Camino Francés 2017 – Folge 2 von 17

Ein Weg, viele Begegnungen, ein Dankeschön

Ein Reisebericht von einem Pilger aus Wermelskirchen


Folge 2

Mein Weg ging über 28 Etap­pen, geplant hat­te ich 33 Etap­pen, ins­ge­samt 816 km durch die Regio­nen Navar­ra, Rio­ja, Kas­ti­li­en-Leon und Gali­ci­en. Über­nach­tet wur­de in Her­ber­gen (Alber­gues) öffent­lich, kirch­lich oder pri­vat, zu Prei­sen zwi­schen 5 und 12 Euro bzw. Spen­den oder auch in Hos­tels und Hotels mit ca. 20 bis 30 Euro. In Restau­rants oder Gast­stät­ten wer­den Pil­ger­me­nüs mit Vor-Haupt- und Nach­spei­se inkl. Wein und Was­ser zwi­schen 10 und 12 Euro ange­bo­ten. Mein Durch­schnitt­li­cher Tages­be­darf belief sich auf 27 Euro. Um in den Her­ber­gen einen Platz zu bekom­men, benö­tigt man einen Pil­ger­aus­weis, den Cre­den­ti­al. Mit­tels eines Stem­pels wird die Ankunft an ver­schie­de­nen Orten bestä­tigt. Die Jakobs­mu­schel ist das Sym­bol der Pil­ger. Sie ist das Weg­zei­chen und jeder Pil­ger hat es an sei­nem Ruck­sack hän­gen.

Weni­ger ist mehr…das gilt auch für den Ruck­sack, 11,6 kg, nur die nöti­gen Sachen, die man so braucht, dazu gehört auch das täg­li­che Waschen der Wäsche.

Pack­lis­te

  • Ruck­sack 80 ltr.
  • 1 Paar Wan­der­schu­he und 2 Paar Strümp­fe
  • 2 x atmungs­ak­ti­ve Unter­wä­sche
  • 1 x Wan­d­er­ho­se kurz
  • 2 x Wan­d­er­ho­se lang
  • 3 x Funk­ti­ons­shirts
  • 2 x Pull­over
  • 1 x leich­te Regen­ja­cke
  • 1 x Müt­ze und 1x Kap­pe 1x Hand­schu­he
  • 1 x Regen­pon­cho
  • 1 x Hüt­ten­schlaf­sack
  • 1 x Schla­fu­ten­si­li­en
  • 1 x Wan­der­stö­cke
  • 1 x leich­te San­da­len
  • Hygie­ne­ar­ti­kel
  • Pflas­ter, Ver­bands­zeug, Hirsch­talg,
  • Wäsche­klam­mern, Wäsche­lei­ne, Wasch­mit­tel
  • Micro­fa­ser Hand­tuch groß und klein
  • Aus­weis, Kran­ken­kas­sen­kar­te, Geld­beu­tel, Kre­dit­kar­te, Pil­ger­pass, Jakobs­mu­schel
  • Han­dy, div.Kabel, Power­bank, GPS Uhr, Ohr­stöp­sel

Anrei­se

Am 26.04.2017 war es end­lich soweit, mein Cami­no Fran­cés. Seit fast einem Jahr stand für mich fest, dass ich den Cami­no Fran­cés, den Jakobs­weg, im Früh­jahr gehen wer­de. Die­ser Ent­schluss war für mich nicht von jetzt auf gleich, nein, eher ein Wunsch in mei­nem Inners­ten, der mich schon sehr, sehr lan­ge beglei­te­te. Wenn ich auf mein Leben zurück­bli­cke, sah ich kei­nen gera­den Weg. Es gab schö­ne und erfül­len­de Zei­ten, aber auch Weg­ga­be­lun­gen, an denen ich nicht wuss­te, wohin die Rei­se gehen wür­de. Ich war neu­gie­rig auf die viel­fäl­ti­gen Land­schaf­ten, den Mythos und die kör­per­li­che Anstren­gung. An die Gren­zen der Belas­tung gehen, frü­her zu mei­nen Mara­thon­zei­ten, ist es mir gut gelun­gen, das alles unter einen Hut zu brin­gen. Wer­de ich gelas­se­ner? Wer­de ich inter­es­san­te Begeg­nun­gen erle­ben? Was pas­siert mit mir und ver­än­dert mich der Weg? Und vie­les, vie­les mehr.

Mit mei­nem 11,6 kg schwe­ren Ruck­sack auf dem Rücken bin ich die­se Stre­cke gelau­fen. Das Gewicht vom Ruck­sack war natür­lich viel zu schwer.… Anfän­ger Pech. In der Regel sagt man in etwa 10% vom Kör­per­ge­wicht. Im Ide­al­fall wären das 8–9 kg gewe­sen. Ers­ter Rei­se­tag, mit einem Mal war die gan­ze Anspan­nung und Auf­re­gung in mir weg, die mich noch in den letz­ten Wochen beglei­tet hat. Die Anrei­se erfolg­te am 26.04.2017 ab Köln mit den Tha­lys nach Paris und von dort mit dem TGV nach Bayon­ne und wei­ter nach Saint-Jean-Pied-de-Port mit einem Bus. Abschied neh­men, mei­ne Frau, die ich zur dama­li­gen Zeit gera­de erst ken­nen­ge­lernt habe, hat mich zum Köl­ner Haupt­bahn­hof gebracht.

Im Zug nach Paris sit­zen zwei Damen, ich gehe von Damen aus, deren Män­ner wohl gut ver­die­nen. Haupt­the­men sind Sylt, Ibi­za, Shop­ping, Bars, Hotels…..einfach Busi­ness. Sie fah­ren zum Shop­pen nach Paris, ich zum Jakobs­weg nach Saint-Jean-Pied-de-Port. Was geht’s mir gut…..weniger ist mehr und….. Der Weg ist das Ziel. Es ist kaum zu beschrei­ben, vor zwei Jah­ren war ich kör­per­lich ziem­lich am Ende, und jetzt….Camino Fran­cés. Nie auf­ge­ben und immer nach vor­ne schau­en. In Paris am Gare du Nord ange­kom­men der ers­te Stress, die Metro Num­mer 4 fuhr an die­sem Tag nicht. Mei­ne Ret­tung …ein Taxi zum Gare de Mont­par­nas­se. Die Taxi­fah­re­rin hat mir sogar einen Rabatt gege­ben und von 26,50 auf 20 Euro abge­run­det. Was will man als Pil­ger mehr? Und ich war erstaunt, alle wol­len nach Bayon­ne, aus wel­chem Grund auch immer. Ein­fach nur den Pil­gern fol­gen und man fin­det den Bahn­steig ohne Wei­te­res.

In Bayon­ne ging es wei­ter mit dem Bus, ein Bus vol­ler Pil­ger zu dem Start­punkt Saint-Jean-Pied-de-Port. Dort ange­kom­men, habe ich mich im Pil­ger­bü­ro ange­mel­det und mir noch nöti­ge Unter­la­gen besorgt, anschlie­ßend ging es dann zu mei­ner ers­ten Her­ber­ge, Auber­ge Iza­xu­lo. Wäh­rend mei­ner beruf­li­chen Zeit habe ich in mehr als 1.000 Hotels über­nach­tet und jetzt…in Her­ber­gen mit Mehr­bett­zim­mern.

Neugierig auf die nächste Folge, sie erscheint in 2 Tagen.

Quel­len: Es ist Zeit für den Jakobs­weg, Out­door Cami­no Fran­cés. Die Infor­ma­tio­nen zur Geschich­te des Jakobs­wegs und von Sant­ia­go de Com­pos­te­la beru­hen auf der offi­zi­el­len Web­site des Pil­ger­bü­ros in Sant­ia­go de Com­pos­te­la, der Jakobs­weg Zen­tra­le “Dein Pil­ger Maga­zin”, der UNESCO, sowie ergän­zen­der Fach­li­te­ra­tur wie Aus­schnit­te aus Längs­schnitt­stu­die zu Lebens­sinn & Lebens­be­deu­tun­gen bei Pil­gern des Jakobs­we­ges und bei der Ver­wen­dung von Tex­ten und Infor­ma­tio­nen wur­den von mir bekann­ten Quel­len- und Urhe­ber­an­ga­ben ver­wen­det.

PS. Zum Schutz der Pri­vat­sphä­re wur­den die Namen geän­dert und die im Rei­se­be­richt ver­wen­de­ten Bil­der stam­men über­wie­gend von mir bzw. ver­ein­zelt von Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mern der Rei­se. Zum Schutz der Per­sön­lich­keits­rech­te wur­den die Gesich­ter ein­zel­ner abge­bil­de­ter Per­so­nen unkennt­lich gemacht. Bei der Ver­wen­dung von Tex­ten und Infor­ma­tio­nen wur­den von mir bekann­ten Quel­len- und Urhe­ber­an­ga­ben ver­wen­det.


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