Meinungsbeitrag von Klaus Ulinski
Über Sicherheit darf man diskutieren. Über Strukturen auch. Was man in einer verantwortungsvollen Kommunalpolitik jedoch nicht tun sollte, ist ein Sicherheitsproblem zu suggerieren, das nachweislich nicht existiert. Zukunft Wermelskirchen tut dies mit seiner jüngst veröffentlichen Pressemitteilung.
Nun gut. „Zukunft Wermelskirchen“ formuliert Bauchgefühle, wir präsentieren dagegen Fakten, die eine ganz andere Sprache sprechen:
Die Kreispolizei stellt ausdrücklich fest, dass in Wermelskirchen keine kritische Kriminalitätslage vorliegt. Die Zahlen lassen daran keinen Zweifel. Im Jahr 2024 wurden 1.447 Straftaten registriert. Einige Jahre zuvor waren es 1.609, davor 1.354. Das sind normale Schwankungen über die Jahre hinweg, kein Anstieg, kein Trend, keine Zuspitzung. Gleichzeitig ist die Aufklärungsquote deutlich gestiegen und liegt inzwischen bei über 62 Prozent. Auch im gesamten Rheinisch-Bergischen Kreis ist die Entwicklung stabil bis rückläufig: 13.597 Straftaten im Jahr 2024 nach 13.670 im Jahr zuvor. Der Kreis gehört weiterhin zu den sichersten Regionen in Nordrhein-Westfalen, und Wermelskirchen zählt innerhalb des Kreises zu den sicheren Kommunen.
Realitätsfremder Populismus
Trotz dieser klaren Faktenlage wird nun politisch ein „Sicherheitsquartier“ ins Spiel gebracht – begründet mit einem diffusen Wunsch nach mehr Präsenz. Genau an diesem Punkt wird aus Sachpolitik Stimmungspolitik. Denn wenn Behörden Entwarnung geben, aber politisch Handlungsdruck erzeugt wird, dann basiert der Vorschlag nicht auf Realität, sondern auf einem erzeugten Gefühl. Populismus pur. Nichts anderes.
Hier zeigt sich ein bekanntes Muster: Zuerst wird Unsicherheit beschrieben, dann wird eine neue Ordnungseinheit vorgeschlagen. Heute heißt sie Sicherheitsquartier, morgen kommunaler Ordnungsdienst mit erweiterten Befugnissen,der „damit über die bestehende Ordnungspartnerschaft mit der Polizei“ hinausgeht.
Diesen Satz muß man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Der Schritt von der bestehenden Ordnungspartnerschaft mit der Polizei hin zu einer kommunalen Eingreiftruppe ist dann kein großer mehr. Ungute Erinnerungen an braune Uniformen werden hier wach. Und erfahrungsgemäß dauert es anschließend nicht lange, bis Forderungen nach permanenter Videoüberwachung folgen – weil man das zuvor rhetorisch konstruierte Problem ja konsequent „lösen“ muss.
Das ist keine Unterstellung, sondern politische Erfahrung. Erst wird die Lage dramatisiert, dann werden Maßnahmen normalisiert, die ohne diese Dramatisierung niemals mehrheitsfähig wären. Am Ende steht ein wachsender Sicherheitsapparat ohne reale Gefahrenlage. Genau so entsteht kommunaler Sicherheitspopulismus: Nicht aus steigender Kriminalität, sondern aus politisch verstärkter Unsicherheit.
Wer unter stabiler und niedriger Kriminalitätslage zusätzliche Sicherheitsstrukturen fordert, betreibt keine Prävention, sondern symbolische Ordnungspolitik. Und wer dabei unterschwellig den Eindruck erweckt, unsere Stadt entwickle sich in eine gefährliche Richtung, handelt unverantwortlich gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern, die hier nachweislich sicher leben.
Die Realität lautet: Wermelskirchen ist sicher.
Die Botschaft der Pressemitteilung lautet: Wermelskirchen ist unsicher.
Quellen:
Stadt Wermelskirchen – Bürgerabend Sicherheit / Polizeiliche Lageeinschätzung 2025:
Kreispolizeibehörde Rheinisch-Bergischer Kreis – Kriminalitätsentwicklung 2024:
https://rheinisch-bergischer-kreis.polizei.nrw/artikel/kriminalitaetsentwicklung-2024
Pressemappe Polizeiliche Kriminalstatistik Rhein-Berg 2024:
https://in-gl.de/wp-content/uploads/2025/03/pressemappe_pks_2024.pdf
Radio Berg – Einordnung Sicherheit Wermelskirchen:
https://www.radioberg.de/artikel/wermelskirchen-buergerabend-zum-thema-sicherheit-kommt-2149953.html
Foto: Klaus Ulinski


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