Zufällig habe ich dieses Buch im Urlaub in einem Buchladen gefunden. Und eigentlich ist dieses Thema weit weg, betrifft mich nicht persönlich. Klar hört man in den Nachrichten von Anschlägen, Angriffen und antijüdischen Demonstrationen. Man findet es schlimm, aber es ist weit weg. Und ganz ehrlich: Ich kenne in meinem Umfeld gar keine Juden, zumindest nicht bewusst. Und trotzdem wollte ich etwas wissen und habe zu diesem Buch gegriffen.
Der Autor Ronen Steinke beschreibt in seinem Buch sehr detailreich und mit vielen Beispielen belegt, wie der deutsche Staat seiner Pflicht und Aufgabe zur Gefahrenabwehr nicht (ausreichend) nachkommt oder sich sogar weigert zu helfen. Gewaltopfer werden abgewimmelt oder nicht ernst genommen. Und sollte tatsächlich mal ein Täter gefasst werden, gibt es oft nur eine kleine Strafe und als Bonbon „auf Bewährung“.
Die antijüdische Einstellung war nie weg und findet heute noch Platz in der Polizei, bei Gericht oder in anderen staatlichen Institutionen. Und es scheint nicht besser zu werden, obwohl wir noch nie so viel über dieses Thema informiert wurden.
Das Buch enthält eine umfassende Auflistung antisemitischer Gewalt in Deutschland seit 1945. (Das ist nicht besonders spannend zu lesen macht aber auf Grund der Menge betroffen) Und in dieser Liste ist die Dunkelziffer noch gar nicht berücksichtigt.
Der Autor ist Redakteur bei der „Süddeutschen Zeitung“. Seine Biografie über Fritz Bauer, den mutigen Ermittler und Ankläger der Frankfurter Ausschwitz-Prozesse, wurde verfilmt und ausgezeichnet. Der Film „Der Staat gegen Fritz Bauer“ wurde auch im TV gezeigt und dürfte vielen bekannt sein.
Wenn nicht – auch dieser Film ist absolut zu empfehlen.
Ronen Steinke
„Terror gegen Juden“
Wie antisemitische Gewalt erstarkt und der Staat versagt – Eine Anklage
berlin-Verlag
ISBN: 978–3‑8270–1425‑2

Foto: Walter Schubert


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