Ein Weg, viele Begegnungen, ein Dankeschön
Ein Reisebericht von einem Pilger aus Wermelskirchen
Folge 2
Mein Weg ging über 28 Etappen, geplant hatte ich 33 Etappen, insgesamt 816 km durch die Regionen Navarra, Rioja, Kastilien-Leon und Galicien. Übernachtet wurde in Herbergen (Albergues) öffentlich, kirchlich oder privat, zu Preisen zwischen 5 und 12 Euro bzw. Spenden oder auch in Hostels und Hotels mit ca. 20 bis 30 Euro. In Restaurants oder Gaststätten werden Pilgermenüs mit Vor-Haupt- und Nachspeise inkl. Wein und Wasser zwischen 10 und 12 Euro angeboten. Mein Durchschnittlicher Tagesbedarf belief sich auf 27 Euro. Um in den Herbergen einen Platz zu bekommen, benötigt man einen Pilgerausweis, den Credential. Mittels eines Stempels wird die Ankunft an verschiedenen Orten bestätigt. Die Jakobsmuschel ist das Symbol der Pilger. Sie ist das Wegzeichen und jeder Pilger hat es an seinem Rucksack hängen.
Weniger ist mehr…das gilt auch für den Rucksack, 11,6 kg, nur die nötigen Sachen, die man so braucht, dazu gehört auch das tägliche Waschen der Wäsche.
Packliste
- Rucksack 80 ltr.
- 1 Paar Wanderschuhe und 2 Paar Strümpfe
- 2 x atmungsaktive Unterwäsche
- 1 x Wanderhose kurz
- 2 x Wanderhose lang
- 3 x Funktionsshirts
- 2 x Pullover
- 1 x leichte Regenjacke
- 1 x Mütze und 1x Kappe 1x Handschuhe
- 1 x Regenponcho
- 1 x Hüttenschlafsack
- 1 x Schlafutensilien
- 1 x Wanderstöcke
- 1 x leichte Sandalen
- Hygieneartikel
- Pflaster, Verbandszeug, Hirschtalg,
- Wäscheklammern, Wäscheleine, Waschmittel
- Microfaser Handtuch groß und klein
- Ausweis, Krankenkassenkarte, Geldbeutel, Kreditkarte, Pilgerpass, Jakobsmuschel
- Handy, div.Kabel, Powerbank, GPS Uhr, Ohrstöpsel
Anreise
Am 26.04.2017 war es endlich soweit, mein Camino Francés. Seit fast einem Jahr stand für mich fest, dass ich den Camino Francés, den Jakobsweg, im Frühjahr gehen werde. Dieser Entschluss war für mich nicht von jetzt auf gleich, nein, eher ein Wunsch in meinem Innersten, der mich schon sehr, sehr lange begleitete. Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, sah ich keinen geraden Weg. Es gab schöne und erfüllende Zeiten, aber auch Weggabelungen, an denen ich nicht wusste, wohin die Reise gehen würde. Ich war neugierig auf die vielfältigen Landschaften, den Mythos und die körperliche Anstrengung. An die Grenzen der Belastung gehen, früher zu meinen Marathonzeiten, ist es mir gut gelungen, das alles unter einen Hut zu bringen. Werde ich gelassener? Werde ich interessante Begegnungen erleben? Was passiert mit mir und verändert mich der Weg? Und vieles, vieles mehr.

Mit meinem 11,6 kg schweren Rucksack auf dem Rücken bin ich diese Strecke gelaufen. Das Gewicht vom Rucksack war natürlich viel zu schwer.… Anfänger Pech. In der Regel sagt man in etwa 10% vom Körpergewicht. Im Idealfall wären das 8–9 kg gewesen. Erster Reisetag, mit einem Mal war die ganze Anspannung und Aufregung in mir weg, die mich noch in den letzten Wochen begleitet hat. Die Anreise erfolgte am 26.04.2017 ab Köln mit den Thalys nach Paris und von dort mit dem TGV nach Bayonne und weiter nach Saint-Jean-Pied-de-Port mit einem Bus. Abschied nehmen, meine Frau, die ich zur damaligen Zeit gerade erst kennengelernt habe, hat mich zum Kölner Hauptbahnhof gebracht.
Im Zug nach Paris sitzen zwei Damen, ich gehe von Damen aus, deren Männer wohl gut verdienen. Hauptthemen sind Sylt, Ibiza, Shopping, Bars, Hotels…..einfach Business. Sie fahren zum Shoppen nach Paris, ich zum Jakobsweg nach Saint-Jean-Pied-de-Port. Was geht’s mir gut…..weniger ist mehr und….. Der Weg ist das Ziel. Es ist kaum zu beschreiben, vor zwei Jahren war ich körperlich ziemlich am Ende, und jetzt….Camino Francés. Nie aufgeben und immer nach vorne schauen. In Paris am Gare du Nord angekommen der erste Stress, die Metro Nummer 4 fuhr an diesem Tag nicht. Meine Rettung …ein Taxi zum Gare de Montparnasse. Die Taxifahrerin hat mir sogar einen Rabatt gegeben und von 26,50 auf 20 Euro abgerundet. Was will man als Pilger mehr? Und ich war erstaunt, alle wollen nach Bayonne, aus welchem Grund auch immer. Einfach nur den Pilgern folgen und man findet den Bahnsteig ohne Weiteres.
In Bayonne ging es weiter mit dem Bus, ein Bus voller Pilger zu dem Startpunkt Saint-Jean-Pied-de-Port. Dort angekommen, habe ich mich im Pilgerbüro angemeldet und mir noch nötige Unterlagen besorgt, anschließend ging es dann zu meiner ersten Herberge, Auberge Izaxulo. Während meiner beruflichen Zeit habe ich in mehr als 1.000 Hotels übernachtet und jetzt…in Herbergen mit Mehrbettzimmern.
Neugierig auf die nächste Folge, sie erscheint in 2 Tagen.
Quellen: Es ist Zeit für den Jakobsweg, Outdoor Camino Francés. Die Informationen zur Geschichte des Jakobswegs und von Santiago de Compostela beruhen auf der offiziellen Website des Pilgerbüros in Santiago de Compostela, der Jakobsweg Zentrale “Dein Pilger Magazin”, der UNESCO, sowie ergänzender Fachliteratur wie Ausschnitte aus Längsschnittstudie zu Lebenssinn & Lebensbedeutungen bei Pilgern des Jakobsweges und bei der Verwendung von Texten und Informationen wurden von mir bekannten Quellen- und Urheberangaben verwendet.
PS. Zum Schutz der Privatsphäre wurden die Namen geändert und die im Reisebericht verwendeten Bilder stammen überwiegend von mir bzw. vereinzelt von Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Reise. Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte wurden die Gesichter einzelner abgebildeter Personen unkenntlich gemacht. Bei der Verwendung von Texten und Informationen wurden von mir bekannten Quellen- und Urheberangaben verwendet.
Alle veröffentlichen Folgen finden Sie hier:


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