Unglaubliche Szenen

Ein­mal im Monat tref­fen wir uns zum Stamm­tisch in der Cen­tra­le an der Eich.

Bei schö­nem Wet­ter sit­zen wir natür­lich drau­ßen. Eigent­lich schön – lecker Schnit­zel essen, lecker Land­bier trin­ken und ein biss­chen „dumm Zeuch kal­len“ mit Freun­den. Lei­der kön­nen wir auch das Gesche­hen in unmit­tel­ba­rer Nähe beob­ach­ten. Man kann nur stau­en welch unglaub­li­che Sze­nen sich im Bereich Tele­gra­fen­stra­ße, Brü­cken­weg und Köl­ner­stra­ße abspie­len. Alles was man nicht machen darf, alles was man nicht tun soll­te und alles was ver­bo­ten ist fin­det in die­sem klei­nen Bereich statt.

Von der Tele­gra­fen­stra­ße oder vom Brü­cken­weg direkt in die Köl­ner­stra­ße abbie­gen ist völ­lig nor­mal. Stra­ßen­mar­kie­run­gen sind offen­bar nur ein gra­fi­sches Gestal­tungs­merk­mal auf den Fahr­bah­nen.

Für den Brü­cken­weg gilt Tem­po 30 und für die Köl­ner­stra­ße Tem­po 20. Die­se Schil­der wer­den aber nur als hüb­sche Stra­ßen­rand­de­ko­ra­ti­on ange­se­hen. Im Brü­cken­weg sind auch mal 70km/h drin und die Köl­ner­stra­ße ist für einen Sprint bes­tens geeig­net.

Die Behaup­tung es gäbe kei­ne oder zu wenig Park­plät­ze ist ja nun wirk­lich völ­lig falsch. Ob auf der Stra­ße, halb auf der Stra­ße oder direkt auf dem Geh­weg – über­all kann man doch pri­ma par­ken. Ein Ein­kauf beim Eis­ca­fé Vene­zia berech­tigt ja auto­ma­tisch zum „schrä­gen“ par­ken. Am bes­ten mit lau­fen­dem Motor – von wegen der Kli­ma­an­la­ge.

Mit dem Fahr­rad auf dem Bür­ger­steig die Köl­ner­stra­ße hoch? Mit E‑bikes kein Pro­blem. Und alles was dann noch frei ist wird gefüllt mit die­sen fei­nen E‑Scootern, die in alle Rich­tun­gen aus­schwär­men. Auf Geh­we­gen, auf Fahr­bah­nen in alle Rich­tun­gen und ger­ne auch mal quer über die Kreu­zung.

Ger­ne auch zu zweit auf einem Rol­ler und die ganz Coo­len setz­ten sich noch dicke Kopf­hö­rer auf. Das ist geleb­te urba­ne Mobi­li­tät.

Ergänzt wird die­ses Cha­os durch „Poser“ und „Prol­ler“. Die zei­gen sich ger­ne in ihren röh­ren­den, tie­fer­ge­leg­ten Protz­kar­ren und dre­hen auch schon mal an einem Abend meh­re­re Run­den. Die Ver­mu­tung liegt nahe, dass nicht nur das Auto tie­fer­ge­legt wur­de. Außer eini­gen Stin­ke­fin­gern, die ihnen gezeigt wer­den, ist das Poser-Ergeb­nis über­schau­bar.

Ach ja, dann gibt noch die vor­sich­ti­gen, halb­her­zi­gen Ver­su­che der Behör­den das Gan­ze zu regeln. Ein roter Strei­fen und ein wei­ßes Strich­männ­chen – gut gemeint und völ­lig dane­ben. Die Fuß­gän­ger hal­ten es für eine Über­que­rungs­hil­fe und den meis­ten Auto­fah­rern ist es egal.

„Man könn­te sich den gan­zen Tag auf­re­gen, ist aber nicht dazu ver­pflich­tet“, sagt mein Freund. Das stimmt wohl. Ich setz­te mich beim Stamm­tisch meist mit dem Rücken zur Stra­ße um den gan­zen Mist nicht mehr zu sehen. Das schont ganz ein­deu­tig die Ner­ven.

Zur spä­ten Stun­de mache ich mich mit einem Stamm­tisch­bru­der zu Fuß auf den Heim­weg. Als krö­nen­den Abschluss erle­ben wir dann noch ein Beschleu­ni­gungs­ren­nen auf der Tele­gra­fen­stra­ße. Dass auch noch ein paar unbe­leuch­te­te Scoo­ter unter­wegs sind ver­steht sich ja von selbst.

Zur ganz spä­ten Stun­de noch eine Ziga­ret­te auf dem Bal­kon. End­lich Ruhe. Doch auch das gelingt nicht. Eine Beschleu­ni­gungs­or­gie auf der Dell­mann­stra­ße lässt den Tag aus­klin­gen. Da braucht es kei­ne Mes­sung um zu wis­sen dass da jemand mit jen­seits der 100 Sachen unter­wegs ist. Da spielt auch die Far­be der Ampeln sicher kei­ne Rol­le mehr.

Schön, dass sich Poli­zei, Ord­nungs­be­hör­de und Ver­wal­tung ganz enga­giert die­sem The­ma anneh­men und für Sicher­heit sor­gen. Es wird kon­trol­liert, geblitzt und gemes­sen, die Video­über­wa­chung funk­tio­niert und Boden­schwel­ler ver­hin­dern zu schnel­les fah­ren. Fahr­zeu­ge und Füh­rer­schei­ne wer­den vor Ort, sofort nach einem Ver­stoß, ein­ge­zo­gen.

Ach, den letz­ten Abschnitt hab’ ich dann wohl geträumt.

Foto: Wal­ter Schu­bert

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Kommentare

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11 Kommentare zu „Unglaubliche Szenen“

  1. Avatar von Marcello Albani
    Marcello Albani

    Mehr Ord­nungs­hü­ter und Poli­zis­ten wer­den ver­mut­lich wenig Leu­te am zu schnell fah­ren hindern.…da müss­te man in Blit­zer und Kame­ras inves­tie­ren.

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  2. Avatar von Wolfgang Schindler
    Wolfgang Schindler

    Ich kann den Beob­ach­tun­gen von Wal­ter Schu­bert nur zustim­men.
    Die Ver­hal­tens­wei­sen vie­ler Ver­kehrs­teil­neh­mer in unse­rer Innen­stadt sind respekt­los bis gefähr­lich. War­um das so ist, da mag sich jeder sel­ber fra­gen. Mir scheint aber, solch eine Selbst­kri­tik wird gera­de von den­je­ni­gen, die sich so schlecht im öffent­li­chen Raum beneh­men, nicht erfol­gen, weil sie sich ja ohne Schuld­be­wusst­sein im Recht sehen mit ihrem Han­deln.
    Offen­sicht­lich ist bei vie­len das Ver­ständ­nis für gegen­sei­ti­ge Rück­sicht­nah­me ver­lo­ren gegan­gen und es setzt sich immer mehr das jewei­li­ge Ego durch.
    Die Hin­ter­grün­de dafür sind viel­fäl­tig.
    Inwie­weit mehr Kon­trol­le am Ende hilft wage ich zu bezwei­feln.
    Aber wenn man das Pro­blem nicht anspricht und anpran­gert, wird sich die­se Gesell­schaft in die­sem Sin­ne nicht ändern.

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  3. Avatar von RA Stefan Markel
    RA Stefan Markel

    Bei 40 Grad schwebt mir fol­gen­de Löung vor:

    Autos aus der Innen­stadt raus und die Tele­gra­fen­stra­ße zur per­ma­nen­ten Fuß­gän­ger­zo­ne und Fei­er­mei­le erklä­ren. 20 zusätz­li­che Kios­ke geneh­mi­gen, mit küh­len Geträn­ken, das Rat­haus zur “down coo­ling area” umwid­men. Die Ver­sie­ge­lung auf­bre­chen und Grün­zo­nen und eine Strand­zo­ne schaf­fen, dazu eine sepa­ra­te FKK-Area auf dem heu­ti­gen Rat­haus­vor­platz.

    Das ver­dop­pel­te Ord­nungs­amt­per­so­nal wird ange­wie­sen, nur noch Cock­tail­gut­schei­ne zu ver­tei­len und die Poli­zei trägt Hawaii­hem­den und bun­te Base­caps und ver­weist ledig­lich noch den Einen oder Ande­ren des Plat­zes, wenn des­sen Ver­kehr über­hand nimmt.

    Der KFZ-/ Bus­ver­kehr wird ‑vom Markt kom­mend- umge­lei­tet auf die Köl­ner­str. Rich­tung Cen­tra­le: Dann kommt nie­mand mehr aus Tele­gra­fen­stra­ße oder vom Brü­cken­weg ent­ge­gen, oder jeden­falls nicht mehr lan­ge. Für Tem­po-Ver­kehrs­ver­stö­ße gilt die alte Idee aus der Stunk­sit­zung: Gna­den­lo­se Sofort­ver­schrot­tung der betref­fen­den Fahr­zeu­ge am Tat­ort, egal ob KFZ oder E‑Bike.

    Es lie­ße sich per All­ge­mein­ver­fü­gung eine alters­be­zo­ge­ne Nut­zungs­er­laub­nis der Innen­stadt ein­rich­ten: Inner­halb von Brü­cken­weg und Köl­ner­str. an unge­ra­den Tagen nur für Per­so­nen über 60 Jah­re, an gera­den Tagen nur für Per­so­nen bis 40 Jah­ren, am Wochen­en­de nur Per­so­nen zwi­schen 40 und 60 Jah­ren. Maß­geb­lich für die Alters­ein­schät­zung ist eine per­ma­nen­te Video­über­wa­chung­an­la­ge, hin­ter wel­cher sich ein Juro­ren­team aus Grund­schul­kin­dern aller Natio­na­li­tä­ten befin­det, deren Alters­ein­schät­zun­gen sofort umzu­set­zen ist, und zwar von einer “age­po­li­ce”.

    Hach…

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  4. Avatar von Ilo Kirsten-Polnik
    Ilo Kirsten-Polnik

    Na klar, wie­der der Ruf nach mehr Poli­zei und Ord­nungs­hü­tern, die sind ja immer gera­de da, wo gerast wird und kos­ten auch so gut wie nix. (Iro­nie off)
    War nicht vor unge­fähr 10 Jah­ren mal das Durch­fahr­ver­bot als Jah­res-Erfah­rungs­test für die gesam­te Tele­gra­fenstr. ab der Stadt­spar­kas­se mit der Aus­nah­me­re­ge­lung bis Spar­kas­sen­park­platz im Rat mehr­heit­lich beschlos­sen wor­den 🧐🫣🥺, das nach den Som­mer­fe­ri­en auf Zuruf der WNK mit den Stim­men der zuvor zustim­mend CDU wie­der abge­schafft wor­den ist⁉️
    Dabei wür­de zB eine ein­fa­che Maß­nah­me zur Ver­kehrs­be­ru­hi­gung in der Innen­stadt bei­tra­gen: Gegen­läu­fi­ge Rad­ver­kehr im soge­nann­ten im zen­tra­len inner­städ­ti­schen Bere­kich und kon­se­quen­tes Über­wa­chen der Park­si­tua­ti­on, den rei­nen Durch­gangs­ver­kehr wie­der kom­plett über den Brü­cken­weg lei­ten. Das wür­de nur eine ergän­zen­de Beschil­de­rung benö­ti­gen und Radfahrer*innen wie mich nach kur­zer Ein­ge­wöh­nungs­zeit zu grö­ße­rer Sicher­heit ver­hel­fen…
    Die Auf­ent­halts­qua­li­tät für die Pas­san­ten beson­ders in der Tele­gra­fenstr wür­de enorm pro­fi­tie­ren 🫠❗️

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    1. Avatar von Jürgen
      Jürgen

      Moin Ilo. Mit den von Herrn Schu­bert geschil­der­ten Gescheh­nis­sen kommt man mit kei­ner Ver­kehrs­füh­rung, Beschil­de­rung oder kei­nen “guten Wor­ten” an. Die Rück­sichts­lo­sig­kiet, Igno­ranz und Dumm­heit hat schon seit vie­len Jah­ren Ein­zug (nicht nur) im Stra­ßen­ver­kehr Ein­zug gehal­ten. Hier aller­dings mas­sivst. Und dage­gen kommt man (lei­der) nur noch mit rigo­ro­sen Kon­trol­len und ent­spre­chen­den Stra­fen an.

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  5. Avatar von Harald Heidbüchel
    Harald Heidbüchel

    Also ich sehe das ganz anders als Herr Schu­bert und bin dort gelas­se­ner und sehe das nicht so dra­ma­tisch oder auch typisch Deutsch
    .…Ein­fach etwas gelas­se­ner wer­den und sich ein Stück fran­zö­si­sche Rivie­ra oder ita­lie­ni­sches Rimi­ni aneig­nen.
    Lie­be Grü­ße, Au revoir, Arri­ve­der­ci

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    1. Avatar von Walter Schubert
      Walter Schubert

      Lie­ber Herr Heid­bü­chel,
      auch mir ist die fran­zö­si­sche und ita­lie­ni­sche Lebens­wei­se durch­aus sym­pa­thisch.
      Aber mit 70km/h durch den Brü­cken­weg, im Sturz­flug die Köl­ner­stra­ße hin­un­ter oder mit durch­dre­hen­den Rei­fen über die Tele­gra­fen­stra­ße ent­spricht nicht mei­ner Vor­stel­lung von medi­ter­ra­nem, ent­spann­tem und gelas­se­nem Leben.

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  6. Avatar von MarcO
    MarcO

    Den Ruf nach mehr Poli­zei, Ord­nungs­be­hör­den usw. möch­te ich nicht fol­gen. Weil es ja auch nicht die Situa­ti­on der Innen­stadt ver­än­dern wür­de.

    Wie wäre es statt­des­sen die Innen­stadt so umzu­ge­stal­ten, das die Auf­en­talts­qua­li­tät für Men­schen ver­bes­sert wür­de? Mehr Cafés und ein gemüt­li­ches Schlen­dern wäre dann mög­lich. Und man könn­te sogar mal den Nach­wuchs mal von der Hand las­sen, ohne Angst haben zu müs­sen.

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  7. Avatar von Anna Blumberg
    Anna Blumberg

    Ich wür­de mir in Wer­mels­kir­chen mehr Geschwin­dig­keits­kon­trol­len wün­schen.
    Bei uns im Hün­ger geht es ganz beson­ders ab 22 Uhr los. Ob Motor­rad, LKW oder PKW, hier hält sich kaum jemand an die 50 km/h. Die L101 ist seit es kei­ne Kon­trol­len mehr gibt , zu einer wah­ren Renn­stre­cke gewor­den.
    Auch in der Innen­stadt kann ich das nur bestä­ti­gen.

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  8. Avatar von Fried Rich
    Fried Rich

    Alles was Herr Schu­bert anschau­lich zum Aus­druck gebracht hat stimmt zu 100%. Alle sei­ne Beobachtungen/ Fest­stel­lun­gen habe ich, und auch Per­so­nen aus mei­nem Freun­des-/ Bekann­ten­kreis, genau so auch schon gese­hen. Tja, da wären wohl Poli­zei und Ord­nungs­amt mal von Nöten. Und ja, sie kön­nen nicht über­all sein und an ande­rer Stel­le gibt es gleiche/ ähn­li­che Pro­ble­me. Aber im besag­ten Bereich ist es wirk­lich hef­tig. Und wenn man von den Umstän­den Kennt­nis hat, und das soll­te wohl so sein, könn­te und soll­te man sich die­sem Pro­blem stel­len und mal für Recht und Ird­nung sor­gen. Die Bevöl­ke­rung wür­de es sicher­lich dan­ken.

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  9. Avatar von Stefan Schäfer
    Stefan Schäfer

    Höre ich da den Ruf nach mehr Poli­zei, Ord­nungs­be­hör­den und einer Ver­wal­tung die mehr von ihren Mög­lich­kei­ten der Ahn­dung mit Buß- u. Ver­warn­gel­dern Gebrauch machen soll­te ? Dann wäre es ja das, was “Zukunft Wer­mels­kir­chen” seit Jah­ren for­dert. Lie­be Grü­ße Ste­fan Schä­fer

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