Eine Frage des Anfangs…

..und was das (nicht nur) für das Rhombus-Gelände bedeutet

Ein Mei­nungs­bei­trag von Klaus Ulin­ski

Das Rhom­bus-Gelän­de steht für einen Anfang. Nicht nur archi­tek­to­nisch oder städ­te­bau­lich. Son­dern poli­tisch. Finan­zi­ell. Gesell­schaft­lich.

Ein Anfang ist nie nur ein Datum im Kalen­der oder ein Rats­be­schluss. Er ist eine Hal­tung. Er ent­schei­det dar­über, “wie” etwas beginnt – und damit oft auch, “wie” es endet.

Wir ken­nen das aus dem Pri­va­ten. Ein Anfang ent­steht, wenn man ein schwie­ri­ges Gespräch nicht län­ger ver­mei­det. Wenn man dem kom­pli­zier­ten Nach­barn nicht mit Vor­wür­fen begeg­net, son­dern mit der Bereit­schaft zuzu­hö­ren. Wenn man beim nör­geln­den Kind nicht nur das Nör­geln hört, son­dern die Unsi­cher­heit dahin­ter erkennt.

Das sind kei­ne leich­ten Schrit­te. Sie gesche­hen trotz wid­ri­ger Umstän­de, trotz eige­ner Zwei­fel, trotz Gegen­wind. Ein guter Anfang ist häu­fig ein schwe­rer Anfang. Aber er schafft Ver­trau­en.

Und genau hier liegt die ent­schei­den­de Fra­ge für Wer­mels­kir­chen.

Ein Anfang braucht mehr als Begeis­te­rung

Ein Pro­jekt wie das Rhom­bus ist kein gewöhn­li­ches Vor­ha­ben. Es bin­det erheb­li­che finan­zi­el­le Mit­tel. Es wirkt über Jah­re, viel­leicht Jahr­zehn­te auf den städ­ti­schen Haus­halt. Es beein­flusst Hand­lungs­spiel­räu­me – für Schu­len, Kitas, Stra­ßen, Ver­ei­ne, frei­wil­li­ge Leis­tun­gen.

Ein sol­cher Anfang braucht mehr als Begeis­te­rung. Er braucht Struk­tur. Er braucht Klar­heit. Und vor allem braucht er Trans­pa­renz.

Ein kon­struk­ti­ver Anfang in der Kom­mu­nal­po­li­tik beginnt nicht erst mit dem ers­ten Bag­ger. Er beginnt mit einer kla­ren und nach­voll­zieh­ba­ren Steue­rung. Mit regel­mä­ßi­ger Infor­ma­ti­on über Zeit­plä­ne und deren Ein­hal­tung. Mit einer offe­nen Dar­stel­lung der Kos­ten­ent­wick­lung – nicht nur der geplan­ten, son­dern der tat­säch­li­chen. Mit einer ehr­li­chen Ein­schät­zung, wel­che Aus­wir­kun­gen Abwei­chun­gen auf den lau­fen­den und zukünf­ti­gen Haus­halt haben.

Ein guter Anfang bedeu­tet, nicht erst zu reagie­ren, wenn Zah­len ent­glei­ten, son­dern Ent­wick­lun­gen früh­zei­tig sicht­bar zu machen. Er bedeu­tet, Plan und Rea­li­tät sys­te­ma­tisch zu ver­glei­chen. Abwei­chun­gen zu erklä­ren. Risi­ken offen zu benen­nen. Und gege­be­nen­falls nach­zu­steu­ern. Das ist kei­ne Miss­trau­ens­kul­tur. Das ist ver­ant­wor­tungs­vol­le Steue­rung. 

Die “Hol­schuld” der Bür­ger­schaft

Gera­de bei gro­ßen Inves­ti­ti­ons­maß­nah­men – ob städ­tisch oder bei Vor­ha­ben pri­va­ter Trä­ger mit beson­de­rem öffent­li­chen Inter­es­se – ent­schei­det die Qua­li­tät der Beglei­tung über die Qua­li­tät des Ergeb­nis­ses. Wenn Fort­schrit­te, Kos­ten und Zeit­ab­läu­fe regel­mä­ßig öffent­lich dar­ge­stellt wer­den, ent­steht etwas, das in der heu­ti­gen poli­ti­schen Lage kost­ba­rer ist als jeder Archi­tek­tur­preis: Ver­trau­en.

„Trans­pa­renz­her­stel­lung“ klingt gut. Aber Trans­pa­renz ent­steht nicht dadurch, dass man irgend­wo PDFs ins Netz stellt und anschlie­ßend erklärt, die Bür­ger hät­ten nun eine Hol­schuld.

Trans­pa­renz ist kei­ne Schatz­su­che.

Bei einem Mil­lio­nen­pro­jekt wie dem Rhom­bus ist sie eine kla­re Bring­schuld der poli­tisch Ver­ant­wort­li­chen. Wer ent­schei­det, muss erklä­ren. Wer inves­tiert, muss offen­le­gen. Wer Risi­ken ein­geht, muss sie benen­nen – ver­ständ­lich, regel­mä­ßig und aktiv.

Der Hin­weis auf eine angeb­li­che Hol­schuld der Bür­ger­schaft wirkt schnell wie ein Rol­len­wech­sel: Nicht mehr die Poli­tik steht in der Ver­ant­wor­tung, son­dern die Bür­ger sol­len sich ihre Infor­ma­tio­nen zusam­men­su­chen. Das mag for­mal kor­rekt sein. Demo­kra­tisch über­zeu­gend ist es nicht.

Ein guter Anfang sieht anders aus: Trans­pa­renz nicht als läs­ti­ge Pflicht nach kri­ti­schen Nach­fra­gen, son­dern als selbst­ver­ständ­li­chen Teil ver­ant­wort­li­cher Poli­tik.
Trans­pa­renz ist kein Zusatz. Sie ist Teil des Anfangs.

Wer möch­te, dass Bür­ge­rin­nen und Bür­ger ein sol­ches Pro­jekt mit­tra­gen, muss ihnen ermög­li­chen, nach­zu­voll­zie­hen, wie ihre Steu­er­gel­der ein­ge­setzt wer­den. Wel­che Fort­schrit­te erzielt wer­den. Wo es Abwei­chun­gen gibt – und war­um. Nicht als Rand­no­tiz, nicht zwi­schen Tür und Angel, son­dern regel­mä­ßig, sys­te­ma­tisch und öffent­lich zugäng­lich.

Ohne guten Anfang gibt’s kein gutes Ende

Denn ohne Anfang gibt es kein Ende. Und ohne einen guten Anfang gibt es kein gutes Ende.

Ein Neu­an­fang ist dabei nicht zwin­gend ein Bruch. Manch­mal ist es ein Wie­der­an­fang. Eine bewuss­te Ent­schei­dung, Din­ge struk­tu­rier­ter, trans­pa­ren­ter und ver­bind­li­cher anzu­ge­hen als zuvor. Das ist kein Zei­chen von Schwä­che. Das ist poli­ti­sche Rei­fe.

Das Rhom­bus-Gelän­de kann ein städ­te­bau­li­cher Impuls für Wer­mels­kir­chen sein. Aber noch wich­ti­ger ist, dass es ein Impuls für eine neue Kul­tur der Steue­rung und Offen­heit wird. Für eine Poli­tik, die nicht nur ent­schei­det, son­dern erklärt. Die nicht nur plant, son­dern beglei­tet. Die nicht nur ver­wal­tet, son­dern ver­ant­wor­tet.

Viel­leicht ist genau das der eigent­li­che Anfang, der jetzt zählt. Nicht nur der Beginn eines Bau­pro­jekts. Son­dern der Beginn eines ver­läss­li­chen, trans­pa­ren­ten Umgangs mit gro­ßen Ent­schei­dun­gen in unse­rer Stadt.

Und genau dar­in liegt sei­ne Kraft.

Bild: Privat/Klaus Ulin­ski

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