Ambiguitätstoleranz im Film Eck Wermelskirchen

Bei­trag des Kul­tur­ver­eins Wer­mels­kir­chen e.V.

Dass ein sper­ri­ger Begriff wie „Ambi­gui­täts­to­le­ranz“ ein­mal zum Gesprächs­the­ma eines Thea­ter­abends in Wer­mels­kir­chen wer­den wür­de, hät­te wohl kaum jemand erwar­tet. Doch genau das gelang der Komö­die „ZOOM!“, die am 23. April 2026 im Film-Eck ihr Publi­kum begeis­ter­te.

Nach die­sem irr­wit­zi­gen Schau­spiel mit kaba­ret­tis­ti­schem Biss war schnell klar, was sich hin­ter dem Begriff ver­birgt: die Fähig­keit, Unsi­cher­hei­ten, Wider­sprü­che und kom­ple­xe Situa­tio­nen aus­zu­hal­ten, ohne vor­schnell zu urtei­len. Eine Fähig­keit, die – so zeig­te der Abend ein­drucks­voll – auch im ganz nor­ma­len All­tag vor Ort von gro­ßer Bedeu­tung ist.

Im Mit­tel­punkt stan­den vier Geschwis­ter, die unter­schied­li­cher kaum sein könn­ten und gemein­sam ein Geschenk zur Gol­de­nen Hoch­zeit ihrer Eltern fin­den soll­ten. Was als ein­fa­che Auf­ga­be begann, ent­wi­ckelt sich in einer vir­tu­os insze­nier­ten Video­kon­fe­renz zu einem eben­so rasan­ten wie urko­mi­schen Schlag­ab­tausch.

Die Schau­spie­ler Marie Lumpp, Dirk Wit­tun, Bernd Blö­mer und Har­ry Heib lie­fer­ten sich dabei mit spür­ba­rer Spiel­freu­de und beein­dru­cken­der Prä­zi­si­on einen rasan­ten und urko­mi­schen Schlag­ab­tausch. Unter­schied­li­che Lebens­ent­wür­fe prall­ten auf­ein­an­der, Vor­ur­tei­le und schrof­fe Ableh­nung ent­lu­den sich in poin­tier­ten Dia­lo­gen, scharf­zün­gi­gen Spit­zen und bis­wei­len herr­lich absur­den Sze­nen. Immer wie­der bran­de­te im Film-Eck schal­len­des Geläch­ter auf – oft genau an den Stel­len, an denen es auch ein wenig weh­tat, weil man sich selbst oder ver­trau­te Situa­tio­nen wie­der­erkann­te. Gera­de die­se Mischung aus Komik und treff­si­che­rer Beob­ach­tung mach­te die dar­stel­le­ri­sche Leis­tung der vier Schau­spie­ler so über­zeu­gend.

Gera­de dar­in lag die beson­de­re Stär­ke des Abends im Film-Eck: Die zuge­spitz­ten Kon­flik­te wirk­ten erstaun­lich nah an der Lebens­wirk­lich­keit – sei es in der Fami­lie, im Freun­des­kreis oder im gesell­schaft­li­chen Mit­ein­an­der.

Zum Gelin­gen trug auch das durch­dach­te Büh­nen­bild bei: Vier detail­reich gestal­te­te Fens­ter sym­bo­li­sier­ten die von­ein­an­der getrenn­ten Lebens­wel­ten der Figu­ren – ihre indi­vi­du­el­len „Bubbles“, wie man sie auch im All­tag immer häu­fi­ger beob­ach­tet.

Zwi­schen humor­vol­len Spit­zen und absur­den Momen­ten ent­wi­ckel­te das Stück eine über­ra­schen­de Tie­fe. Ein plötz­lich fal­len­der Schuss durch­brach die auf­ge­heiz­te Atmo­sphä­re und lenk­te den Blick auf das Wesent­li­che: fami­liä­re Ver­bun­den­heit. Schlag­ar­tig ver­lo­ren Streit und Vor­wür­fe an Bedeu­tung, und die Geschwis­ter fan­den – über gemein­sa­me Erin­ne­run­gen – wie­der zuein­an­der.

Dabei wur­den auch die brü­chi­gen Fas­sa­den sicht­bar: Der ver­meint­lich erfolg­rei­che Erbe des Fami­li­en­un­ter­neh­mens ent­puppt sich als geschei­ter­ter Exis­tenz­er­hal­ter im hei­mi­schen Kel­ler in Wer­mels­kir­chen. Der in Hückes­wa­gen kom­mu­nal­po­li­tisch enga­gier­te Bru­der hielt noch immer an alten Sym­bo­len fest. Der drit­te Bru­der, von sei­nem Part­ner ver­las­sen, zeig­te die Brü­chig­keit sei­ner sorg­sam auf­ge­bau­ten Fas­sa­de. Und auch die links-alter­na­ti­ve Aka­de­mi­ke­rin muss­te sich ihren eige­nen Wider­sprü­chen stel­len.

Das Publi­kum im Film-Eck hono­rier­te die­sen eben­so amü­san­ten wie nach­denk­li­chen Abend mit lang­an­hal­ten­dem Applaus und Stan­ding Ova­tions – ein deut­li­ches Zei­chen dafür, dass das Kon­zept auch in Wer­mels­kir­chen auf­ge­gan­gen ist.

So blieb am Ende nicht nur ein gelun­ge­ner Thea­ter­abend, son­dern auch eine Erkennt­nis, die weit über die Büh­ne hin­aus­reicht: Zuhö­ren, Wider­sprü­che aus­hal­ten und sich auf unter­schied­li­che Per­spek­ti­ven ein­las­sen – all das sind Fähig­kei­ten, die das Zusam­men­le­ben stär­ken.

Oder, wie man an die­sem Abend im Film-Eck ler­nen konn­te: Ambi­gui­täts­to­le­ranz.

Foto: Kul­tur­ver­ein Wer­mels­kir­chen e.V.

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