Lernst Du noch oder kochst Du schon? Nur heiße Luft oder kühle Brise für Container-Klassen!

Wie beru­hi­gend: Pünkt­lich zur zwei­ten Hit­ze­wel­le des Jah­res dür­fen die Schü­le­rin­nen und Schü­ler sowie ihre Lehr­kräf­te an der Gesamt­schu­le Wer­mels­kir­chen auf eine neue Wun­der­waf­fe hof­fen – Ven­ti­la­to­ren. Die Test­pha­se star­tet sofort. Der Som­mer kann also kom­men, denn es gibt zumin­dest etwas Luft­be­we­gung.

Die gen Süden aus­ge­rich­te­ten Stahl­con­tai­ner auf dem Schul­ge­län­de sind bis­lang vor allem eines: zuver­läs­si­ge Wär­me­spei­cher. Unbe­schat­tet, unkli­ma­ti­siert und aus Metall gefer­tigt, sam­meln sie Son­nen­en­er­gie mit einer Effi­zi­enz, von der man­che Solar­an­la­ge nur träu­men kann. Dass bei der Pla­nung ange­sichts immer häu­fi­ge­rer Hit­ze­wel­len bewusst auf eine Küh­lung ver­zich­tet wur­de, darf man wohl als „muti­ge“ Spar­maß­nah­me inter­pre­tie­ren.

Natür­lich waren hohe Tem­pe­ra­tu­ren in Schu­len schon immer ein The­ma. Hit­ze­frei gehört schließ­lich seit Gene­ra­tio­nen zum fes­ten Bestand­teil deut­scher Schul­erin­ne­run­gen. Der Unter­schied: Frü­her saß man dabei meist in gemau­er­ten Klas­sen­räu­men – und nicht in Stahl­kon­struk­tio­nen mit süd­li­cher Pre­mi­um-Son­nen­ein­strah­lung.

Con­tain­erlö­sun­gen haben sich vie­ler­orts bewährt: auf Bau­stel­len oder als Über­gangs­bü­ros bei schnell wach­sen­den Unter­neh­men. Eben­so bekannt ist aller­dings, dass die­se Lösun­gen im Som­mer ohne zusätz­li­che Küh­lung schnell an ihre Gren­zen sto­ßen – beson­ders dann, wenn Schat­ten eher theo­re­ti­scher Natur ist. Dass aus­ge­rech­net bei einer neu­en Schu­le auf die­sen Kom­fort ver­zich­tet wur­de, war viel­leicht weni­ger Fehl­pla­nung als der Ver­zicht auf ver­meint­lich ver­meid­ba­re Mehr­kos­ten.

Wer bei Außen­tem­pe­ra­tu­ren um die 30 Grad in auf­ge­heiz­ten Metall­bo­xen kon­zen­triert ler­nen oder unter­rich­ten soll, ver­dient zumin­dest Aner­ken­nung – wenn nicht sogar Mit­leid. Und wenn Schü­le­rin­nen und Schü­ler mit hoch­ro­ten Köp­fen trotz Hit­ze­frei bereits gegen 13 Uhr das Schul­ge­län­de ver­las­sen, stellt sich zwangs­läu­fig die Fra­ge, wie oft Unter­richt in den som­mer­li­chen Brut­käs­ten über­haupt noch mög­lich sein wird. Unter­richts­aus­fäl­le für zwölf Klas­sen wären jeden­falls mehr als nur eine Rand­no­tiz.

Nun also die Ven­ti­la­to­ren. Es hat zwar etwas gedau­ert, doch bes­ser spät als nie. Viel­leicht gelingt es ihnen ja tat­säch­lich, aus den Con­tai­ner-Klas­sen zumin­dest gefühl­te Lern­räu­me zu machen. Schul­lei­ter Loh­mann wird in Kür­ze Rück­mel­dun­gen aus dem Kol­le­gi­um erhal­ten. Hof­fent­lich ver­ges­sen die mit­lei­den­den Leh­re­ri­nen und Leh­rer nicht den Luft­zug in den hin­te­ren Rei­hen zu mes­sen. Denn ohne gleich gute Küh­lung für alle kei­ne Lern­ge­rech­tig­keit.

Wir blei­ben dran – und berich­ten, ob aus hei­ßer Luft am Ende doch noch ein küh­ler Kopf wird. (Trost: Künf­ti­ge Schü­ler­ge­nera­tio­nen dür­fen auf Abküh­lung nach einem klei­nen Spa­zier­gang am Kli­ma­teich des Rhom­bus Are­als hof­fen) ‎

Foto: Lothar Dähn

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