Seit mehr als 60 Jahren kenne ich die Hüppanlage. Ja, ich weiß, für einen Menschen klingt das nach einer langen Zeit. Für uns Zwerge ist das allerdings noch gar nicht so besonders lange – wir werden schließlich sehr alt.
Ich bin Fandorin Moosbart, und schon als kleiner Zwerg bin ich immer wieder durch den Park gewandert, der sich von der Berliner Straße die Dhünner Straße hinunter bis ins Hüpptal zieht. Dort kannte ich sie alle: die Salamander, die Mäuse, die Frösche, die Kaulquappen, die Molche und viele andere kleine Bewohner dieses Tales. Wir Zwerge haben uns mit ihnen ausgetauscht, lange bevor die Menschen überhaupt bemerkten, dass es dort so viel Leben gibt.
Die Hüppanlage war für uns ein wunderbarer Ort. Große Bäume spendeten Schatten, und ein schmaler Weg führte hinunter ins Hüpptal. Man konnte dort dem Getöse der Stadt entkommen. Selbst die Menschen kamen hierher, um ein wenig Ruhe zu finden und Kinder fanden einen Platz um ungestört zu spielen.
Doch irgendwann hatte einer dieser Menschen eine Idee.
Nun ja – Menschen haben viele Ideen.
Die Hüppanlage sollte umgebaut werden. Mehr Wege sollen entstehen, viel Beton soll für eine Mauer verbaut werden und irgendwo soll sogar eine merkwürdige Wasserfontäne entstehen. Eine Wasserfontäne! Dabei frage ich mich schon jetzt, wo das Wasser in einigen Jahren herkommen soll, wenn es immer trockener wird.
Meine Freunde aus dem Hüpptal sind jedenfalls nicht begeistert.
Die Frösche quaken besorgt, die Salamander suchen schon nach ruhigeren Plätzen und die Mäuse halten sich lieber versteckt. Und auch für uns Zwerge dürfte es mit der Ruhe wohl vorbei sein. Denn die Menschen haben sich für diesen Park offenbar große, laute Dinge ausgedacht.
Vor ein paar Tagen kamen sie dann mit ihren gewaltigen Maschinen. Seitdem wird überall der Boden aufgerissen. Bäume, Sträucher, Wege – nichts scheint vor den Maschinen sicher zu sein. Die Menschen nennen das vermutlich Umgestaltung.
Ich nenne es erst einmal: Abschied von einem Stück schöne Hüppanlage, wie ich es seit über 60 Jahren kenne.
Vielleicht wird am Ende alles wunderschön, denn es kostet die Menschen sicher eine Menge Geld. Vielleicht wird es auch besser, als ich es mir vorstellen kann. Aber ich frage mich trotzdem, ob dieses Vorhaben wirklich gut für die Menschen, die Tiere und die Natur ist – oder ob es am Ende wieder einmal nur gut für das Ego einiger Menschen ist, die ihre Idee unbedingt verwirklichen wollten.
Ich werde jedenfalls weiter dort hinkommen.
Denn irgendwo zwischen den Baustellen, Maschinen und Beton wird vielleicht noch ein kleiner Salamander sitzen, ein Frosch quaken oder eine Maus neugierig aus ihrem Versteck schauen.
Und dann werde ich mich zu ihnen setzen und sagen:
„Keine Angst, ich kenne diesen Ort noch so schön, wie er einmal war.“
Euer
Fandorin Moosbart
Zwerg und langjähriger Bewohnerfreund des Hüpptals
Foto: Fandorin Moosbart


Schreibe einen Kommentar