Klar ist hier in Südfrankreich vieles anders: Das Klima, Meer und Palmen, essen, trinken, Verkehrsregeln und Auto fahren und natürlich die Sprache. Und man braucht so ein bis zwei Tage bis einem noch etwas auffällt: Es ist sauber! Nicht nur ordentlich sondern richtig sauber. Auf den Promenaden, in den Fußgängerzonen, in den Grünanlagen – kein Müll und keine Kippen.
Während wir in Wermelskirchen die Fugen der Pflastersteine mittlerweile gut mit Kippen gefüllt haben gibt es hier nichts. Überall stehen Mülleimer und da quellen keine Pizzakartons raus. Es gibt große Müllcontainer, die durch eine feine Steinverkleidung kaum auffallen. Und auch hier stellt niemand seinen Hausmüll daneben oder entsorgt seinen Sperrmüll. Wir können nur staunen.
Über winzig kleine Straßen (auf der Karte weiß markiert) erkunden wir das Hinterland und entdecken traumhafte Dörfer in den Bergen. Fast überall gibt es einen zentralen Platz mit Straßencafés und Restaurants. Wir bummeln durch wunderbare Gassen und auch hier sind Wege und Plätze sauber und gepflegt. Selbst im Umfeld von Imbissläden (oder schlimmstenfalls McDonalds) haben wir nie Verpackungsreste erlebt.
Was läuft bei uns falsch? Warum vermüllen die Menschen ihr eigenes Umfeld? Warum ist das alles egal?
Ich habe keine Antwort, erlebe aber gerade dass es auch anders geht.
Foto: Walter Schubert


Kommentare
2 Kommentare zu „Noch eine Erfahrung“
Vielen Dank für diesen Beitrag! Ich würde mir wirklich wünschen, dass daraus eine sachliche und konstruktive Debatte entsteht, die auch etwas bewirkt!
Ich glaube, es sind vor allem diese Punkte entscheidend:
1. Sichtbarkeit (Marketing)
Unsere Mülleimer sind oft unauffällig gestaltet und gehen im Stadtbild unter. Warum nicht bewusst auffälliger arbeiten? Farben oder Designs, die ins Auge fallen, könnten die Nutzung ganz einfach erhöhen. Ein kleiner psychologischer Effekt mit potenziell großer Wirkung.
2. Niedrige Hürden (Es einfacher machen)
Müllentsorgung muss maximal einfach sein. Je näher und häufiger Mülleimer vorhanden sind, desto eher werden sie genutzt. Bequemlichkeit ist ein menschlicher Faktor und den sollte man bei der Planung berücksichtigen.
3. Wirkung der Umgebung
Eine saubere Umgebung führt zu mehr Respekt im Umgang damit. Umgekehrt gilt leider auch: Wo es bereits verschmutzt ist, sinkt die Hemmschwelle weiter. Sauberkeit erzeugt also Sauberkeit.
4. Klare Zuständigkeiten und System
Nach meinem Eindruck liegt die Reinigung aktuell stark bei den einzelnen Geschäften. Vielleicht wäre ein zentral organisierter, regelmäßig gereinigter Innenstadtbereich sinnvoll. Das könnte langfristig sogar wirtschaftlich sein: Eine gepflegte Innenstadt steigert die Aufenthaltsqualität und damit auch die Attraktivität für Kundschaft.
5. Telegrafenstraße
Eine Innenstadt, in der man praktisch mit dem Auto bis an die Fleischtheke fahren kann, darf sich nicht wundern, wenn Aufenthaltsqualität und Sauberkeit leiden. Wer Raum für Autos priorisiert, bekommt Durchfahrt aber kein echtes Stadtleben. Weniger Aufenthaltsqualität bedeutet auch weniger Identifikation mit dem Ort. Und wo diese fehlt, sinkt automatisch die Bereitschaft, Verantwortung für Sauberkeit und Umfeld zu übernehmen. Eine lebendige, saubere Innenstadt entsteht nicht nebenbei, sie braucht klare Prioritäten. Und die beginnen bei der Frage “für wen ist dieser Raum eigentlich gedacht?
Wir brauchen ein Konzept!
Ich drücke es im Bezug für Wermelskirchen mal so aus “relativ ordentlich, aber mit sichtbaren Schwächen“.
Mit dem ersteren gibt man sich anscheinend zufrieden.
Einmal im Jahr, was sehr lobenswert ist, eine Müllsammelaktion durchzuführen, also eine Grundreinigung verpufft dann wieder ab dem nächsten Tag.
Hier sind wir, neben den Verantwortlichen der Stadt, alle gefragt was zu tun um nach Lösungen zu suchen.