Ein alter Weg wird neu

Von Chro­nik­zwerg Fand­orin Moos­bart

Heu­te zog es mich auf einen jener Pfa­de, die ich lan­ge gemie­den habe. Der Rund­weg von der Neu­emüh­le hin­auf am Schul­land­heim vor­bei, über Fin­ken­holl, zur Ber­ger Müh­le und jen­seits des Eif­gen­ba­ches zurück – ein schö­ner Weg, einst. Doch in den letz­ten Jah­ren war er mehr Prü­fung als Freu­de.

Manch Brück­lein lag schief oder zer­bro­chen, Gelän­der hat­ten sich dem Hang erge­ben, und das Was­ser sam­mel­te sich in tie­fen Pfüt­zen, als wol­le es den Wan­de­rer auf­hal­ten. Selbst ich, der ich kur­ze Bei­ne und einen lan­gen Atem habe, muss­te öfter umkeh­ren als mir lieb war.

Doch sie­he da: Die Din­ge haben sich gewan­delt.

Mit wachem Blick und fes­tem Schritt ging ich heu­te den­sel­ben Weg – und erkann­te ihn kaum wie­der. Die Über­gän­ge sind geflickt, wo einst mor­sche Plan­ken lagen. Gelän­der ste­hen wie­der fest an ihrem Platz, und das Was­ser hat neue Bah­nen gefun­den, fern­ab der Trit­te. Der Pfad ist frei, als hät­te jemand ihm den alten Geist zurück­ge­ge­ben.

Es sind kei­ne gro­ßen Wor­te, die hier nötig sind. Aber ehr­li­che:
Wer immer dort Hand ange­legt hat – er hat mehr getan, als Holz zu rich­ten und Gestrüpp zu schnei­den. Er hat einen Weg wie­der begeh­bar gemacht, der vie­len am Her­zen liegt.

Und so zie­he ich mei­ne Müt­ze, tief und mit Respekt.

Möge der Pfad nun wie­der vie­le Schrit­te tra­gen – von Zwer­gen, Men­schen und all jenen, die wis­sen, dass ein guter Weg ein klei­nes Stück Hei­mat ist.

Fotos: Fand­orin Moos­bart

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