Unstrittig ist spätestens in diesem Sommer nach vielen Hitzetoten und überlasteten Notfallstationen die allgemeine gesellschaftliche Forderung nach Hitzeschutzkonzepten. Wie es darum in Wermelskirchen steht, was die Verwaltung dazu sagt, besonders am Beispiel der Containerbauweise der Gesamtschule, wurde im ForumWk bereits berichtet, welche persönliche Haltung, kommunale politische Vertreter wie der Schulausschussvorsitzende Jochen Bilstein hierzu haben, war jetzt Anlass für unsere Befragung. Hier folgt unsere Einschätzung.
Viel Einordnung – wenig persönliche Positionierung
Wir bedanken uns zunächst ausdrücklich bei Jochen Bilstein für seine schnelle Reaktion auf unsere Nachfrage. Dass sich der Vorsitzende des Schulausschusses kurzfristig mit unserer Presseanfrage beschäftigt hat, ist keineswegs selbstverständlich.
Nach sorgfältiger Auswertung seiner Antworten bleibt jedoch aus unserer Sicht ein wesentlicher Eindruck bestehen: Die zentralen Punkte unserer Anfrage werden nicht oder nur teilweise beantwortet.
Herr Bilstein führt zunächst aus, die Erwartung, kurzfristig ein fertiges Hitzeschutzkonzept präsentieren zu können, sei aus seiner Sicht „weltfremd“. Auf diesen Punkt zielte unsere Anfrage allerdings nicht ab. Wir haben weder die sofortige Vorlage eines vollständigen Konzepts erwartet noch eine solche gefordert.
Unser Anliegen war vielmehr zu erfahren, wie der Vorsitzende des Schulausschusses die aktuelle Situation an der Gesamtschule bewertet und welche politischen Vorstellungen er persönlich für den künftigen Hitzeschutz an den Schulen hat.
In seiner Antwort bestätigt Jochen Bilstein, dass die bislang umgesetzten Maßnahmen – wie bereits von der Verwaltung dargestellt – nur eingeschränkt wirksam seien. Zugleich verweist er darauf, dass bauliche, technische und finanzielle Maßnahmen Gegenstand einer noch zu erarbeitenden Hitzeschutzplanung werden sollen.
Damit bleiben aus unserer Sicht mehrere Fragen offen. So erfahren die Bürgerinnen und Bürger weiterhin nicht,
- ob Herr Bilstein als Ausschuss-Vorsitzender die derzeitigen Maßnahmen an der Gesamtschule für ausreichend hält,
- wie er die langfristige Nutzung der Modulbauten unter den Bedingungen zunehmender Hitze bewertet,
- welche kurzfristigen Verbesserungen aus seiner Sicht bereits jetzt möglich oder notwendig wären,
- ob er ein verbindliches Hitzeschutzkonzept mit klaren Standards für alle Schulen befürwortet,
- und welche politischen Schwerpunkte er bei diesem Thema setzen würde.
Seine Stellungnahme verweist im Wesentlichen darauf, dass diese Fragen im Rahmen einer künftigen Hitzeschutzplanung behandelt werden sollen. Das ist durchaus nachvollziehbar. Jedoch zielte unsere Anfrage nicht auf eine fachliche Detailplanung, sondern auf die politische Einschätzung des Vorsitzenden des Schulausschusses. Von ihm darf erhofft werden, dass er zu zentralen bildungs- und gesundheitspolitischen Fragen seines Zuständigkeitsbereichs seine persönliche Position erläutert – unabhängig davon, ob bereits eine Verwaltungsvorlage vorliegt.
Bemerkenswert ist zudem die Einschätzung, unsere Erwartung sei „weltfremd“ sowie die Forderung im letzten Absatz „völlig unangemessen“. Eine nähere Begründung, welcher Satz unserer Anfrage diese Bewertung auslöst, enthält die Antwort allerdings nicht. Meint er unseren Wunsch nach seiner eigenen zitierfähigen Stellungnahme?
Dürfen Bürgerinnen und Bürger nicht erwarten, dass gewählte Mandatsträger ihre persönliche Einschätzung zu aktuellen Herausforderungen darlegen und ihre politischen Zielvorstellungen erläutern?
Ob die vorliegende Antworten diesen Erwartungen entsprechen, überlassen wir neben unserer Einschätzung den Leserinnen und Lesern des ForumWk. Deshalb veröffentlichen wir hiernach unsere Fragen und nachfolgend die Antworten:
- Verbindliches Hitzeschutzkonzept
Halten Sie für die Gesamtschule Wermelskirchen ein verbindliches, schriftlich festgelegtes Hitzeschutzkonzept für notwendig? Falls ja, welche wesentlichen Bestandteile sollte ein solches Konzept aus Ihrer Sicht enthalten? - Eignung der Modulbauten
Wie beurteilen Sie die Nutzung der Modulbauten als Unterrichtsräume während sommerlicher Extremtemperaturen? Halten Sie diese Lösung auch langfristig für vertretbar, oder sehen Sie politischen Handlungsbedarf für eine dauerhafte bauliche Verbesserung? - Bewertung der bisherigen Maßnahmen
Die Stadt sieht in Jalousien und Ventilatoren wesentliche Maßnahmen zum Hitzeschutz. Halten Sie diese Ausstattung für ausreichend, um Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte wirksam vor gesundheitlichen Belastungen durch Hitze zu schützen, oder bewerten Sie diese lediglich als Übergangslösung? - Kurz- und langfristiger Handlungsbedarf
Welche zusätzlichen Maßnahmen sollten aus Ihrer Sicht noch in diesem Sommer umgesetzt werden? Welche baulichen oder technischen Verbesserungen erwarten Sie mittel- und langfristig für die Gesamtschule? - Schulübergreifendes Konzept
Sehen Sie die Hitzeschutzproblematik ausschließlich an der Gesamtschule mit ihren Modulbauten, oder sollte die Stadt Wermelskirchen ein schulübergreifendes Hitzeschutzkonzept mit einheitlichen Standards, klar geregelten Zuständigkeiten und verbindlichen Handlungsabläufen für alle städtischen Schulen entwickeln?
Zitat Bilstein im Sinne einer ersten Antwort:
“…. der Hitzeschutz ist ein allgemeingesellschaftliches Problem, selbstverständlich betrifft er in besonderem Maße auch die Schulen. Dies gilt für alle Schulformen, nicht nur für die Gesamtschule, die aber in dieser Entwicklungsphase mein besonderes Augenmerk hat. Mit der Schulleitung bin ich in ständigem Kontakt. Die Beantwortung Ihrer Fragen können Sie dem beigefügten Antrag der SPD – Fraktion zu einem Hitzeschutzplan für unsere Stadt entnehmen, den ich am Montag an die Verwaltung weitergeleitet habe. Bezüglich bestimmter baulicher Maßnahmen für die Gesamtschule verweise ich auf das bestehende Ausbau- und Neubaukonzept Konzept der Verwaltung.”
Erneutes Nachfragen:
…. Im Einzelnen bleiben nachfolgende Punkte weiter offen:
- Verbindliches Hitzeschutzkonzept
Sie teilen nicht ausdrücklich mit, ob Sie für die Gesamtschule ein verbindliches, schriftlich fixiertes Hitzeschutzkonzept für erforderlich halten. Ebenso bleibt unklar, welche Bestandteile ein solches Konzept aus Ihrer Sicht enthalten müsste. - Modulbauten und deren Eignung
Unsere Frage, wie Sie die Nutzung der Modulbauten als Unterrichtsräume bei sommerlichen Extremtemperaturen bewerten und ob Sie diese Lösung langfristig für vertretbar halten, wird nicht konkret beantwortet. Der Verweis auf das Ausbau- und Neubaukonzept der Stadtverwaltung und den regelmäßigen Kontakt zur Schulleitung ersetzt keine politische persönliche Stellungnahme zur gegenwärtigen Situation. - Bewertung der Maßnahmen bisher
Sie sagen nicht, ob Sie die bislang genannten Maßnahmen (außenliegende Jalousien und Ventilatoren) für ausreichend halten oder lediglich als Übergangslösung ansehen. - Kurzfristiger und langfristiger Handlungsbedarf
Unsere Frage, ob und welche zusätzlichen Maßnahmen noch in diesem Sommer aus Ihrer Sicht notwendig wären und welche mittel- und langfristigen Verbesserungen Sie erwarten, bleibt ebenfalls unbeantwortet. Der beigefügte Antrag der SPD-Fraktion enthält weder Vorgaben noch Forderungen nach konkreten Sofortmaßnahmen für die Gesamtschule. - Schulübergreifendes Konzept
Sie lassen in Ihrer Antwort erkennen, dass Sie Hitzeschutz nicht allein als Thema der Gesamtschule betrachten. Es bleibt jedoch offen, ob Sie ein schulübergreifendes, verbindliches Konzept mit einheitlichen Standards, klaren Zuständigkeiten und geregelten Handlungsabläufen für notwendig halten.
Der von Ihnen beigefügte Antrag formuliert einen allgemeinen politischen Prüf- und Handlungsauftrag an die Verwaltung, enthält aber keine konkrete Stellungnahme zu den von uns angesprochenen Punkten – insbesondere nicht zur aktuellen Lage an der Gesamtschule, einer Bewertung der Modulbauten oder zur Wirksamkeit der bisherigen Maßnahmen und zu kurzfristig erforderlichen Schritten.
Wir würden uns daher wünschen, nicht nur einen allgemeinen Verweis auf bestehende Anträge oder Konzepte zu erhalten, sondern Ihre eigene, konkrete und zitierfähige Stellungnahme zu den von uns formulierten Fragen zu bekommen.
….
Zitat aus der 2. Antwort:
“….. Guten Tag,
die Erwartung, es könnte mal eben ein Konzept aus der Tasche gezogen werden, ist weltfremd. Erste, gewiss nur eingeschränkt wirksame Maßnahmen bei extremer Hitze wurden schon vor der ersten Hitzewelle in der Gesamtschule umgesetzt. Was im Hinblick auf zukünftige Hitzeereignisse baulich und gerätemäßig notwendig und letztlich auch finanzierbar ist, soll Gegenstand der Hitzeschutzplanung sein. Forderungen und Vorgaben, die Sie einfordern, werden Inhalte der Planung sein. Sollten Ihnen meine Ausführungen nicht ausreichen, kann ich das leider nicht ändern. Ihre Forderung im letzten Absatz irritiert mich allerdings, sie ist völlig unangemessen.”
Foto: Lothar Dähn


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