Drei neue Stolpersteine in Wermelskirchen am 12. März 2026

Uns erreichte heute diese Nachricht, dass in Wermelskirchen drei neue Stolpersteine verlegt werden.

  • Elfrie­de Hup­perts und ihre Fami­lie leis­te­ten den Nazis Wider­stand
  • Mar­tha Wurm­nest wur­de in vier Jah­ren vier­mal ver­haf­tet

Am 12 März ab 14:00 Uhr wer­den in Wer­mels­kir­chen drei neue Stol­per­stei­ne ver­legt. Damit steigt die Zahl der Stol­per­stei­ne in Wer­mels­kir­chen auf nun 14. Die qua­dra­ti­schen Gedenk­ta­feln aus Mes­sing des Künst­lers Gun­ter Dem­nig wer­den an den Orten ver­legt, an denen Opfer des Natio­nal­so­zia­lis­mus gelebt haben.

Zunächst wer­den zwei Stol­per­stei­ne in der Grü­ne Stra­ße 65 für das Ehe­paar Hup­perts ver­legt. Die 1903 gebo­re­ne Elfrie­de Gesink kam als Haus­an­ge­stell­te der Fami­lie Otto Bro­si­us nach Wer­mels­kir­chen. Für deren Sohn Fried­rich Bro­si­us wur­de bereits am 17. Mai 2002 der ers­te Stol­per­stein in Wer­mels­kir­chen ver­legt. Elfrie­de hei­ra­te­te 1929 Hein­rich Hup­perts, einen aus Solin­gen stam­men­den Freund der Fami­lie Bro­si­us.

Hein­rich Hup­perts (1888–1956) wur­de wegen sei­ner reli­giö­sen Über­zeu­gung als Zeu­ge Jeho­vas bereits 1934 von sei­nem Rem­schei­der Arbeit­ge­ber, der Licht und Kraft­werk GmbH, ent­las­sen. Da Jeho­vas Zeu­gen bereits seit 1933 ver­bo­ten waren, wur­de er schließ­lich im Febru­ar 1937 ver­haf­tet, miss­han­delt und in Dort­mund inhaf­tiert. Am 16. Juni 1937 ver­ur­teil­te ihn das Son­der­ge­richt Hamm zu sie­ben Mona­ten Haft. Einen Monat spä­ter wur­de er in das Straf­la­ger Bör­ger­moor im Ems­land über­führt. Dort muss­ten die Gefan­ge­nen bis zu zwölf Stun­den täg­lich unter unmensch­li­chen Bedin­gun­gen Torf ste­chen.

Auch zwei Geschwis­ter von Elfrie­de Hup­perts, Hein­rich und Johan­ne Gesink, waren bereits im August 1935 in Rem­scheid inhaf­tiert wor­den und spä­ter in ver­schie­de­ne Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger gebracht wor­den. Den­noch hielt Elfrie­de Hup­perts an ihrem Glau­ben fest. Von der aus Solin­gen stam­men­den Mat­hil­de Hen­ge­veld erhielt sie mehr­mals ille­gal her­ge­stell­te Aus­ga­ben der Zeit­schrift „Der Wacht­turm“. Deren Inhalt wur­de von den Nazis als „den Wil­len des deut­schen Vol­kes zur wehr­haf­ten Selbst­be­haup­tung“ läh­mend ein­ge­stuft. Mat­hil­de und ihr Ehe­mann Wil­helm Hen­ge­veld wur­den daher im August 1944 wegen Wehr­kraft­zer­set­zung zum Tode ver­ur­teilt und eini­ge Mona­te spä­ter hin­ge­rich­tet.

Nun geriet auch Elfrie­de Hup­perts, Mut­ter zwei­er klei­ner Mäd­chen, in das Visier der Nazis: Sie wur­de am 2. Juni 1944 in Wer­mels­kir­chen ver­haf­tet und in das Rem­schei­der Gefäng­nis gebracht. Am 15. Dezem­ber 1944 ver­ur­teil­te sie das Ober­lan­des­ge­richt Hamm zu 3 Jah­ren Zucht­haus. Drei Tage spä­ter wur­de sie zusam­men mit Mat­hil­de Hen­ge­veld nach Ber­lin trans­por­tiert. Wäh­rend Mat­hil­de dort in Plöt­zen­see ent­haup­tet wur­de, wur­de Elfrie­de in das Zucht­haus Cott­bus über­führt. Der Mut­ter beraubt, starb ihre acht­jäh­ri­ge Toch­ter Han­na am glei­chen Tag. Gefes­selt konn­te Elfrie­de Hup­perts an der Beer­di­gung ihrer Toch­ter teil­neh­men und wur­de anschlie­ßend bis Kriegs­en­de in Leip­zig-Klein­meus­dorf inhaf­tiert. Nach ihrer Rück­kehr nach Wer­mels­kir­chen blieb Elfrie­de Hup­perts bis zu ihrem Tod im Janu­ar 1992 ein akti­ves Mit­glied der hie­si­gen Gemein­de der Zeu­gen Jeho­vas.

Der drit­te Stol­per­stein wird anschlie­ßend in der Frie­den­stra­ße 23 für die 1887 gebo­re­ne Mar­tha Wurm­nest ver­legt. Sie nahm bereits 1923 den Glau­ben der Bibel­for­scher an, wie Jeho­vas Zeu­gen bis 1931 genannt wur­den. Ihr Wohn­haus dien­te den Gläu­bi­gen jah­re­lang als Zusam­men­kunfts­ort. Zusam­men mit Anna Sie­bel und Else Bro­si­us ver­brei­te­te sie im Febru­ar 1935 von Haus zu Haus Bibeln. Dafür wur­de sie am 15. Okto­ber 1935 in einem Ver­fah­ren gegen neun Zeu­gen Jeho­vas in Düs­sel­dorf zu einer Haft­stra­fe von zwei Mona­ten ver­ur­teilt, die sie in Düs­sel­dorf und Wup­per­tal ver­büß­te. Weil alle Ange­klag­ten sich im Gerichts­saal wei­ger­ten mit „Heil Hit­ler“ zu grü­ßen, erhiel­ten sie einen zusätz­li­chen Tag Haft.

Nach­dem Fried­rich Bro­si­us 1937 in Wer­mels­kir­chen ver­haf­tet und in das KZ Buchen­wald über­führt wor­den war, geriet Mar­tha Wurm­nest am 23. Novem­ber 1937 erneut in das Faden­kreuz der NS. Ins­ge­samt zehn­mal durch­such­te die Gesta­po ihr Wohn­haus. Nach­dem bekannt wur­de, dass sie vier Aus­ga­ben der Zeit­schrift „Der Wacht­turm“ erhal­ten hat­te, wur­de sie am 27. Mai 1938 erneut ver­haf­tet und am 12. August 1938 vom Son­der­ge­richt Düs­sel­dorf erneut ver­ur­teilt. Bis Anfang 1939 blieb sie in einer unbe­heiz­ten Zel­le in der Straf­an­stalt Anrath in Haft. In einem Stroh­sack muss­te sie auf dem eis­kal­ten Stein­bo­den schla­fen und zog sich blei­ben­de Gesund­heits­schä­den zu.

Weni­ge Wochen nach der Haft­ent­las­sung wur­de Mar­tha Wurm­nest zum vier­ten Mal ver­haf­tet. Dies­mal erreich­te ein Ver­wand­ter, der der SA ange­hör­te, dass auf­grund ihres Alters von einer erneu­ten Inhaf­tie­rung abge­se­hen wur­de. Mar­tha Wurm­nest leb­te bis zu ihrem Tod im Jahr 1956 nach der Über­zeu­gung, die sie 1938 zu Pro­to­koll gab: „Die Bibel sagt: „Nie­mand kann zwei Her­ren die­nen“, aus die­sem Grun­de habe ich nie gewählt und wen­de auch grund­sätz­lich den „Deut­schen-Gruß“ nicht an. […] Da ich auf Jeho­va einen Eid geleis­tet habe, und die­sen auch nie­mals bre­chen wer­de, muss ich mich also hier­mit als Zeu­ge Jeho­vas beken­nen.“

Zu den Stol­per­stein­ver­le­gun­gen wer­den auch Ange­hö­ri­ge der Fami­lie Hup­perts erwar­tet. Auch Bür­ger­meis­ter Bernd Hibst hat sein Kom­men ange­kün­digt, sowie Iris Metz­ler, vom Ver­ein Ber­gi­sche Zeit­ge­schich­te e.V., der die Stol­per­stei­ne finan­ziert hat und der Autor T. Mar­tin Krü­ger, der die Lebens­ge­schich­te von Mar­tha Wurm­nest und des Ehe­paars Hup­perts in sei­nem Buch „Eine Bibel schön und groß, haben sie gefun­den, die­se Sün­de denkt euch bloß, kos­tet vie­le Arbeits­stun­den“ rekon­stru­iert hat.

Text: T. Mar­tin Krü­ger / Fotos: Pri­vat­be­sitz

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