Umwelt schützen, Stadt gestalten: Der Ausschuss für Umwelt und Bau im Gespräch
Der Ausschuss für Umwelt und Bau der Stadt Wermelskirchen gehört zu den Gremien mit einem besonders breiten Aufgabenspektrum. Seine Themen reichen vom Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen über Klimaanpassung, Stadtbäume, kommunalen Wald, Hochwasserschutz und Abfallwirtschaft bis hin zu großen städtischen Bauprojekten, Schulbaumaßnahmen, Friedhofswesen, Naherholungsgebieten und Fragen des Energiemanagements.
Im Gespräch mit dem Forum Wermelskirchen erläutert der Ausschussvorsitzende Frank Kaluscha, wie eng Umwelt- und Bauthemen in der kommunalen Praxis miteinander verbunden sind. Aktuelle Projekte wie die Schulbaumaßnahmen, das Projekt Rhombus oder die geplante Entwicklung in Dabringhausen zeigen, vor welchen Herausforderungen der Ausschuss steht: ökologische Verantwortung, Stadtentwicklung, finanzielle Grenzen und praktische Umsetzbarkeit müssen immer wieder miteinander in Einklang gebracht werden. Das Interview gibt einen Einblick in die Arbeit eines Ausschusses, dessen Entscheidungen die Zukunft und Lebensqualität in Wermelskirchen wesentlich mitprägen.
Forum Wermelskirchen: Herr Kaluscha, der Ausschuss für Umwelt und Bau deckt eine enorme Bandbreite an Themen ab. Wie würden Sie die Rolle dieses Ausschusses für Wermelskirchen insgesamt beschreiben?
Frank Kaluscha: Vielen Dank zunächst für das Interesse an der Kommunalpolitik und insbesondere an unserem Ausschuss. Tatsächlich ist die Bandbreite sehr groß. Der Ausschuss beschäftigt sich mit allen Fragen rund um den Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen, aber auch mit ganz konkreten Themen wie Abfallwirtschaft, Forst, Energie, Bauprojekten oder dem Erscheinungsbild der Stadt. Wir beraten über größere Bauvorhaben immer auch unter Umweltgesichtspunkten, kümmern uns um Themen wie Hochwasserschutz oder Umweltverträglichkeitsprüfungen und sind ebenso für Bereiche wie Friedhöfe, Naherholungsgebiete oder das Kleingartenwesen zuständig. Dazu kommen Entscheidungen bei größeren städtischen Bauprojekten und Fragen des Energiemanagements. Man merkt schnell: Das ist ein sehr breites Aufgabenfeld.
Forum Wermelskirchen: Sie beschreiben ein sehr umfangreiches Zuständigkeitsgebiet. Wenn man das auf die aktuelle Arbeit herunterbricht: Welche Themen stehen derzeit besonders im Fokus des Ausschusses?
Frank Kaluscha: Aktuell haben wir im Umweltbereich vor allem das Klimaanpassungskonzept im Blick und die Frage, wie wir dieses konkret in Wermelskirchen umsetzen. In einer der nächsten Sitzungen erwarten wir dazu auch einen Vortrag zum Zustand der Stadtbäume. Ein weiteres wichtiges Thema ist die strategische Ausrichtung unseres kommunalen Waldes – hier steht ein Forstbericht an, der wichtige Impulse geben wird.
Parallel dazu beschäftigen uns zahlreiche Bauprojekte: das Projekt Rhombus, die verschiedenen Schulbaumaßnahmen wie die Gesamtschule, der Ausbau von OGS-Angeboten und Mensen, das Gymnasium sowie die Grundschule Tente, die bereits beschlossen ist. Hinzu kommt perspektivisch ein neues Baugebiet in Dabringhausen mit Industrie- und Wohnbebauung. Man sieht daran sehr gut, wie eng Umwelt- und Bauthemen miteinander verzahnt sind.
Forum Wermelskirchen: Gerade diese Verzahnung von Umwelt- und Bauthemen wirkt oft wie ein Spannungsfeld. Wie gelingt es, beide Aspekte in der Praxis miteinander zu verbinden?
Frank Kaluscha: Das ist tatsächlich eine der zentralen Herausforderungen unserer Arbeit. Am Beispiel des Neubaus der Grundschule Tente kann man sehr gut sehen, dass sich Bauen und Umwelt durchaus sinnvoll miteinander verbinden lassen. Dort wird versucht, moderne Anforderungen mit ökologischen Aspekten in Einklang zu bringen.
Gleichzeitig gibt es aber auch Beispiele, die die Grenzen aufzeigen. Beim Abriss der alten Grundschule Ost etwa wird deutlich, dass die Grundsätze einer umweltgerechten Entsorgung eingehalten werden müssen – gleichzeitig stößt man bei Altlasten, wie der seit Jahren nicht sanierten Deponie unter dem Gebäude, schnell an finanzielle Grenzen. Das zeigt: Umweltgerechtes Handeln ist oft keine reine Frage des Wollens, sondern auch eine Frage der verfügbaren Mittel.
Forum Wermelskirchen: Wenn finanzielle und praktische Grenzen eine so große Rolle spielen: Wie gehen Sie im Ausschuss mit diesen Zielkonflikten um?
Frank Kaluscha: Wir müssen in der Praxis sehr genau abwägen, was sinnvoll, notwendig und gleichzeitig auch realistisch umsetzbar ist. Nicht jede Maßnahme, die aus ökologischer Sicht wünschenswert wäre, lässt sich sofort oder vollständig realisieren. Deshalb geht es oft darum, Prioritäten zu setzen und Lösungen zu finden, die sowohl den Umweltanforderungen gerecht werden als auch finanziell tragfähig sind.
Das ist kein einfacher Prozess, aber genau darin liegt auch die eigentliche Aufgabe des Ausschusses: unterschiedliche Interessen zusammenzubringen und tragfähige Entscheidungen für die Stadt zu entwickeln.
Forum Wermelskirchen: Sie sind selbst noch relativ neu in der Rolle als Vorsitzender. Wie erleben Sie die Arbeit im Ausschuss bisher?
Frank Kaluscha: Da ich erst seit dieser Wahlperiode Vorsitzender bin, sammle ich in einigen Themenbereichen noch Erfahrungen, gerade was die Häufigkeit bestimmter Fragestellungen angeht. Gleichzeitig bietet die Rolle die Möglichkeit, sich intensiv mit sehr unterschiedlichen Themen auseinanderzusetzen und die Zusammenhänge besser zu verstehen. Gerade die Vielfalt der Themen macht die Arbeit spannend – und zeigt, wie viele Entscheidungen in einer Stadt letztlich auch Umwelt- und Baufragen berühren.
Forum Wermelskirchen: Wenn man all das zusammenfasst: Was ist aus Ihrer Sicht die zentrale Aufgabe des Ausschusses für Umwelt und Bau für die Zukunft Wermelskirchens?
Frank Kaluscha: Die zentrale Aufgabe besteht darin, die Entwicklung der Stadt so zu gestalten, dass ökologische Verantwortung und bauliche Entwicklung miteinander in Einklang gebracht werden. Es geht darum, unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen und gleichzeitig die notwendigen Voraussetzungen für eine funktionierende und zukunftsfähige Stadt zu schaffen. Das gelingt nur, wenn man beide Seiten zusammen denkt – und genau dafür ist der Ausschuss da.
Info zu Frank Kaluscha:
Frank Kaluscha ist 58 Jahre alt und lebt mit seiner Frau und einem Sohn zusammen. Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann studierte er Wirtschaftswissenschaften sowie Lehramt. Beruflich arbeitet er heute als Lehrer an einer Förderschule und ist zudem als freiberuflicher Dozent an der Fachhochschule der Wirtschaft tätig.
Kommunalpolitisch ist Frank Kaluscha seit zehn Jahren Mitglied des Rates der Stadt Wermelskirchen. In der vergangenen Ratsperiode war er Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses. Aktuell steht er dem Ausschuss für Umwelt und Bau vor.

In seiner Freizeit interessiert sich Frank Kaluscha besonders für Fußball und Schach. Ehrenamtlich engagiert er sich seit vielen Jahren im AJZ Bahndamm, wo er insbesondere die Finanzen im Blick behält.
Titelbild: Privat Klaus Ulinski


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