Wanderschuhe können sich abnutzen – die Bergischen 50

Ein per­sön­li­cher Erleb­nis­be­richt von Phil­ipp Scholz – über sei­ne Frau!

Ich ken­ne nur weni­ge Men­schen, bei denen sich Wan­der­schu­he wirk­lich regel­mä­ßig ablau­fen. Drei davon aus mei­nem direk­ten Umfeld. Lutz und sei­ne Frau, die vie­le hier aus dem Forum Wer­mels­kir­chen ken­nen, weil sie nicht nur orga­ni­sa­to­risch, son­dern auch schrei­bend und foto­gra­fie­rend seit Jah­ren zei­gen, was das Ber­gi­sche Land in Wer­mels­kir­chen zu bie­ten hat – über Social Media, im Blog und sogar in Buch­form. Und dann ist da noch mei­ne Frau Julia. Bei ihr ist das kei­ne Meta­pher, son­dern schlich­ter All­tag.

Wer täg­lich rund 28.000 Schrit­te zurück­legt, manch­mal deut­lich mehr, manch­mal etwas weni­ger, setzt sei­nem Schuh­werk zwangs­läu­fig zu. Julia führt neben­be­ruf­lich Hun­de aus, geht zusätz­lich mit unse­ren Dal­ma­ti­nern regel­mä­ßig auf Tou­ren und wenn wir nicht gera­de gemein­sam in Däne­mark durch Strän­de, Dünen und Blau­beer­plan­ta­gen lau­fen, braucht der Mensch ja bekannt­lich noch ein Hob­by. Wer in ber­gi­schen Gefil­den und auf all den ande­ren groß­ar­ti­gen Wegen rund um Wer­mels­kir­chen zuhau­se ist, trai­niert unbe­wusst. Irgend­wann reicht das Gewohn­te nicht mehr und es braucht eine ech­te Her­aus­for­de­rung.

So kam es, dass ich mei­ne Frau heu­te Mor­gen kurz nach sie­ben Uhr in Wip­per­fürth abge­setzt habe. Mit dabei ihre Freun­din Suzi sowie Dal­ma­ti­ner Pip­pa, Dal­ma­ti­ner Älse und Pudel Ella und wei­te­re 2.898 Star­ten­de mit diver­sen Hun­den. Ziel: die Ber­gi­schen 50. Fünf­zig Kilo­me­ter durch das Ber­gi­sche Land, zwölf Stun­den Zeit, orga­ni­siert, durch­dacht und alles ande­re als ein Spa­zier­gang. Am Ende stan­den 70.000 Schrit­te auf der Uhr, gelau­fen in 8 Stun­den, 42 Minu­ten und 49 Sekun­den, bei einem Schnitt von 5,7 km/h und ins­ge­samt 1.090 Höhen­me­tern. Nicht das ers­te Mal, aber – wie mir nach dem Ziel­ein­lauf bei einem Kalt­ge­tränk und aus­ge­zo­ge­nen, sicht­bar abge­lau­fe­nen Schu­hen ver­si­chert wur­de – per­sön­li­che Best­zeit.

Was von so einem Tag bleibt, sind nicht nur Zah­len. Es sind Bil­der, Ein­drü­cke und klei­ne Geschich­ten. Der Stopp mit den wirk­lich guten Nudeln bei Kilo­me­ter 30 gehört defi­ni­tiv dazu. Die Bla­se, die bei Kilo­me­ter 42 geplatzt ist, eher nicht – aber auch sie ist Teil die­ser Wahr­heit. Danach Bade­wan­ne, Ganz­kör­per­pfle­ge mit Kyt­ta- und Ibu­profen-Sal­be, noch ein paar Kalt­ge­trän­ke und am Abend eine hei­ße Piz­za aus Wer­mels­kir­chen. So klingt ein Wan­der­tag aus, der län­ger war als ein nor­ma­ler Arbeits­tag.

Dass For­ma­te wie die Ber­gi­schen 50 so einen Zulauf haben, über­rascht mich nicht. Die Ver­an­stal­tung war für 2026 bereits voll­stän­dig aus­ge­bucht, sowohl die 50‑­Ki­lo­me­ter- als auch die 25‑Kilometer‑Distanz. Kei­ne Nach­mel­dun­gen, kei­ne Start­platz­um­schrei­bun­gen mehr. Das zeigt, wie groß das Bedürf­nis nach Bewe­gung, Natur und per­sön­li­cher Her­aus­for­de­rung ist. Die Stre­cke bleibt über zwei Jah­re im Wesent­li­chen gleich, was vie­len Pla­nungs­si­cher­heit gibt. Wer möch­te, kann die 50 Kilo­me­ter auch im Team gehen, mit orga­ni­sier­tem Shut­tle-Ser­vice zum Wech­sel­punkt. Mor­gen am Sonn­tag den 26.04.20206 folgt mit der Ber­gi­schen 25 die kür­ze­re, aber nicht weni­ger reiz­vol­le Vari­an­te. Bei­de Tage ste­hen für das, was das Ber­gi­sche Land aus­macht: abwechs­lungs­rei­che Land­schaft, klei­ne Ort­schaf­ten, bekann­te und unbe­kann­te Wege, gute Orga­ni­sa­ti­on und Ver­pfle­gung – für Men­schen wie für Hun­de, die auf der Stre­cke will­kom­men sind.

Und dann sind da wie­der die Schu­he. Sie erzäh­len am Ende mehr als jede Sta­tis­tik. Von Kilo­me­tern, von Anstren­gung, von Durch­hal­ten. Von Momen­ten, in denen es läuft, und von denen, in denen man kurz zwei­felt, viel­leicht sogar hadert – und trotz­dem wei­ter­geht. Wan­der­schu­he nut­zen sich ab, wenn man sie benutzt. Das gilt übri­gens nicht nur für Schu­he, son­dern auch für uns Men­schen – im bes­ten Sin­ne. Wer regel­mä­ßig drau­ßen unter­wegs ist, wer sich bewusst for­dert und bereit ist, einen Schritt mehr zu gehen als sonst, wächst dabei über sich selbst hin­aus. Es geht nicht dar­um, Rekor­de zu bre­chen oder jeman­dem etwas zu bewei­sen, son­dern dar­um, etwas für sich selbst zu tun. Den eige­nen Kopf frei zu bekom­men, die eige­nen Gren­zen zu spü­ren und sie, Stück für Stück, zu ver­schie­ben. Müde Bei­ne, schmer­zen­de Füße gehö­ren dazu, genau­so wie Zwei­fel unter­wegs. Am Ende aber bleibt die­ser kla­re Kopf, eine stil­le Zufrie­den­heit und das stär­ken­de Gefühl, etwas geschafft zu haben – nicht für ande­re, son­dern für sich selbst.

Viel­leicht ist das die eigent­li­che Stär­ke sol­cher Ver­an­stal­tun­gen. Sie zei­gen, dass gro­ße Din­ge nicht fern lie­gen müs­sen. Sie begin­nen vor der Haus­tür. Auf Wegen, die wir ken­nen, und auf neu­en Abzwei­gun­gen, die wir noch nicht genom­men haben. Und manch­mal begin­nen sie ganz banal mit dem Gedan­ken: Die Schu­he hal­ten das schon aus. Und wenn nicht – dann war es das wert.

Fotos: Phil­ipp Scholz

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