetzen jede Parkerlaubnis,
9. Je teurer das Auto, desto kostbarer der Blinker,
10. Eine freie Parklücke gehört dem, der am lautesten schimpft,
11. Abstand hält nur, wer den Vordermann / die Vorderfrau daten will. Fährt man ihm/ ihr hinten drauf, ist
das Ziel von Nr.11 schon symbolisch erreicht,
12. Reißverschlussverfahren heißt: “Du zuletzt!”,
13. Die linke Autobahnspur ist Eigentum desjenigen, der am dichtesten auffährt,
14. Lieferwagen haben alle Sonderrechte: Sie sind Rettungswagen für Waren,
15. Wer Kippen aus dem Autofenster schnippt, stimmt zu, wenn sie wieder hereingeworfen werden.
Wenn man heutzutage wegen eines solchen Artikels schon eine Stellungnahme abgeben muss, dann zeigt es doch dass prinzipiell in unserer Debattenkultur etwas grundlegend schiefläuft. Wir sollten alle mal bestrebt sein, dieses “Schubladendenken” abzubauen um damit den Meinungskorridor wieder zu erweitern. Zum Wohle aller Bürger. L.G. Stefan Schäfer