Was tu ich mir denn da an? An einem Sonntagnachmittag um 17.00 Uhr „Antisemitismus heute“ war das Thema in der Dialog-Reihe im Haus Eifgen. Warum gehe ich da hin? Ganz einfach: „Weil es wichtig ist.“
Cornelia vom Stein und Armin Himmelrath hatten die Leiterin der Gedenk- und Begegnungsstätte „Alte Synagoge Wuppertal“, Dr.Ulrike Schrader, eingeladen. Und vielen Besuchern war es offenbar wichtig an diesem Sonntag ins Eifgen zu gehen. Die Organisatoren konnten sich über ein volles Haus freuen.
Fällt das Wort „Jude“ entsteht fast automatisch die Verbindung zu Judenverfolgung, zum Nationalsozialismus und zum Holocaust. Doch die Nazis haben es nicht erfunden. Der Judenhass und die Verfolgung gehen weit zurück. Im Jahr 321 kamen, mit den Römern, die ersten Juden über die Alpen. Und aus dieser Zeit gibt es keinen Beleg für eine Diskriminierung oder Verfolgung. Erst später, als die katholische Kirche an Bedeutung und Einfluss gewann, sind die ersten Anzeichen zu erkennen. Eine Kleiderordnung für Christen, Juden und Muslime sollte die Unterscheidung dokumentieren. Es sollte keine Vermischung stattfinden. Dr.Schrader sprach von einer „Radikalisierung der Kirche“, die sie an Darstellungen von Kirchenfenstern deutlich machte. Zwei Frauenfiguren stehen symbolhaft für die beiden Parteien. „Ecclesia“ für die Christen und „Synagoga“ für die Juden. Auf einer Darstellung von 1250 ersticht die jüdische Figur das Lamm Gottes. Schlussfolgerung: Die Juden sind des Mordes an Gott schuldig.
Im 18.Jahrhundert beginnt das Zeitalter der Aufklärung. Die Gesellschaft löst sich von den Kirchen und in allen Bereichen beginnt die Forschung ohne Tabus aber auch mit seltsamen Auswüchsen. Menschen werden nach Sorten, nach Rassen bewertet und die Juden werden in diesem neuen Rassismus als gefährlich bewertet. Der Antisemitismus ist da.
Ein unglaubliches Beispiel zeigte eine Postkarte von 1902. Zu dieser Zeit begann der Tourismus auf den Inseln in der Nordsee. Borkum warb mit der Aussage: „Stein- und Judenfreier Sandstrand“. Juden wurde abgeraten diese Insel zu besuchen.
Wie die Geschichte weiterging ist ja hinreichend bekannt.
Ein toller Vortrag mit sicher vielen neuen Erkenntnissen. Leider kam das eigentliche Thema „Antisemitismus heute“ etwas zu kurz. Das Thema ist zu komplex und die Zeit leider immer zu kurz. Einige Beispiel aus dem Besucherkreis zeigten, dass uns dieses Thema immer noch beschäftigt. „Man hat den Namen meines Enkels geändert, damit er in der Schule nicht mehr bedroht und angefeindet wird“, erzählte eine Besucherin. Und dann kommt noch das Verhalten des Staates Israel im Nahen Osten dazu das zu viel Kritik führt. Ein riesiges Thema mit dem wir noch lange nicht fertig sind.
Es empfiehlt sich ein Besuch der Alten Synagoge in Wuppertal. Alle Infos unter: www.alte-synagoge-wuppertal.de
Der nächste Termin „Dialog im Eifgen“ findet am 22.November 2026 statt. Thema: „Was läuft falsch an unseren Schulen“.
Foto: Walter Schubert


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