Ein Weg, viele Begegnungen, ein Dankeschön
Ein Reisebericht von einem Pilger aus Wermelskirchen
Folge 3
Jetzt bin ich auf dem Weg mit den Etappen 1 und 2.
Erste Etappe am 27.04.2017 von Saint-Jean-Pied-de-Port (1.553 EW) nach Roncesvalles (34 EW) Streckenlänge 27,0 km. Übernachtung im Kloster Roncesvalles 27,50 Euro (inkl. Menü und Frühstück).

Endlich ging es los, nach einer doch sehr unruhigen Nacht in einem Mehrbettzimmer, meine Mitschläfer waren unter anderem Südafrikaner und Australier. Das erste Pilger Frühstück, Kaffee, Weißbrot und Marmelade sowie Orangensaft sollte für die erste Stärkung sorgen. Mit am Tisch saßen Jutta, Günther und Werner und kamen aus dem Frankfurter Raum. Sehr überraschend für mich kam die Frage, ob ich nicht mit dem Taxi nach Orisson fahren würde. Auf die Frage warum, bekam ich zur Antwort, dass dies das steilste Stück sei. Dankend lehnte ich ab. Mit dem Taxi die erste Etappe…..nein, Danke. Um 7:00 Uhr ging es dann los, durch das Stadttor von Saint-Jean-Pied-de-Port auf der klassischen Napoleon Route nach Roncesvalles.
Nach einer Weile, vor und hinter mir, eine Vielzahl von Pilgern, keine Bange, das hat sich im Laufe des Tages alles verlaufen, jeder hat seine eigene Schrittfrequenz. Ein herrlicher Morgen und tolles Wetter, schöner konnte die Tour nicht beginnen. Und die Überquerung der Pyrenäen, der Wanderführer, verspricht ein einzigartiges Erlebnis.
In mir jubelt es….ich bin auf dem Weg. Der Weg steigt stetig an, über Huntto nach Orisson, beeindruckend und sehr schön, Panorama Ausblicke wie aus dem Bilderbuch, nach knappen 8 Kilometer mit ca. 600 Höhenmeter mache ich die erste Rast und nach einem Kaffee ging es weiter. Meine Güte, was für eine Anstrengung, ich machte immer wieder kleine kurze Pausen, Gertrud aus Zürich gab mir den Rat, kleine kurze Schritte zu machen. Ich bekam laufend Unterstützung von Mitpilgern, ein Däne, den Koreanern, um nur einige zu nennen. Hier habe ich auch Irene und Klaus kennengelernt, sie haben immer wieder auf mich gewartet oder auch aufgepasst..

Um ehrlich zu sein, war ich fix und fertig, ständig nach oben laufen und der schwere Rucksack.…ich hätte ihn verfluchen können. Aber keine Bange, der Körper hatte sich nach einigen Tagen an den Rucksack gewöhnt und es ging dann viel besser.

Es braucht halt Zeit und die ersten Tage, das Ungewohnte, alles Neuland für mich. Obwohl ich im Bergischen viel trainiert habe, sprich viele Wanderungen gemacht habe, hatte ich doch den Eindruck, alles richtig gemacht zu haben. Konditionell hat es ja gepasst, nur Berge und das Hochgehen war noch nie mein Ding.…also alles gut. Auf ca. 1.000 mtr habe ich warme Sachen angezogen, Mütze, Handschuhe und meine Regenjacke.
Es war sehr windig, frisch und kalt. Dann ging es von Frankreich nach Spanien, das Gebiet Navarra, der Grenzstein ist der Beleg dafür.
Auf der Passhöhe, in etwa 1.400 Höhe, kamen Schneeflocken dazu und in Roncesvalles hat es ab 17:00 Uhr heftig geschneit. Dann ging es ins Kloster, anmelden, Bett belegen, duschen, Wäsche waschen und das Pilgermenü zu sich nehmen. Danach waren wir alle ziemlich kaputt, es ging direkt ins Bett, im Schlafsaal waren etwa 100 Betten, zudem gab es in unserem Bereich 4 Duschen und 2 Toiletten. Ein wunderbarer aber harter Tag, Sonne, Wind, Kälte und Schnee. Der Einstieg ist geschafft….man sagt auch die erste Etappe ist die härteste.
Meine Gedanken konnte ich nicht zuordnen, durcheinander war ich, kaputt, müde und aufgeregt zugleich. Konnte ich überhaupt schlafen, Bett an Bett und Mensch an Mensch nebeneinander. Aber irgendwann hat es dann mit dem Einschlafen funktioniert .
Zweite Etappe 28.04.2017 Roncesvalles (34 EW) nach Larrasoana (143 EW) Streckenlänge 27,0 km. Übernachtung mit Menü, San Nicolas (priv.Herberge) 23,50 Euro. Bisherige Gesamtkilometer 54,0.

Geweckt wurden wir um Punkt 6.00 Uhr von einem Hospitiero und Gitarrenmusik. Er ging durch alle Schlafräume und gab sein Bestes, alle Pilger zu wecken. Nach dem Aufstehen verspürte ich keine Schmerzen und keinen Muskelkater, einfach topfit. Im Waschraum waren schon Koreaner und machten sich fertig, das Zähneputzen bei denen dauerte endlos lange, ich dachte schon die putzen sich wund.
Nach dem Frühstück, Jacke an, Rucksack umhängen und es ging los bei ca plus 5 Grad Celsius. Nach der anstrengenden ersten Etappe ging es jetzt leichter: ein herrlicher Morgen, tolles Wetter, Sonnenschein und mein Geburtstag. Gut geschlafen habe ich und es ging mir wesentlich besser, kein Vergleich zum Vortag.
Der Weg ging leicht, aber stetig bergab, schließlich kamen wir aus dem Gebirge. Das Wetter ist sehr angenehm, morgens noch frisch und tagsüber um die 14–16 Grad, ideales Wanderwetter. Zu schaffen macht mir nur der Rucksack, es ist noch ungewohnt; irgendwann wird es besser werden. Na ja, so ist das bei den Pilgern, jeder hat seine Last zu tragen, der eine mehr, der andere weniger. Irene und Klaus hatten wohl mitbekommen dass ich Geburtstag habe und besorgten heimlich in einem Supermarkt Kuchen und Kerzen. Die Supermärkte in den Dörfern sind kleinere Wohnzimmer und man bekommt fast alles. Beeindruckend wie ich finde und eine Zeitreise in meine Jugend, Tante Emma Läden. Irene und Klaus, die ich eingangs vergessen habe zu erwähnen, sind Vater und Tochter. In einer Bar wurde dann Kaffee getrunken und man hat mich hochleben lassen. Die Pilger, die vorbeikamen, haben Happy Birthday in ihrer Landessprache gesungen, Australier, Kolumbianer, Südafrikaner, Koreaner…einfach Klasse, so etwas habe ich noch nicht erlebt.
Zwischendurch ging das Telefon, meine Liebsten, Geschwister und Freunde haben mir
gratuliert, Gesundheit und einen guten Weg gewünscht.
Idyllisch ist das Pyrenäenvorland, der Weg schlängelt sich über Feldwege durch Wald- und Weideland. Links und rechts der Wege sehen wir Pferde die Glocken um den Hals haben, so wie bei uns die Kühe. Beeindruckend ist die Hilfsbereitschaft der Spanier, weicht man nur einen Schritt vom Camino ab, erfolgt sofort der Hinweis, dass man nicht mehr auf dem Camino ist. Und…… Wir sind alle sehr euphorisiert; warum? Wir sind auf dem Weg, ein Traum.
Am Wegesrand eine mobile Bar. Kurz anhalten, durchschnaufen, etwas trinken, unterhalten und dann geht es weiter. Eine große Familie, die Begegnungen mit Menschen sind, die das Leben lebenswert machen.
Am Nachmittag haben wir unsere Herberge erreicht, alles ordentlich und sauber, ein Mehrbettzimmer, Dusche und WC sind vollkommen in Ordnung. Das Highlight war die Sonnenterrasse, hier haben wir noch ein paar Flaschen Wein geleert, schließlich hatte ich Geburtstag. Beim Abendessen haben wir Peter Kim kennengelernt, er kam aus Las Vegas und betreibt eine Burger Kette, 80 Läden mit dem Namen Fat Burger…..einfach mal googeln. Nicht zu vergessen Britta, sie kam aus Norddeutschland und war zum zweiten Mal auf dem Camino. Peter Kim haben wir nicht mehr gesehen, Britta noch einige Male. In Herbergen ist um 22:00 Uhr Ruhe bzw. Bettzeit, das Verlassen der Herbergen erfolgt morgens in der Regel bis 08:00 Uhr.

Nach der zweiten Etappe fühle ich mich körperlich gut, einen kleinen Muskelkater, zwei kleine Blasen, ansonsten nichts. Um es vorwegzunehmen, dabei ist es bei mir auch geblieben. Die Vorbereitungen zuvor, die Wanderungen mit Lutz und Anja, dann final und intensiver im Winter/Frühjahr 2016/2017 mit noch längeren Wanderungen haben zur körperlichen Fitness beigetragen. Nebenbei bemerkt habe ich dabei die Schönheiten des Bergischen Landes wahrgenommen und kennengelernt.
Neugierig auf die nächste Folge, sie erscheint in 2 Tagen.
Quellen: Es ist Zeit für den Jakobsweg, Outdoor Camino Francés. Die Informationen zur Geschichte des Jakobswegs und von Santiago de Compostela beruhen auf der offiziellen Website des Pilgerbüros in Santiago de Compostela, der Jakobsweg Zentrale “Dein Pilger Magazin”, der UNESCO, sowie ergänzender Fachliteratur wie Ausschnitte aus Längsschnittstudie zu Lebenssinn & Lebensbedeutungen bei Pilgern des Jakobsweges und bei der Verwendung von Texten und Informationen wurden von mir bekannten Quellen- und Urheberangaben verwendet.
PS. Zum Schutz der Privatsphäre wurden die Namen geändert und die im Reisebericht verwendeten Bilder stammen überwiegend von mir bzw. vereinzelt von Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Reise. Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte wurden die Gesichter einzelner abgebildeter Personen unkenntlich gemacht. Bei der Verwendung von Texten und Informationen wurden von mir bekannten Quellen- und Urheberangaben verwendet.
Alle veröffentlichen Folgen finden Sie hier:


Schreibe einen Kommentar