Bahndamm Wermelskirchen – Eine Chronik in 12 Teilen (Abschluss)

Abschluss: Der Bahndamm heute – 35 Jahre später

35 Jah­re nach der Über­nah­me des Bahn­damms zeigt sich deut­li­cher denn je, wie sehr die­ser Ort nicht nur Geschich­te geschrie­ben hat, son­dern bis heu­te ein leben­di­ger Teil des kul­tu­rel­len und sozia­len Lebens in Wer­mels­kir­chen ist. Vie­les hat sich ver­än­dert, doch das Ent­schei­den­de ist geblie­ben: Der Bahn­damm ist ein Frei­raum, der von Men­schen getra­gen wird, die ihn nicht nur nut­zen, son­dern aktiv gestal­ten.

Kooperation statt Konflikt – die Stadt und der Bahndamm heute

Wäh­rend die frü­hen Jah­re oft von poli­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen, dro­hen­den Schlie­ßun­gen und Impro­vi­sa­ti­on geprägt waren, hat sich das Ver­hält­nis zwi­schen Stadt und Ver­ein inzwi­schen grund­le­gend gewan­delt.

Das Gebäu­de gehört wei­ter­hin der Stadt – und die Zusam­men­ar­beit funk­tio­niert heu­te über­ra­schend gut. Wenn Inves­ti­tio­nen not­wen­dig sind, etwa beim Brand­schutz oder der tech­ni­schen Sicher­heit, reagiert die Stadt zuver­läs­sig. Nicht immer schnell – denn auch hier gel­ten Haus­halts­gren­zen und Prio­ri­tä­ten. Aber im Rah­men der gesetz­li­chen Vor­ga­ben und tech­ni­schen Not­wen­dig­kei­ten wird gehan­delt. Und das Ergeb­nis kann sich sehen las­sen.

Ein beson­ders sicht­ba­res Bei­spiel ist die kom­plet­te Dach­sa­nie­rung, die erst kürz­lich abge­schlos­sen wur­de. Was in den 90ern mit ers­ten Trop­fen begann, war zuletzt ein Dau­er­pro­blem. Über Jah­re mel­de­te der Ver­ein immer wie­der Schä­den, behelfs­mä­ßig repa­riert von befreun­de­ten Dach­de­ckern – irgend­wann war klar: Das gan­ze Dach muss neu. Nach lan­gem Dran­blei­ben und viel Geduld hat die Stadt schließ­lich den kom­plet­ten Neu­auf­bau beschlos­sen. Mit Däm­mung, neu­er Kon­struk­ti­on und moder­ner Aus­füh­rung ist das Gebäu­de heu­te bes­ser geschützt als je zuvor – und wahr­schein­lich sin­ken künf­tig sogar die Heiz­kos­ten.

Die geplan­te Sanie­rung der alten Toi­let­ten muss­te zunächst aus Kos­ten­grün­den ver­scho­ben wer­den, folgt aber direkt Anfang kom­men­den Jah­res (2026). Auch hier zeigt sich: Die Stadt arbei­tet mit – und der Ver­ein bleibt hart­nä­ckig, wenn es nötig ist.

Was der Verein selbst leistet

Neben städ­ti­schen Maß­nah­men steckt im Bahn­damm aber vor allem ehren­amt­li­che Arbeit. Der Ver­ein finan­ziert aus Mit­glieds­bei­trä­gen, Spen­den und Über­schüs­sen der Ver­an­stal­tun­gen immer wie­der Pro­jek­te selbst. Vor zwei Jah­ren wur­den bei­spiels­wei­se die Fens­ter im Erd­ge­schoss kom­plett erneu­ert – mit Hil­fe loka­ler Fir­men, die das Pro­jekt mit fai­ren Prei­sen und viel Enga­ge­ment unter­stützt haben.

Auch Ver­an­stal­tungs­tech­nik, Aus­stat­tung und ganz pro­fa­ne Din­ge wie ein neu­er Dart­au­to­mat wer­den aus eige­nen Mit­teln bezahlt. Hier zeigt sich das, was den Bahn­damm seit Jahr­zehn­ten prägt: DIY-Kul­tur, Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on und ein Netz­werk aus Men­schen, die den Ort lie­ben.

Ein Freiraum für Subkultur – damals wie heute

Ob Punk, Hard­core, Hip-Hop, Metal, Reg­gae oder expe­ri­men­tel­le Pro­jek­te – die musi­ka­li­sche Aus­rich­tung bleibt viel­fäl­tig. Sie wan­delt sich mit den Men­schen, die Ver­an­stal­tun­gen orga­ni­sie­ren. Nie­mand bekommt hier ein fer­ti­ges Pro­gramm ser­viert. Wer etwas machen will, kann mon­tags vor­bei­kom­men, Ideen ein­brin­gen, Ver­an­stal­tun­gen pla­nen, an Tech­nik, The­ke oder Orga­ni­sa­ti­on ler­nen – oder ein­fach zum Hören und Mit­ge­stal­ten vor­bei­kom­men.

Die­se Offen­heit ist einer der Grün­de, war­um der Bahn­damm bis heu­te für vie­le eine Art zwei­tes Zuhau­se gewor­den ist.

Klare Haltung – gegen Rechts, für Vielfalt

Der Bahn­damm ist seit sei­nen frü­hen Tagen poli­tisch. Nicht par­tei­po­li­tisch, aber wer­te­ba­siert.

Eine Sache hat sich in 35 Jah­ren nie geän­dert: eine kla­re Hal­tung gegen Rechts.
Der Ver­ein enga­giert sich bis heu­te gegen Ras­sis­mus, Natio­na­lis­mus und rech­te Grup­pen. Er arbei­tet mit Initia­ti­ven wie Wer­mels­kir­chen gegen Rechts zusam­men, unter­stützt Demons­tra­tio­nen und bie­tet Raum für Tref­fen und Kul­tur­ver­an­stal­tun­gen, die sich für eine offe­ne Gesell­schaft ein­set­zen.

Warum der Bahndamm Wermelskirchen braucht – und umgekehrt

Viel­leicht ist das Wich­tigs­te, was man über den heu­ti­gen Bahn­damm wis­sen soll­te: Wenn es ihn nicht gäbe, wür­de etwas feh­len, das sich nicht erset­zen lässt.

Ein Treff­punkt jen­seits von Kom­merz und Main­stream.
Ein Ort, an dem jun­ge Men­schen ler­nen kön­nen, wie man orga­ni­siert, Ver­ant­wor­tung über­nimmt, Kul­tur schafft.
Ein Stück Stadt­ge­schich­te, das nicht im Muse­um steht, son­dern wei­ter­lebt.

Und: Ohne die Men­schen dar­in wäre das Gebäu­de wahr­schein­lich längst ver­schwun­den oder einem ande­ren Zweck gewi­chen. Statt­des­sen ist es heu­te ein Bei­spiel dafür, wie ehren­amt­li­ches Enga­ge­ment und kom­mu­na­le Unter­stüt­zung gemein­sam funk­tio­nie­ren kön­nen.

Ausblick

Die nächs­ten Jahr­zehn­te wer­den ruhi­ger – oder wil­der. Struk­tu­rier­ter – oder impro­vi­sier­ter. Wahr­schein­lich alles gleich­zei­tig. Aber eines ist sicher: Solan­ge Men­schen bereit sind, Zeit und Herz­blut zu inves­tie­ren, wird der Bahn­damm ein Ort blei­ben, der Wer­mels­kir­chen leben­di­ger macht.

Die Geschich­te ist nicht zu Ende erzählt.
Sie wird jeden Mitt­woch, jeden Kon­zert­abend, bei jedem neu­en Gesicht, das zum ers­ten Mal durch die Tür kommt, wei­ter­ge­schrie­ben.

Die Geschich­te des Bahn­damms ist umfang­rei­cher, als sie in die­ser Serie erzählt wer­den konn­te. Zahl­rei­che Details, Kon­flik­te und Per­so­nen wür­den eine eige­ne Dar­stel­lung ver­die­nen.

Vorläufiges Ende

Bil­der: Jugend­in­itia­ti­ve Wer­mels­kir­chen e. V. / AJZ Bahn­damm und Lutz Bal­schu­weit

Tei­le der Bahn­damm Chro­nik:

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