Von Ute Rosen
Eine mannshohe Kürbisskulptur markiert den Eingang der Ausstellung. Für die 97-jährige Künstlerin hat dieses Motiv eine tiefe symbolische Bedeutung: aufgewachsen im elterlichen landwirtschaftlichen Betrieb in Matsumoto/Japan, verweist es auf ihre Affinität zur Natur und ihren organischen Formen, auf Werden und Vergänglichkeit als Teil eines größeren Ganzen.
Die aufgebrachten Punkte und Muster durchziehen die Ausstellung und sind ihr Markenzeichen. Schon früh im Alter von etwa 10 Jahren von Halluzinationen heimgesucht, in denen sie ihre Umgebung wie durch ein Punkt- und Netzmuster wahrnimmt, wird dies zur Grundlage ihres späteren künstlerischen Schaffens.
Die Ausstellung mit über 300 Werken gibt einen Überblick über ihr 70 Jahre umfassendes Lebenswerk. Es umfasst monocrome, zum Teil sehr großformatige Bilder bis hin zu ihren späteren farbenfrohen Kompositionen, gearbeitet in Öl, Acryl, Aquarell, Pastell und Mischtechniken.
Die Ausstellung zeigt aber auch andere Aspekte ihres unermüdlichen Schaffens: Skulpturen, Installationen, textile Arbeiten, Romane und Gedichte, Dokumentationen über ihre politischen Aktivitäten und ihre provokanten Happenings zu Vietnamkrieg und Flower-Power-Bewegung.
Auch Themen wie Tod, Vergänglichkeit, Freude, Sexualität verarbeitet sie in ihren Werken, die immer wieder auch Spiegelbild ihrer persönlichen Befindlichkeiten bis hin zu gesundheitlichen Krisen sind.
Kusamas Kunst, in der sie ihre sehr persönliche, einzigartige Bildsprache umsetzt, scheint leicht zugänglich zu sein und ist doch tiefgründig und vielschichtig. Es sind Werke, die mit düsteren Farben Traurigkeit, Einsamkeit und Ängste erahnen lassen, dann wiederum versprühen Kompositionen mit leuchtenden Farben und verspielten Formen Leichtigkeit und Lebensfreude. Begehbare Installationen, die mit Spiegelungen und Lichteffekten spielen, ermöglichen überraschende künstlerische Erfahrungen. Nach langem Leben und Schaffen in New York und im Ausland kehrte Yayoi Kusama 1973 endgültig nach Japan zurück, wo sie seit 1977 aufgrund erneuter gesundheitlicher Probleme freiwillig in einer psychiatrischen Klinik in Tokio lebt und in ihrem von dort fußläufig erreichbaren Atelier weiterhin künstlerisch tätig ist.
Die Ausstellung ist noch zu sehen bis 02. August 2026 und konnte bis jetzt einen ungebrochenen Besucherrekord verzeichnen. Bis zum Ende der Ausstellung werden bis ca. 470000 Besucher erwartet. Sie ist auch für Kinder gut geeignet.
Leider sind die Tickets zum Besuch der Ausstellung alle ausverkauft, es lohnt sich jedoch, von Zeit zu Zeit auf der Internet-Seite des Museums Ludwig zu schauen, da immer wieder Tickets angeboten werden. Dann muss man schnell sein und sofort buchen.
Link: https://www.museum-ludwig.de/de/ausstellungen/yayoi-kusama
Foto: Pixabay


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