Die Bergpredigt im Christentum – Der Kern

Wenn die, die sich Chris­ten gleich wel­cher Kon­fes­si­on nen­nen, sich in einem öffent­li­chem Raum tref­fen, soll­te der Gehalt der Berg­pre­digt der Maß­stab des Den­kens und Han­delns sein.

Die Berg­pre­digt for­dert eine Lebens­wei­se, bei der Lie­be, Barm­her­zig­keit, Gerech­tig­keit, Wahr­haf­tig­keit und Gewalt­lo­sig­keit wich­ti­ger sind als Macht, Besitz, Ver­gel­tung und äußer­li­che Reli­gio­si­tät.

Die Berg­pre­digt gehört zu den bekann­tes­ten und ein­fluss­reichs­ten Tex­ten des Chris­ten­tums. Sie ist eine län­ge­re Rede von Jesus von Naza­reth und ent­hält eine grund­le­gen­de Ori­en­tie­rung dafür, wie Men­schen leben, den­ken und mit­ein­an­der umge­hen sol­len.

His­to­ri­scher Hin­ter­grund

Die Berg­pre­digt steht in den Kapi­teln 5–7 des Evan­ge­li­ums nach Mat­thä­us. Der Name kommt daher, dass Jesus laut Dar­stel­lung auf einem Berg zu den Men­schen spricht. Der Berg erin­nert sym­bo­lisch an Mose, der auf dem Sinai die Gebo­te emp­fing. Damit wird Jesus als jemand dar­ge­stellt, der Got­tes Wil­len neu und ver­tieft erklärt. Die Berg­pre­digt rich­tet sich an die Jün­ger, aber auch an die brei­te Bevöl­ke­rung, beson­ders an Men­schen, die arm, belas­tet oder gesell­schaft­lich benach­tei­ligt waren.

Sie ent­stand in einer Zeit römi­scher Besat­zung, mit sozia­len Span­nun­gen, reli­giö­sen Geset­zes­dis­kus­sio­nen und gro­ßen Unter­schie­den zwi­schen Arm und Reich. Vor die­sem Hin­ter­grund wirkt die Berg­pre­digt teil­wei­se revo­lu­tio­när.

Die zen­tra­le Bot­schaft

Die Kern­idee lau­tet: Das Reich Got­tes beginnt bereits im mensch­li­chen Ver­hal­ten. Nicht Macht, Gewalt, Reich­tum oder Sta­tus machen den Men­schen groß, son­dern Lie­be, Barm­her­zig­keit, Wahr­haf­tig­keit, Frie­den, Gerech­tig­keit und Demut. Jesus ver­schiebt dabei den Schwer­punkt weg von blo­ßer äuße­rer Geset­zes­er­fül­lung, hin zur inne­ren Hal­tung des Men­schen.

Die wich­tigs­ten Inhal­te der Berg­pre­digt

1. Die Selig­prei­sun­gen

Die Berg­pre­digt beginnt mit den berühm­ten Selig­prei­sun­gen. Bei­spie­le:

„Selig sind die Fried­fer­ti­gen.“

„Selig sind die Barm­her­zi­gen.“

„Selig sind, die hun­gern und dürs­ten nach Gerech­tig­keit.“

Hier wird eine völ­lig ande­re Wert­ord­nung beschrie­ben. Nicht die Star­ken oder Erfolg­rei­chen gel­ten als geseg­net, son­dern oft die Schwa­chen, Lei­den­den oder Gerech­ten. Das war damals pro­vo­kant — und ist es teil­wei­se bis heu­te. Bedeu­tung: Die Wür­de eines Men­schen hängt nicht von Reich­tum, Macht und Anse­hen ab.

2. Fein­des­lie­be

Ein zen­tra­ler und radi­ka­ler Gedan­ke ist: „Liebt eure Fein­de.“ Damit geht Jesus deut­lich über vie­le dama­li­ge Moral­vor­stel­lun­gen hin­aus. Gemeint ist nicht Unrecht gut­zu­hei­ßen, sich alles gefal­len zu las­sen und Gewalt zu för­dern. Son­dern:

• Hass nicht mit Hass zu beant­wor­ten,

• den Kreis­lauf von Ver­gel­tung zu durch­bre­chen,

• den ande­ren wei­ter­hin als Men­schen zu sehen.

Die­se Idee beein­fluss­te spä­ter Mahat­ma Gan­dhi, Mar­tin Luther King Jr. und Nel­son Man­de­la.

3. Die inne­re Hal­tung zählt

Jesus kri­ti­siert eine rein äußer­li­che Reli­gio­si­tät. Bei­spie­le:

• Nicht nur Mord ist pro­ble­ma­tisch, son­dern bereits zer­stö­re­ri­scher Hass.

• Nicht nur Ehe­bruch, son­dern auch die inne­re Hal­tung kann falsch sein.

• Gute Taten sol­len nicht zur Selbst­dar­stel­lung die­nen.

Damit sagt die Berg­pre­digt, der Mensch soll nicht nur „for­mal kor­rekt“ han­deln, son­dern inner­lich ehr­lich wer­den.

4. Die Gol­de­ne Regel

Ein berühm­ter Satz lau­tet:

„Alles, was ihr wollt, dass euch die Men­schen tun, das tut auch ihr ihnen.“ Das nennt man die Gol­de­ne Regel. Sie gilt bis heu­te als grund­le­gen­des ethi­sches Prin­zip vie­ler Kul­tu­ren und Reli­gio­nen.

5. Gewalt­lo­sig­keit und Ver­zicht auf Ver­gel­tung

Berühmt ist: „Wenn dich jemand auf die rech­te Wan­ge schlägt, dann hal­te ihm auch die ande­re hin.“ Das wird oft miss­ver­stan­den. Es bedeu­tet nicht unbe­dingt:

• pas­siv alles zu ertra­gen,

• sich wehr­los miss­han­deln zu las­sen.

Viel­mehr geht es um:

• Ver­zicht auf Rache,

• Über­win­dung von Gewalt­spi­ra­len,

• mora­li­sche Stär­ke statt Gegen­ge­walt.

6. Ver­hält­nis zu Besitz und Geld

Jesus warnt: „Ihr könnt nicht Gott die­nen und dem Mam­mon.“ „Mam­mon“ bedeu­tet Besitz, Geld, mate­ri­el­le Fixie­rung. Die Berg­pre­digt kri­ti­siert Gier, Mate­ria­lis­mus und sozia­le Gleich­gül­tig­keit. Gleich­zei­tig for­dert sie Ver­trau­en, Genüg­sam­keit und Soli­da­ri­tät mit Armen.

7. Sor­ge und Ver­trau­en

Ein beson­ders bekann­ter Abschnitt lau­tet sinn­ge­mäß: „Sorgt euch nicht um mor­gen.“ Das bedeu­tet nicht Ver­ant­wor­tungs­lo­sig­keit und Planlosigkeit.Gemeint ist Angst soll nicht das Leben beherr­schen, Ver­trau­en und Gegen­wart sind wich­ti­ger als stän­di­ge Zukunfts­sor­gen.

8. Kri­tik an Heu­che­lei

Jesus kri­ti­siert Men­schen, die öffent­lich Fröm­mig­keit zei­gen, aber inner­lich anders han­deln. Bei­spie­le sind demons­tra­ti­ves Beten, demons­tra­ti­ves Fas­ten und mora­li­sche Selbst­über­hö­hung. Berühmt ist die Aus­sa­ge: „Zieh zuerst den Bal­ken aus dei­nem eige­nen Auge.“ Die Bot­schaft dar­in lau­tet: Selbst­kri­tik vor Ver­ur­tei­lung ande­rer.

Das Vater­un­ser

In der Berg­pre­digt steht auch das bekann­te Gebet: Vater­un­ser. Es ver­bin­det Got­tes­ver­trau­en, Bit­te um täg­li­ches Brot, Ver­ge­bung und Ver­ant­wor­tung gegen­über ande­ren.

Gesell­schaft­li­che Bedeu­tung

Die Berg­pre­digt wur­de oft unter­schied­lich inter­pre­tiert

1. Per­sön­li­che Lebens­ethik

Wie soll ein ein­zel­ner Mensch leben?

2. Gesell­schafts­kri­tik

Kri­tik an Macht­miss­brauch, Unge­rech­tig­keit, Gewalt und Reich­tums­fi­xie­rung.

3. Poli­ti­sche Wir­kung

Sie inspi­rier­te Frie­dens­be­we­gun­gen, Bür­ger­rechts­be­we­gun­gen und gewalt­frei­en Wider­stand.

Kri­tik und Dis­kus­si­on

Die Berg­pre­digt gilt vie­len als mora­lisch sehr anspruchs­voll. Kri­ti­sche Fra­gen:

• Ist Fein­des­lie­be prak­tisch umsetz­bar?

• Kann eine Gesell­schaft ohne Ver­gel­tung funk­tio­nie­ren?

• Sind die For­de­run­gen Ide­al oder kon­kre­te Lebens­re­geln?

Es gibt daher unter­schied­li­che Deu­tun­gen:

• wört­lich,

• sym­bo­lisch,

• spi­ri­tu­ell,

• sozi­al­ethisch.


Bild: Pix­a­bay Kari­na Cubil­lo

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wird gela­den…

Kommentare

2 Kommentare zu „Die Bergpredigt im Christentum – Der Kern“

  1. Avatar von Karl-Reiner Engels
    Karl-Reiner Engels

    “Wenn die, die sich Chris­ten gleich wel­cher Kon­fes­si­on nen­nen, sich in einem öffent­li­chem Raum tref­fen, soll­te der Gehalt der Berg­pre­digt der Maß­stab des Den­kens und Han­delns sein.”

    Es wird der AfD in ihrem ange­kün­dig­tem Tref­fen in den Bür­ger­häu­sern nicht dar­um gehen, die Bot­schaft der Berg­pre­digt zum Maß­stab gesell­schaft­li­chen Zusam­men­le­bens zu machen. Die Dis­kre­panz zwi­schen dem was die AfD “pre­digt” und der Berg­pre­digt ist offen­sicht­lich. Der AfD geht es um die poli­tisch – stra­te­gi­sche Idee die Insti­tu­tio­nen die­se Gesell­schaft zu erobern und nach ihrer ras­sis­ti­schen und dem­ago­gi­schen Agen­da inhalt­lich zu ver­än­dern. (sie­he auch Anto­nio Gramsci: Er sah die Ursa­che (kapi­ta­lis­ti­scher Macht­ver­hält­nis­se) in der „kul­tu­rel­len Hege­mo­nie“ der herr­schen­den Klas­se, die über Insti­tu­tio­nen wie Schu­len, Kir­chen, Medi­en und Gewerk­schaf­ten wirkt.).

    So stellt sich die Fra­ge, ob die AfD nicht ledig­lich nur die Essenz, das geis­ti­ge Aro­ma die­ser gesell­schaft­li­chen Zustän­de ist, die bestimmt sind durch die kapi­ta­lis­ti­sche Pro­duk­ti­ons­wei­se und die Lösung eben nicht zu suchen ist ist mora­li­schen Kate­go­rien, son­dern in der mate­ri­el­len Ver­än­de­rung der gesell­schaft­li­chen Zustän­de. Oder anders, in einer sozia­lis­ti­schen Gesell­schaft könn­te die Berg­pre­digt Wir­kungs­kraft ent­fal­ten.

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  2. Avatar von Barbara Horn-Birkhölzer
    Barbara Horn-Birkhölzer

    Jesus hat sei­ne Wor­te in Gleich­nis­sen ver­mit­telt, die­se kön­nen immer tie­fer erfah­ren und ver­stan­den wer­den. Das tut jede Pre­digt. Heu­te erreicht die Bot­schaft Jesu immer mehr Men­schen im einem Buch, das „Kurs in Wun­dern“ heißt. Hier wird sie in einer ande­ren Spra­che ver­mit­telt, die auch der Ent­schlüs­se­lung und der Anwen­dung auf das eige­ne Leben mit allen Kon­flik­ten und Stär­ken bedarf! Hier kann jeder täg­lich üben und erfährt Bestär­kung und Ermun­te­rung. Mir hilft es sehr bei mei­nem Üben, dass ich mei­nen Stand in den Kom­men­ta­ren zur Gelas­sen­heit und den Tages­sprü­chen hier im Forum tei­len darf!

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