10 Fragen an Menschen aus Wermelskirchen

Unter die­ser Rubrik haben Men­schen aus Wer­mels­kir­chen die Mög­lich­keit, ihre per­sön­li­che Sicht auf unse­re Stadt zu tei­len. Dafür haben wir zehn kur­ze Fra­gen zusam­men­ge­stellt, die einen ehr­li­chen und viel­fäl­ti­gen Ein­druck davon ver­mit­teln sol­len, wie Wer­mels­kir­chen im All­tag, im Wan­del und mit Blick in die Zukunft erlebt wird.

Die Ant­wor­ten kön­nen ger­ne kurz gehal­ten wer­den – Stich­punk­te rei­chen völ­lig aus.

Mel­de dich ger­ne unter info@forumwk.de und tei­le dei­ne ganz per­sön­li­chen Ant­wor­ten mit uns.

Heu­ti­ger Teil­neh­mer: Ali Riza Çevik


  • Was bedeu­tet Wer­mels­kir­chen für dich per­sön­lich?
    Wenn ich an Wer­mels­kir­chen den­ke, kommt mir Ruhe in den Sinn. Eine Stadt mit freund­li­chen, respekt­vol­len und zuge­wand­ten Men­schen. Mit ihren Häu­sern, die ihre his­to­ri­sche Struk­tur bewahrt haben, und ihren fast monu­men­ta­len Bäu­men hat sie einen ganz eige­nen Cha­rak­ter. Obwohl ich hier etwa vier Jah­re gelebt habe und dienst­lich von hier weg­ge­hen wer­de, bedeu­tet die­se Stadt für mich immer noch sehr viel und wird auch wei­ter­hin viel für mich bedeu­ten.
  • Was läuft hier rich­tig gut – und was gar nicht?
    Mei­ner Beob­ach­tung nach läuft in Wer­mels­kir­chen vie­les gut. Vor allem sind Ein­kaufs­mög­lich­kei­ten und die Erreich­bar­keit all­täg­li­cher Bedürf­nis­se sehr unkom­pli­ziert. Das Vor­han­den­sein eines Schwimm­bads, die gute Erreich­bar­keit von Gesund­heits­diens­ten sowie die Ange­bo­te der Volks­hoch­schu­le sind wich­ti­ge Vor­tei­le. Außer­dem habe ich gehört, dass im alten Rat­haus Musik­un­ter­richt ange­bo­ten wird, was die kul­tu­rel­le Sei­te der Stadt zusätz­lich stärkt. Aller­dings wäre es wün­schens­wert, wenn Berei­che wie Thea­ter und dar­stel­len­de Kunst akti­ver wären und es viel­leicht auch eine Thea­ter­schu­le gäbe, an der ver­schie­de­ne Kul­tu­ren teil­neh­men kön­nen. Was die nega­ti­ven Aspek­te betrifft: Der zuneh­men­de Zuzug bringt einer­seits Leben­dig­keit und Viel­falt in die Stadt, erschwert aber ande­rer­seits in man­chen Berei­chen den All­tag der ein­hei­mi­schen Bevöl­ke­rung. Als jemand mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund sehe ich bei­de Sei­ten und kann die Her­aus­for­de­run­gen der Ein­hei­mi­schen nach­voll­zie­hen.
  • Was wür­dest du sofort ändern, wenn du könn­test?
    Wenn ich die Mög­lich­keit hät­te, wür­de ich ein inter­na­tio­na­les Café unter kom­mu­na­ler Trä­ger­schaft schaf­fen, in dem Men­schen aus unter­schied­li­chen Kul­tu­ren zusam­men­kom­men kön­nen. Ich beob­ach­te, dass sich man­che Zuge­zo­ge­ne hier ein­sam füh­len. Ein sol­cher Ort könn­te Begeg­nung, Aus­tausch und Zuge­hö­rig­keit för­dern. Zudem könn­ten an bestimm­ten Tagen Ver­an­stal­tun­gen statt­fin­den, bei denen ver­schie­de­ne Kul­tu­ren ihre Küche vor­stel­len. So könn­te ein natür­li­cher Aus­tausch und ein bes­se­res gegen­sei­ti­ges Ver­ständ­nis zwi­schen Ein­hei­mi­schen und Zuge­zo­ge­nen ent­ste­hen.
  • Dein Lieb­lings­ort in Wer­mels­kir­chen – und war­um?
    Es wäre nicht ganz rich­tig zu sagen, dass ich nur einen Lieb­lings­ort habe. Einer der Orte, die ich beson­ders schät­ze, ist jedoch das Fit­ness­stu­dio Cla­ver Fit. Beson­ders in Zei­ten, in denen ich allein gelebt habe, war es für mich mehr als nur ein Ort zum Sport­trei­ben. Auch ohne direk­ten Kon­takt zu ande­ren Men­schen tat es gut, Teil einer Umge­bung zu sein, bekann­te Gesich­ter zu sehen oder sich ein­fach zu begeg­nen. Sowohl sport­lich als auch sozi­al hat die­ser Ort für mich eine war­me und wert­vol­le Bedeu­tung.
  • Was fehlt dir in der Stadt am meis­ten?
    Ehr­lich gesagt kann ich nicht behaup­ten, dass mir in der Stadt etwas Grund­le­gen­des fehlt. Ich habe mir ein sozia­les Umfeld auf­ge­baut. Den­noch beob­ach­te ich, dass es Men­schen gibt, die sich ein­sam füh­len und Schwie­rig­kei­ten haben, Anschluss zu fin­den. Des­halb wären Orte wich­tig, an denen Men­schen unter­schied­li­cher Her­kunft zusam­men­kom­men, sich aus­drü­cken und begeg­nen kön­nen – Orte, an denen man ein­fach her­ein­kom­men, Kaf­fee trin­ken, spre­chen und Zeit mit­ein­an­der ver­brin­gen kann. Außer­dem fän­de ich es berei­chernd, wenn es ein­mal im Jahr ein offe­nes Fes­ti­val gäbe, bei dem ver­schie­de­ne Kul­tu­ren sich prä­sen­tie­ren kön­nen. Sol­che Ver­an­stal­tun­gen wür­den sowohl das Ver­ständ­nis der deut­schen Gesell­schaft für ande­re Kul­tu­ren stär­ken als auch Zuge­zo­ge­nen hel­fen, sich mehr zuge­hö­rig zu füh­len.
  • Wie hat sich Wer­mels­kir­chen in den letz­ten Jah­ren ver­än­dert?
    Am deut­lichs­ten ist mir die zuneh­men­de Ver­kehrs­dich­te auf­ge­fal­len. Als jemand, der in Istan­bul gebo­ren und auf­ge­wach­sen ist und bewusst dem Groß­stadt­le­ben ent­kom­men woll­te, emp­fin­de ich beson­ders den mor­gend­li­chen Ver­kehr inzwi­schen als belas­tend. Ich den­ke, dass dies vie­le Men­schen betrifft. Auch die Park­platz­su­che ist schwie­ri­ger gewor­den, War­te­zei­ten in Super­märk­ten und bei Arzt­ter­mi­nen haben zuge­nom­men. Ich kann daher die Per­spek­ti­ve der ein­hei­mi­schen Bevöl­ke­rung gut nach­voll­zie­hen. Gleich­zei­tig bringt die zuneh­men­de kul­tu­rel­le Viel­falt auch neue Leben­dig­keit in die Stadt. Jede Ver­än­de­rung bringt Chan­cen und Her­aus­for­de­run­gen mit sich. Ent­schei­dend ist, die­sen Pro­zess gut zu gestal­ten.
  • Was soll­ten Außen­ste­hen­de unbe­dingt über Wer­mels­kir­chen wis­sen?
    Wer­mels­kir­chen gehört mei­ner Mei­nung nach zu den schöns­ten und ange­nehms­ten Städ­ten Deutsch­lands. Hier gibt es unaus­ge­spro­che­ne, aber stark geleb­te Wer­te wie Respekt, Höf­lich­keit, Empa­thie und gegen­sei­ti­ges Ver­ständ­nis. Wer sich an die­sen Wer­ten ori­en­tiert, kann hier ein sehr ruhi­ges und aus­ge­gli­che­nes Leben füh­ren. Ich wün­sche mir, dass Men­schen von außer­halb wis­sen, dass sie Teil die­ser Atmo­sphä­re wer­den kön­nen, wenn sie die­se Wer­te respek­tie­ren.
  • Was nervt dich hier manch­mal rich­tig?
    Ehr­lich gesagt gibt es für mich per­sön­lich nichts, was mich stark stört. Ins­ge­samt ist ein ruhi­ges Leben hier gut mög­lich. Durch die stei­gen­de Bevöl­ke­rungs­zahl ent­ste­hen jedoch gele­gent­lich Her­aus­for­de­run­gen im All­tag. Was mich aller­dings nach­denk­lich macht, ist die mög­li­che Schlie­ßung des Kran­ken­hau­ses. In einer Stadt mit guter Gesund­heits­ver­sor­gung ist das ein bedeu­ten­der Punkt. Abge­se­hen davon gibt es nichts Wesent­li­ches, was mich hier stört.
  • Wo siehst du die Zukunft der Stadt?
    Ich sehe die Zukunft von Wer­mels­kir­chen mit Hoff­nung. Solan­ge die Stadt ihre Wer­te wie Ruhe, Respekt und gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halt bewahrt, hat sie das Poten­zi­al, sich auch an eine sich ver­än­dern­de Welt anzu­pas­sen. Wenn es gelingt, dass Men­schen mit unter­schied­li­chem Hin­ter­grund ein­an­der bes­ser ver­ste­hen, kann sich die Stadt zu einem noch stär­ke­ren und viel­fäl­ti­ge­ren Ort ent­wi­ckeln.
  • War­um lebst du (noch) hier?
    Dass ich hier lebe, hängt weni­ger mit einer bewuss­ten Ent­schei­dung als viel­mehr mit mei­ner beruf­li­chen Ent­sen­dung zusam­men. Obwohl ich in Istan­bul zuvor in deut­lich kom­for­ta­ble­ren und luxu­riö­se­ren Woh­nun­gen gelebt habe, füh­le ich mich hier – trotz ein­fa­che­rer Ver­hält­nis­se – wirk­lich wohl. Beson­ders berührt mich ein Ort an der Rem­schei­der Stra­ße, neben dem Restau­rant Dimi­t­ri, wo zwei neben­ein­an­der­ste­hen­de Häu­ser zu sehen sind. Die­se Häu­ser haben für mich eine sym­bo­li­sche Bedeu­tung: Eines wird gepflegt, das ande­re nicht. Die­ses Bild erin­nert mich dar­an, dass Din­ge, denen wir kei­ne Auf­merk­sam­keit schen­ken, mit der Zeit an Wert ver­lie­ren und ver­blas­sen. Auch die bei­den Bäu­me vor dem unge­pfleg­ten Haus haben für mich eine beson­de­re ästhe­ti­sche Wir­kung. Am Abend, mit den Lich­tern des Restau­rants Dimi­t­ri und der Beleuch­tung der Tel­gra­fen­stra­ße, und beson­ders im Win­ter, wenn Schnee fällt, ent­steht eine Atmo­sphä­re, die mich tief berührt. Auch wenn ich nur vor­über­ge­hend hier bin, wird die­se Stadt für mich immer ein beson­de­rer Ort blei­ben, an dem ich ger­ne gelebt habe und an dem ich das Zusam­men­le­ben mit Men­schen aus unter­schied­li­chen Kul­tu­ren als berei­chernd emp­fun­den habe.

Vie­len Dank Ali Riza Çevik

Bei­trags­bild: Klaus Ulin­ski

Bewer­te die­sen Post!
[Gesamt: 6 Durch­schnitt: 4.3]

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert