Kommentar
Von Lothar Dähn, 10. Februar 2026
Gestern Abend wurde im großen Bürgersaal über die Fortsetzung des wichtigsten – und zugleich historisch teuersten – Projekts der Stadt Wermelskirchen entschieden. In kaum 45 Minuten arbeitete der Stadtrat im öffentlichen Teil der Sitzung neun Tagesordnungspunkte ab. Den größten zeitlichen und politischen Raum nahm erwartungsgemäß das Rhombus-Areal ein.
Kontroverse Debatten blieben aus. Kritische Fragen wurden offenbar bereits im Vorfeld gestellt, diskutiert und – wie es in solchen Fällen üblich ist – hinter verschlossenen Türen abgearbeitet. Im Rat selbst herrschte geschlossene Haltung. Die Fraktionsvorsitzenden beschränkten sich auf kurze, wohlformulierte Plädoyers zugunsten des Projekts. Lediglich Marco Frommenkord (FDP) wich vom Konsens ab, indem er an seine Bedenken erinnerte, aber auf Details verzichtete und beinahe erschöpft feststellte: Dann sei das jetzt eben so – „wat mutt, dat mutt“.
Bürgermeister und Verwaltung dürfen zufrieden sein. Mit nur sechs Gegenstimmen und einer Enthaltung wurde der demokratische Prozess ordnungsgemäß vollzogen. Das vielzitierte Leuchtturmprojekt – mitten in der Stadt, wie so oft betont wurde – darf nun in die nächste Phase gehen, die Fördermittel werden beantragt. Kurs wird gehalten, die Marschrichtung bestätigt.
Selbstverständlich wurden, so darf man unterstellen, alle Kriterien sorgfältig abgewogen, analysiert und ausgiebig diskutiert. Frühere umstrittene Großprojekte dienten als Vergleich: Einige wurden rechtzeitig gestoppt, andere entwickelten sich – rückblickend betrachtet – so meinten einige Ratsherren, zu wahren Erfolgsgeschichten. Diese Argumentationslinie trug. Das überwältigende Abstimmungsergebnis für das Rhombus-Projekt schafft Fakten. Wer einen Tag später noch offene Fragen wiederholt, riskiert weiter wenige oder keine Antworten zu erhalten, dafür sich dem Verdacht auszusetzen, den demokratischen Konsens nicht zu respektieren.
Dem Kommentator bleibt daher vor allem eines: Hoffnung. Die Hoffnung, dass der Prüfstein, auf den Politik und Verwaltung dieses Projekt gestellt haben, tragfähig genug ist. Die Hoffnung, dass andere wichtige städtische Aufgaben nicht dauerhaft in den Schatten dieses Leuchtturms geraten. Die Hoffnung, dass Kosten- und Haushaltsrisiken in den kommenden 50 Jahren trotz der Finanzierung und der betrieblichen Folgen, sich als gut beherrschbar erweisen und Steuererhöhungen entbehrlich bleiben. Und schließlich die Hoffnung, dass das Haus der Vereine einen echten Mehrwert bringt, die neue VHS Platz für andere Schulformen schafft, dass das 50 Jahre alte Hallenbad, welches schon vor 10 Jahren erneuert werden sollte noch bis zur Eröffnung des neuen Hallenbad durchhält, der imposante Steg besser instandgehalten wird, als die nur etwa 100 Meter entfernte Brücke über die Umgehungsstraße und der geplante Klimateich auch in Trockenzeiten stets gefüllt bleibt. Und all das eintrifft, was sich die überwältigende Mehrheit von Ratsmitgliedern, Bürgerinnen und Bürgern – und ja, auch der Kommentator – wünschen.
Foto: Lothar Dähn


Schreibe einen Kommentar