„Sympathisch bekloppt“ – Oldtimer-Treff am alten Bahnhof in Hilgen

„Na Horst, auch hier?“. „Jo.“ „Und wie isset?“. „Jot. Un’ dir?“. „Och jot.“ „Dann noch ’en schö­nen Tach.“ „Dan­ke, Jür­gen, dir auch.“

Dann folgt natür­lich eine Fach­sim­pe­lei zwi­schen den Old­ti­mer-Lieb­ha­bern Jür­gen Becker und Horst Lich­ter. Becker hat­te sich am Pfingst­sonn­tag mit einem Elek­tro­mo­tor­rad aus sei­ner Samm­lung auf den Weg nach Hil­gen gemacht.

Alles da – vom klei­nen Fiat 500 im Renn­trimm bis zum 6‑Me­ter-Ami-Schlit­ten. Ganz egal ob mit viel Pati­na oder so lan­ge restau­riert bis das Fahr­zeug in einem Neu­zu­stand ange­kom­men ist. Geparkt wird in der Rei­hen­fol­ge der Ankunft, ganz egal wel­che Mar­ke.

Mit Kaf­fee, Geträn­ken, beleg­ten Bröt­chen und lecke­rer Grill­wurst wird die Basis gelegt für vie­le Gesprä­che. „Nach lan­ger Suche hab’ ich das Ersatz­teil in Litau­en gefun­den. War auch nicht ganz bil­lig ist aber von guter Qua­li­tät“, erzählt ein Besu­cher stolz sei­nem Freund. „Und, hast du es schon ein­ge­baut?“, fragt der Freund. „Ja, war nicht so ein­fach. Hat einen gan­zen Sams­tag gedau­ert.“ „Und, klappt es denn jetzt?“. „Nö, muss ich noch mal bei gucken.“

Die Old­ti­mer­freun­de bezeich­nen sich ja selbst schmun­zelnd als „posi­tiv bekloppt“ und da ist sicher auch was dran. Sich selbst und alles ande­re nicht so ernst neh­men. Das zeigt sich an einem klei­nen Hin­weis­schild an einem Aus­tin Fro­geye. (Der Name ist aus dem sym­pa­thi­schen Gesicht die­ses klei­nen Cabri­os abge­lei­tet, dass an einen Frosch erin­nert). „Bit­te nicht küs­sen! Die­ser Frosch soll kein Prinz wer­den!“ ist auf dem Schild zu lesen.

Eini­ge klei­ne Stän­de laden zu stö­bern ein. Ersatz­tei­le, Bücher, Hef­te, Pro­spek­te oder Modell­au­tos – es sam­melt sich was an in vie­len Jah­ren und sucht hier einen neu­en Besit­zer. Gefeilscht, ver­han­delt, abge­lehnt, als zu teu­er emp­fun­den und dann doch gekauft. Eben Floh­markt.

Die Idee zu die­sem Tref­fen ist ein­fach geni­al. Eine ganz zwang­lo­se Sache, kei­ne Anmel­dung, kei­ne Gebüh­ren. So ab 9.00 Uhr geht’s los und am frü­hen Nach­mit­tag löst sich das Tref­fen wie­der auf.

Klar ist in der Spit­zen­zeit auf dem Platz, an der Ein- und Aus­fahrt und auch im Orts­teil Hil­gen kurz­fris­tig mal „Land unter“. Irgend­wie löst es sich aber immer wie­der auf.

Scha­de, dass sich auch bei die­sem schö­nen Treff­punkt immer öfter nicht nur die „posi­tiv Beklopp­ten“ son­dern auch die rich­tig Beklopp­ten tref­fen. Ihr Mot­to: „Ich bin schön. Ich bin wich­tig. Ich habe viel Geld. Ich kom­me aus Düs­sel­dorf (oder woan­ders her).“ Mit einer nie­gel­na­gel­neu­en Protz- und Proll­kar­re suchen sie sich ein Plätz­chen auf einem Old­ti­mer­treff(!). Zuge­ge­ben die Kis­ten waren teu­er aber weit ent­fernt ein Old­ti­mer zu sein. Zum Glück inter­es­siert sich nie­mand für sie.

Vie­le Men­schen – vie­le Idio­ten. Das ist ja über­all so. Abge­se­hen davon ist ein Besuch am alten Bahn­hof in Hil­gen immer wie­der schön.

Wun­der­bar dass wir die­sen Platz haben und schön dass wir uns da tref­fen dür­fen.

Fotos: Wal­ter Schu­bert

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