Teil 1 von 12 + 1
Der Bahndamm existiert inzwischen seit 35 Jahren.
Für viele ist er einfach „der Bahndamm“. Für andere ein Stück Jugend, ein Ort der ersten Konzerte, der ersten politischen Debatten oder schlicht ein Raum, in dem man sein durfte, wie man war.
Aus diesem Anlass veröffentliche ich im Forum Wermelskirchen noch einmal die Geschichte des Bahndamms – nicht neu erfunden, sondern auf Grundlage der vorhandenen Chronik „Bahndamm Wermelskirchen – Eine Chronik“. Dieses umfangreiche Dokument ist über viele Jahre hinweg entstanden und versammelt Berichte, Interviews, Erinnerungen und Perspektiven unterschiedlichster Beteiligter.
Die Chronik ist bewusst subjektiv, manchmal widersprüchlich und an manchen Stellen fragmentarisch. Genau darin liegt ihr Wert. Sie erzählt keine glattgeschliffene Erfolgsgeschichte, sondern zeigt den Bahndamm als das, was er immer war: ein umkämpfter Ort, ein Experimentierraum, ein selbstverwaltetes Jugendzentrum, das gesellschaftliche Entwicklungen, Konflikte und Umbrüche widerspiegelt.
Für das Forum werden wir diese Geschichte in mehreren thematischen Teilen zusammenfassen und neu aufbereiten – lesbar, eingeordnet und mit Blick auf den historischen Kontext. Ziel ist es nicht, alles zu wiederholen, sondern die wesentlichen Stationen, Brüche und Entwicklungen nachvollziehbar zu machen.
Diese Serie richtet sich an alle, die den Bahndamm erlebt haben – und an diejenigen, die ihn nur vom Hörensagen kennen. Sie soll erinnern, erklären und einordnen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Warum der Bahndamm mehr war als ein Jugendzentrum
Als wir begannen, Material für diese Chronik zusammenzutragen, stolperten wir relativ schnell über eine scheinbar einfache Frage:
Wie alt ist der Bahndamm eigentlich?
20 Jahre, 19 Jahre, 29 Jahre – oder doch schon deutlich mehr?
Je nachdem, wo man den Anfang setzt, lassen sich unterschiedliche Jubiläen begründen. Für diese Chronik wurde das Jahr 1990 als Zäsur gewählt. Nicht, weil vorher nichts war, sondern weil in diesem Jahr ein entscheidender Schritt passierte: Der Bahndamm wurde selbstverwaltet übernommen – ohne Sozialarbeiter, ohne institutionelle Trägerschaft, aber mit einer klaren gemeinsamen Verantwortung.
Diese Entscheidung war kein spontaner Akt. Sie war das Ergebnis einer langen Entwicklung, die weit vor 1990 begann. Die Geschichte des Bahndamms ist eng verbunden mit den gesellschaftlichen Debatten der späten 1960er Jahre, mit alternativen Konzepten der Jugendarbeit, mit politischen Auseinandersetzungen und immer wieder mit der Frage, wie viel Freiraum Jugendliche in einer Stadt tatsächlich bekommen.
Der Bahndamm war nie nur ein Ort zum Abhängen. Er war Bühne, Treffpunkt, Schutzraum und Reibungsfläche zugleich. Hier trafen unterschiedliche Szenen aufeinander, hier entwickelten sich Subkulturen, hier wurden Konflikte ausgetragen – mit der Stadt, mit der Nachbarschaft, manchmal auch untereinander. Und immer wieder stand der Ort selbst infrage: als Provisorium, als Störfaktor oder als politisches Problem.
Gerade deshalb ist diese Geschichte keine glatte Erfolgserzählung. Sie besteht aus Brüchen, Neuanfängen, Rückschlägen und Improvisation. Viele der hier versammelten Texte, Interviews und Erinnerungen sind subjektiv geprägt. Unterschiedliche Wahrnehmungen stehen nebeneinander, manche Ereignisse werden verschieden erinnert, manches fehlt, anderes nimmt vielleicht mehr Raum ein, als es objektiv rechtfertigen würde. Das ist kein Mangel, sondern Teil der Geschichte.
Der Bahndamm wurde nicht geplant, er wurde gemacht. Von Jugendlichen, von Aktivisten, von Menschen, die den Anspruch hatten, ihre Freizeit, ihre Kultur und ihre politischen Vorstellungen selbst zu organisieren. Dass dieser Anspruch immer wieder auf Widerstand stieß, gehört ebenso dazu wie die Tatsache, dass der Ort über Jahrzehnte hinweg Bestand hatte.
Diese Chronik versucht nicht, alles zu erklären oder abschließend zu bewerten. Sie möchte nachvollziehbar machen, wie aus einer sozialen Gruppenarbeit ein selbstverwaltetes Jugendzentrum wurde – und warum dieser Weg konfliktreich, anstrengend, manchmal chaotisch, aber für viele prägend war.
Im nächsten Teil geht es an den Anfang:
zur Richter-Gruppe, zu den späten 1960er Jahren und zu der Frage, wie aus sozialer Gruppenarbeit die Idee eines autonomen Jugendzentrums entstehen konnte.
Bilder: Jugendinitiative Wermelskirchen e. V. / AJZ Bahndamm
Teile der Bahndamm Chronik:
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Bahndamm Wermelskirchen – Eine Chronik in 12 Teilen (1)
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Bahndamm Wermelskirchen – Eine Chronik in 12 Teilen (2)
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Bahndamm Wermelskirchen – Eine Chronik in 12 Teilen (3)
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Bahndamm Wermelskirchen – Eine Chronik in 12 Teilen (4)
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Bahndamm Wermelskirchen – Eine Chronik in 12 Teilen (5)
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Bahndamm Wermelskirchen – Eine Chronik in 12 Teilen (6)
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Bahndamm Wermelskirchen – Eine Chronik in 12 Teilen (7)
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Bahndamm Wermelskirchen – Eine Chronik in 12 Teilen (8)
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Bahndamm Wermelskirchen – Eine Chronik in 12 Teilen (9)
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Bahndamm Wermelskirchen – Eine Chronik in 12 Teilen (10)
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Bahndamm Wermelskirchen – Eine Chronik in 12 Teilen (11)


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