Uns erreichte heute diese Nachricht, dass in Wermelskirchen drei neue Stolpersteine verlegt werden.
- Elfriede Hupperts und ihre Familie leisteten den Nazis Widerstand
- Martha Wurmnest wurde in vier Jahren viermal verhaftet
Am 12 März ab 14:00 Uhr werden in Wermelskirchen drei neue Stolpersteine verlegt. Damit steigt die Zahl der Stolpersteine in Wermelskirchen auf nun 14. Die quadratischen Gedenktafeln aus Messing des Künstlers Gunter Demnig werden an den Orten verlegt, an denen Opfer des Nationalsozialismus gelebt haben.
Zunächst werden zwei Stolpersteine in der Grüne Straße 65 für das Ehepaar Hupperts verlegt. Die 1903 geborene Elfriede Gesink kam als Hausangestellte der Familie Otto Brosius nach Wermelskirchen. Für deren Sohn Friedrich Brosius wurde bereits am 17. Mai 2002 der erste Stolperstein in Wermelskirchen verlegt. Elfriede heiratete 1929 Heinrich Hupperts, einen aus Solingen stammenden Freund der Familie Brosius.

Heinrich Hupperts (1888–1956) wurde wegen seiner religiösen Überzeugung als Zeuge Jehovas bereits 1934 von seinem Remscheider Arbeitgeber, der Licht und Kraftwerk GmbH, entlassen. Da Jehovas Zeugen bereits seit 1933 verboten waren, wurde er schließlich im Februar 1937 verhaftet, misshandelt und in Dortmund inhaftiert. Am 16. Juni 1937 verurteilte ihn das Sondergericht Hamm zu sieben Monaten Haft. Einen Monat später wurde er in das Straflager Börgermoor im Emsland überführt. Dort mussten die Gefangenen bis zu zwölf Stunden täglich unter unmenschlichen Bedingungen Torf stechen.
Auch zwei Geschwister von Elfriede Hupperts, Heinrich und Johanne Gesink, waren bereits im August 1935 in Remscheid inhaftiert worden und später in verschiedene Konzentrationslager gebracht worden. Dennoch hielt Elfriede Hupperts an ihrem Glauben fest. Von der aus Solingen stammenden Mathilde Hengeveld erhielt sie mehrmals illegal hergestellte Ausgaben der Zeitschrift „Der Wachtturm“. Deren Inhalt wurde von den Nazis als „den Willen des deutschen Volkes zur wehrhaften Selbstbehauptung“ lähmend eingestuft. Mathilde und ihr Ehemann Wilhelm Hengeveld wurden daher im August 1944 wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilt und einige Monate später hingerichtet.
Nun geriet auch Elfriede Hupperts, Mutter zweier kleiner Mädchen, in das Visier der Nazis: Sie wurde am 2. Juni 1944 in Wermelskirchen verhaftet und in das Remscheider Gefängnis gebracht. Am 15. Dezember 1944 verurteilte sie das Oberlandesgericht Hamm zu 3 Jahren Zuchthaus. Drei Tage später wurde sie zusammen mit Mathilde Hengeveld nach Berlin transportiert. Während Mathilde dort in Plötzensee enthauptet wurde, wurde Elfriede in das Zuchthaus Cottbus überführt. Der Mutter beraubt, starb ihre achtjährige Tochter Hanna am gleichen Tag. Gefesselt konnte Elfriede Hupperts an der Beerdigung ihrer Tochter teilnehmen und wurde anschließend bis Kriegsende in Leipzig-Kleinmeusdorf inhaftiert. Nach ihrer Rückkehr nach Wermelskirchen blieb Elfriede Hupperts bis zu ihrem Tod im Januar 1992 ein aktives Mitglied der hiesigen Gemeinde der Zeugen Jehovas.
Der dritte Stolperstein wird anschließend in der Friedenstraße 23 für die 1887 geborene Martha Wurmnest verlegt. Sie nahm bereits 1923 den Glauben der Bibelforscher an, wie Jehovas Zeugen bis 1931 genannt wurden. Ihr Wohnhaus diente den Gläubigen jahrelang als Zusammenkunftsort. Zusammen mit Anna Siebel und Else Brosius verbreitete sie im Februar 1935 von Haus zu Haus Bibeln. Dafür wurde sie am 15. Oktober 1935 in einem Verfahren gegen neun Zeugen Jehovas in Düsseldorf zu einer Haftstrafe von zwei Monaten verurteilt, die sie in Düsseldorf und Wuppertal verbüßte. Weil alle Angeklagten sich im Gerichtssaal weigerten mit „Heil Hitler“ zu grüßen, erhielten sie einen zusätzlichen Tag Haft.

Martha Wurmnest und Martha Kottner (für die eine Stolperstein in Dresden liegt; Foto: Privatbesitz).
Nachdem Friedrich Brosius 1937 in Wermelskirchen verhaftet und in das KZ Buchenwald überführt worden war, geriet Martha Wurmnest am 23. November 1937 erneut in das Fadenkreuz der NS. Insgesamt zehnmal durchsuchte die Gestapo ihr Wohnhaus. Nachdem bekannt wurde, dass sie vier Ausgaben der Zeitschrift „Der Wachtturm“ erhalten hatte, wurde sie am 27. Mai 1938 erneut verhaftet und am 12. August 1938 vom Sondergericht Düsseldorf erneut verurteilt. Bis Anfang 1939 blieb sie in einer unbeheizten Zelle in der Strafanstalt Anrath in Haft. In einem Strohsack musste sie auf dem eiskalten Steinboden schlafen und zog sich bleibende Gesundheitsschäden zu.
Wenige Wochen nach der Haftentlassung wurde Martha Wurmnest zum vierten Mal verhaftet. Diesmal erreichte ein Verwandter, der der SA angehörte, dass aufgrund ihres Alters von einer erneuten Inhaftierung abgesehen wurde. Martha Wurmnest lebte bis zu ihrem Tod im Jahr 1956 nach der Überzeugung, die sie 1938 zu Protokoll gab: „Die Bibel sagt: „Niemand kann zwei Herren dienen“, aus diesem Grunde habe ich nie gewählt und wende auch grundsätzlich den „Deutschen-Gruß“ nicht an. […] Da ich auf Jehova einen Eid geleistet habe, und diesen auch niemals brechen werde, muss ich mich also hiermit als Zeuge Jehovas bekennen.“
Zu den Stolpersteinverlegungen werden auch Angehörige der Familie Hupperts erwartet. Auch Bürgermeister Bernd Hibst hat sein Kommen angekündigt, sowie Iris Metzler, vom Verein Bergische Zeitgeschichte e.V., der die Stolpersteine finanziert hat und der Autor T. Martin Krüger, der die Lebensgeschichte von Martha Wurmnest und des Ehepaars Hupperts in seinem Buch „Eine Bibel schön und groß, haben sie gefunden, diese Sünde denkt euch bloß, kostet viele Arbeitsstunden“ rekonstruiert hat.
Text: T. Martin Krüger / Fotos: Privatbesitz


Schreibe einen Kommentar