Vom Probewochenende des musikalischen Nachwuchses in Dabringhausen
Wenn man an einem Freitagnachmittag im April durch Dabringhausen läuft, rechnet man mit vielem: fröhlichen Spaziergängern, Kindern auf Fahrrädern, vielleicht dem ersten Grillduft des Jahres. Was man nicht unbedingt erwartet: rund siebzig Menschen, verteilt auf alle Altersgruppen, die gemeinsam aufbrechen, um Musik zu machen. Und doch war genau das der Auftakt zu einem Wochenende, das für viele weit mehr ist als nur eine intensive Probephase. Es ist ein lebendiges Zeichen dafür, was ehrenamtliches Engagement, Gemeinschaft und Musik im besten Sinne bewirken können.
Vom 17. bis 19. April 2026 findet das Probewochenende des Nachwuchses vom Blasorchester Dabringhausen statt – mitten im Ort, naja OK im Gut Alte Heide das ist eher am Dorfrand aber vor Limmringhausen. Eine wunderbare Location, die wie gemacht dafür ist, Stimmen, Instrumente, Lachen und Gespräche aufzunehmen. Schon beim Ankommen, als professionell gebuchter Kuchenbringer und Hobby-Reporter, spürbar: Das hier ist kein Pflichtprogramm, kein Termin im Kalender, den man „abarbeitet“. Das hier ist Herzblut.
Musik als Einstieg ins Miteinander
Besonders deutlich wurde das bei der Bläser-AG des vierten Schuljahres. Fünfzehn Kinder waren an diesem Wochenende dabei – für viele von ihnen der erste bewusste Schritt hinein in die Welt der Musik. Wer einmal gesehen hat, mit wie viel Konzentration, Stolz und manchmal auch Nervosität Kinder ihr erstes Blasinstrument oder das Schlagzeug in die Hand nehmen, der versteht schnell: Musikpädagogik ist weit mehr als das Vermitteln von Noten.
Was diese Bläser-AG so besonders macht, ist der Ansatz, von Anfang an gemeinsam zu musizieren. Kein isoliertes Üben im stillen Kämmerlein, sondern früh das Gefühl: Ich bin Teil eines Ganzen. Das schult nicht nur Gehör und Rhythmus, sondern vor allem das soziale Miteinander. In Kooperation mit der Dhünntalschule entsteht hier ein niedrigschwelliger Zugang zu Musik – mit regelmäßigen Proben, kleinen Auftritten und der Erfahrung, dass Lernen gemeinsam mehr Freude macht.
Wachsen ohne Druck
Direkt daran knüpft das Schülerorchester an, in dem an diesem Wochenende zwölf junge Musikerinnen und Musiker dabei waren. Man merkt schnell: Hier geht es um Entwicklung ohne Leistungsdruck. Nach der Bläserklasse sammeln die Kinder erste echte Orchestererfahrungen, lernen zuzuhören, Einsätze zu finden, aufeinander zu reagieren. Kleine Auftritte gehören dazu, aber immer mit dem Fokus auf Spaß und Teamgeist.
Gerade in einer Zeit, in der Kinder und Jugendliche oft fremdbestimmt wirken – durch Schule, Termine, Leistungsanforderungen – ist es wohltuend zu sehen, wie sie hier spielerisch wachsen dürfen. Fehler sind erlaubt, Wiederholungen selbstverständlich. Und Fortschritte stellen sich fast unbemerkt ein.
Der nächste Schritt – und der Blick nach vorne
Mit siebzehn Teilnehmenden war das Jugendorchester stark vertreten. Hier wird es anspruchsvoller, musikalisch wie menschlich. Wer diesen Schritt geht, bringt bereits Erfahrung mit – und genau hier beginnt die gezielte Vorbereitung auf das Hauptorchester. Aber auch hier gilt: Niemand wird allein gelassen.
Was mich besonders beeindruckt: Wie selbstverständlich die Jüngeren zu den Älteren aufschauen dürfen. Wie Fragen gestellt werden können. Wie musikalisches Können weitergegeben wird, ohne elitär zu sein. Das Jugendorchester ist kein abgeschotteter Raum, sondern Teil eines großen Ganzen.
Old Stars – ein starkes Zeichen
Und dann sind da noch die Old Stars. Vierzehn Erwachsene, die beweisen, dass Musik wirklich kein Alter kennt. Manche steigen nach Jahren oder Jahrzehnten Pause wieder ein, andere erfüllen sich endlich einen alten Wunsch. Was sie verbindet, ist die Freude am gemeinsamen Musizieren – ganz ohne Leistungsdruck.
In einer Gesellschaft, in der vieles nach Effizienz, Tempo und Vergleichbarkeit bewertet wird, setzen die Old Stars ein starkes Zeichen: Es ist nie zu spät, etwas Neues zu beginnen oder etwas Verlorenes wiederzufinden. Musik wird hier nicht zum Maßstab, sondern zum Medium für Begegnung.
Ein Wochenende als Gemeinschaftsprojekt
Gemeinsam musizieren, individuell fördern, Freundschaften knüpfen, Teamarbeit erleben, Rhythmusgefühl entwickeln, musikalisch wachsen – und dabei einfach Spaß haben. Dieses Motto zieht sich durch das gesamte Wochenende. Und es bleibt nicht bei Worten.
Der Ablauf ist dicht, aber nie überfrachtet. Am Freitag startete alles mit einer Wanderung samt Schnitzeljagd ab der Mehrzweckhalle. Alle Musikerinnen und Musiker, dazu zahlreiche Helferinnen und Helfer – ein lebendiger Auftakt, der das Eis brach und Generationen ins Gespräch brachte.
Es folgten intensive Proben: in Registern, kleinen Ensembles und schließlich mit allen zusammen. Wenn man bedenkt, dass inklusive Helfern fast siebzig Menschen beteiligt waren, wird deutlich, welche organisatorische Leistung dahintersteckt. Und doch wirkte nichts hektisch. Alle lernten voneinander, lachten miteinander, wuchsen zusammen.
Die Abende waren gefüllt mit Musik, Spiel und Gemeinschaft. Kein starrer Ablauf, sondern Raum für Begegnung. Wer dabei war, weiß: Genau diese Momente bleiben hängen.
Bewegung, Begegnung, Blick über den Tellerrand
Der Samstag begann früh – sehr früh. Um 7:00 Uhr stand gemeinsamer Frühsport auf dem Programm. Eine Joggingeinheit für alle, auf die sich der Leiter Ralf von Tegelen jedes Jahr ganz besonders freut. Was vielleicht nach sportlicher Disziplin klingt, entpuppte sich als verbindendes Ritual. Danach folgte ein Marschiertraining mit allen Altersgruppen. Der Spaß war garantiert – und die Bilder, die dabei entstanden, sprechen für sich.
Ein besonderes Highlight wird der Besuch des THW mit seiner Jugendabteilung und einem LKW. Eine Vorführung, die nicht nur beeindruckt, sondern auch zeigte, wie wichtig Vernetzung und gegenseitiges Interesse zwischen Vereinen und Organisationen sind. Solche Begegnungen öffnen Horizonte – gerade für junge Menschen. Da meine Tochter in beiden Organisationen in der Jugend engagiert mitmacht werde ich in einem meiner nächsten Artikel auch mal auf das THW und seine Jugend eingehen!
Im Laufe des Tages kommen immer mehr Tagesgäste hinzu. Die Räume füllen sich, Stimmen mischten sich, das Wochenende gewinnt weiter an Dynamik. Auch der Dirigent des großen Orchesters, Peter Wuttke, schaut vorbei. Sein Besuch hat Symbolkraft: Er schlägt die Brücke zwischen Jung und Alt, zwischen Nachwuchs und Hauptorchester. Genau solche Momente machen deutlich, dass Nachwuchsarbeit kein isoliertes Projekt ist, sondern Teil einer lebendigen Vereinsstruktur.
Engagement mit Herz und Haltung
Dass dieses Wochenende so gelingen konnte, ist kein Zufall. Ralf von Tegelen ist mit Recht stolz auf diese Tradition. Gemeinsam mit Steffi Groß hat er über Wochen hinweg alles akribisch geplant und vorbereitet. Man spürt bei beiden: Hier wird Musik nicht nur unterrichtet, sondern gelebt.
Was mich persönlich besonders beeindruckt: die Haltung, mit der sie arbeiten. Kindgerecht, wertschätzend, individuell. Jedes Kind, jeder Teenager, jede erwachsene Teilnehmerin bekommt Aufmerksamkeit. Ralf von Tegelen, selbst Profimusiker, und Steffi Groß, Jugendleiterin und zugleich Vorsitzende des Blasorchesters Dabringhausen, ergänzen sich dabei auf eine Weise, die selten geworden ist. Beruf wird hier wirklich zur Berufung.
Diese Kombination aus Fachlichkeit, Menschlichkeit und einer guten Portion „positivem Verrücktsein“ ist vielleicht das größte Pfund dieses Probewochenendes. Sie zeigt, was möglich ist, wenn Verantwortung übernommen wird – nicht aus Pflichtgefühl, sondern aus Überzeugung.
Der Ton der hängen bleibt
Am Ende dieses Wochenendes steht mehr als die Vorbereitung auf das Open Air im Park am 11. Juli 2026. Es bleibt das Gefühl, Teil von etwas Sinnvollem gewesen zu sein. Es bleibt der Blick auf junge Menschen, die mit leuchtenden Augen ihre Instrumente tragen. Es bleibt die Gewissheit, dass Gemeinschaft funktioniert, wenn man sie lebt.
Alle Beteiligten sind auf dem Gruppenbild festgehalten – liegend auch Steffi Groß und Ralf von Tegelen. Ein schönes, fast symbolisches Bild: Menschen, die sich sprichwörtlich für den Nachwuchs hinlegen.
Vielleicht ist das die eigentliche Botschaft dieses Wochenendes. Dass es Vereine, Orte und Menschen braucht, die bereit sind, Zeit, Energie und Herz zu investieren. Für Musik. Für Gemeinschaft. Für die nächste Generation. Für mich das Sinnbild für LOVE YOUR DORF
Foto: Philipp Scholz


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