Kulturpolitik vor Ort
Der Ausschuss für Kultur, Freizeit und Tourismus der Stadt Wermelskirchen befasst sich mit Fragen, die das gesellschaftliche Leben der Stadt unmittelbar prägen. Im Mittelpunkt stehen kulturelle Veranstaltungen, die Arbeit von Vereinen und Initiativen, Freizeitangebote sowie die Rolle von Kultur für Lebensqualität, Begegnung und Identität.
Die Ausschussarbeit ist dabei weniger von großen Projekten geprägt als von der Aufgabe, bestehende Angebote zu sichern und weiterzuentwickeln – oft unter engen finanziellen Rahmenbedingungen. Eine zentrale Rolle spielt das Ehrenamt, das einen Großteil des kulturellen Lebens in Wermelskirchen trägt. Aktuelle Themen wie die Zukunft der Musikschule oder die Zusammenarbeit mit regionalen Partnern zeigen, wie sehr Kulturpolitik auf kommunaler Ebene von Abwägungen und Kooperationen bestimmt wird.
Vorsitzender des Ausschusses ist Oliver Platt, 57 Jahre alt, gebürtiger Wermelskirchener, verheiratet und Vater von drei Kindern. Der Bäckermeister ist seit 42 Jahren bei der Bäckerei Evertzberg tätig, seit 2018 als Geschäftsführer. Politisch engagiert er sich seit 2009 beim Bürgerforum, ist seit 16 Jahren Mitglied des Rates der Stadt Wermelskirchen, seit zehn Jahren Fraktionsvorsitzender und seit fünf Jahren Vorsitzender dieses Ausschusses.
Im folgenden Interview spricht Oliver Platt darüber, welche Rolle Kulturpolitik in Wermelskirchen spielt, vor welchen Herausforderungen der Ausschuss steht und warum kulturelles Engagement ohne Ehrenamt nicht denkbar ist
Forum: Sie beschreiben Kulturpolitik als Teil der Identität und Lebensqualität einer Stadt. Welche Bedeutung hat Kulturpolitik aus Ihrer Sicht konkret für eine Stadt wie Wermelskirchen?
(O. Platt): Kulturpolitik ist für eine Stadt wie Wermelskirchen ein wichtiger Bestandteil der kommunalen Identität und Lebensqualität. Sie trägt dazu bei, das Stadtleben lebendig zu halten, Begegnungen zu ermöglichen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. Gerade in einer mittelgroßen Stadt ist Kulturpolitik weniger Prestigeprojekt als vielmehr ein Instrument, um Teilhabe zu fördern, lokale Akteure zu unterstützen und das Gemeinschaftsgefühl zu stärken.
Forum: Wenn Kulturpolitik vor allem Teilhabe, Begegnung und das Gemeinschaftsgefühl stärken soll: Welche Themen und Projekte prägen aktuell die praktische Arbeit Ihres Ausschusses?

(O. Platt): Die Arbeit des Ausschusses ist geprägt von einer Mischung aus Bewahrung bestehender Angebote. Dazu zählen unter anderem die Unterstützung kultureller Veranstaltungen, die Arbeit von Vereinen und Initiativen, Fragen der Nutzung und Weiterentwicklung städtischer Räume sowie die Verzahnung von Kultur, Freizeit und Tourismus. Auch Themen wie Ehrenamt, Nachwuchsförderung und die Sichtbarkeit kultureller Angebote spielen eine zentrale Rolle. Nachdem es uns in der letzten Wahlperiode gelungen ist, die Kulturelle Kooperation mit der Stadt Burscheid hinzubekommen, haben wir aber auch zusätzlich ein sehr wichtiges und aktuelles Thema bekommen, was noch in diesem Jahr innerhalb unseres Ausschusses bearbeitet und beschlossen werden muss.
Es geht um die Zukunftssicherung der Musikschule, die durch das Herrenbergurteil nur noch bis Ende diesen Jahres gesichert ihren Betrieb aufrechterhalten kann. Hier werden wir Lösungen erarbeiten müssen, was eine große Herausforderung sein wird und wo unser Ausschuss gefragt sein wird.
Forum: Sie sprechen dabei sowohl von bestehenden Angeboten als auch von großen aktuellen Herausforderungen wie der Zukunft der Musikschule. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Nach welchen Kriterien wird eigentlich entschieden, welche kulturellen Angebote durch die Stadt gefördert werden?
(O. Platt): Bei dieser Frage zeigt sich in meiner Antwort das große Dilemma in der die Kommunalpolitik festhängt. Jede Förderungen der Stadt, lassen sich nur über die freiwilligen Leistungen im Haushalt darstellen. Und weil dort kein Spielraum ist, kommt da auch von Seiten der Stadt nicht wirklich Bahnbrechendes. Nur wenn es Fördertöpfe aus Bund oder Land gibt, profitieren Vereine. Dabei gesetzt ist die finanzielle Unterstützung des Kulturbereiches der Katt, sowie die Stadtbücherei und in Teilen noch in diesem Jahr die Musikschule. Für diese drei aufgezeigten Institutionen, ist auch der Kulturausschuss zuständig, hier werden in Teilen oder auch komplett die Finanzierung durch die Stadt gesichert.
Forum: Sie machen deutlich, dass finanzielle Spielräume eng sind und viele Angebote von externen Förderungen abhängen. Unabhängig davon: Welche Rolle spielen Freizeit- und Kulturangebote insgesamt für die Attraktivität Wermelskirchens als Stadt?
(O. Platt): Freizeit- und Kulturangebote sind ein entscheidender Standortfaktor. Sie beeinflussen, wie lebenswert eine Stadt wahrgenommen wird – sowohl von den Menschen, die hier leben, als auch von Gästen oder potenziellen Neubürgerinnen und Neubürgern. Ein vielfältiges Angebot steigert die Aufenthaltsqualität, fördert soziale Kontakte und stärkt die Bindung an die Stadt.
Forum: Wenn Kultur ein wichtiger Standortfaktor ist, zugleich aber finanzielle Grenzen bestehen: Wie kann es gelingen, kulturelle Vielfalt in Wermelskirchen trotzdem dauerhaft zu sichern?
(O. Platt): Kulturelle Vielfalt lässt sich vor allem durch Kooperation, Kreativität und Engagement sichern. Die Zusammenarbeit mit Vereinen, Initiativen, Ehrenamtlichen und regionalen Partnern ist dabei entscheidend (Zusammenarbeit mit Burscheid). Aber hier muss allen klar sein, ohne Ehrenamt geht hier gar nichts. Wir haben hier in Wermelskirchen so viele engagierte Ehrenamtler, die Wermelskirchen zur Kulturellen Hauptstadt im Bergischen Land macht.
Forum: Sie betonen dabei besonders die Bedeutung des Ehrenamts. Abschließend gefragt: Was macht Wermelskirchen aus kultureller Sicht besonders – und wo liegen aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen für die Zukunft?
(O. Platt): Besonders an Wermelskirchen ist die starke Rolle des Ehrenamts und der lokalen Initiativen, die das kulturelle Leben maßgeblich prägen. Die Herausforderung besteht darin, diese Vielfalt langfristig zu sichern, neue Zielgruppen zu erreichen und gleichzeitig mit begrenzten finanziellen und räumlichen Ressourcen umzugehen. Gerade darin liegt aber auch eine Chance: Kultur kann hier sehr nah an den Menschen gestaltet werde
Vielen Dank für das Gespräch.
Fotos: Klaus Ulinski / Oliver Platt


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