Literarische Schatzinseln als Kulturvermittler bewahren

Die­ses Mot­to der ehe­ma­li­gen Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin Prof. Moni­ka Grüt­ters (2013 – 2021) für den Deut­schen Buch­hand­lungs­preis 2021 trifft genau die vier­ma­li­ge Preis­trä­ge­rin aus Wer­mels­kir­chen – die Buch­hand­lung van Wah­den ist eine lite­ra­ri­sche Schatz­in­sel, die es als Kul­tur­ver­mitt­le­rin zu bewah­ren gilt.

2025 hat eine unab­hän­gi­ge Jury aus 483 Bewer­bun­gen bun­des­weit 118 Buch­hand­lun­gen aus­ge­wählt. Der Deut­sche Buch­hand­lungs­preis wird 2025 bereits zum 11. Mal ver­ge­ben, da ist es schon eine tol­le Aner­ken­nung, wenn man, wie die Buch­hand­lung van Wah­den, sie nun nach 2017, 2021 und 2023 zum 4. Mal erhält. Aus­ge­zeich­net wer­den unab­hän­gi­ge und inha­ber­ge­führ­te Buch­hand­lun­gen, die sich in her­aus­ra­gen­der Wei­se für Bücher und Lite­ra­tur und für ein viel­fäl­ti­ges kul­tu­rel­les Ange­bot im eige­nen Ort ein­set­zen. Dazu gehört ein diver­ses Ver­lags­an­ge­bot, das klei­ne als auch gro­ße Ver­la­ge glei­cher­ma­ßen berück­sich­tigt.

Die Staats­mi­nis­te­rin für Kul­tur und Medi­en Moni­ka Grüt­ters schrieb 2021 in ihrer Pres­se­mit­tei­lung: „Die klas­si­sche Buch­hand­lung macht die ver­le­ge­ri­sche und lite­ra­ri­sche Viel­falt in Deutsch­land wie unter einem Brenn­glas sicht­bar. Mit lie­be­voll aus­ge­wähl­ten Sor­ti­men­ten jen­seits der Best­sel­ler­lis­ten wecken die Buch­händ­le­rin­nen und Buch­händ­ler die Lust aufs Lesen. Zugleich bie­ten sie gera­de in länd­li­chen Regio­nen oft­mals einen der weni­gen ver­blie­be­nen kul­tu­rel­len Begeg­nungs­or­te. Mit dem Deut­schen Buch­hand­lungs­preis wol­len wir die­se lite­ra­ri­schen Schatz­in­seln bewah­ren und in ihrer Rol­le als loka­le Kul­tur­ver­mitt­ler unter­stüt­zen.“

Der dies­jäh­ri­ge Buch­hand­lungs­preis soll­te erst­ma­lig auf der Leip­zi­ger Buch­mes­se fest­lich ver­lie­hen wer­den. Soll­te. Wur­de abge­sagt. Vom aktu­el­len Kul­tur­staats­mi­nis­ter Wolf­ram Wei­mer. Als Reak­ti­on auf hef­ti­ge Kri­tik an sei­ner Ent­schei­dung, 3 von 118 aus­ge­wähl­ten Buch­hand­lun­gen den Preis zu ver­wei­gern. Nach mei­ner Kennt­nis ließ er anlass­los alle Buch­hand­lun­gen vom Ver­fas­sungs­schutz über­prü­fen und kam zu dem o.g. Ergeb­nis. Kei­ner kennt die Grün­de. Nicht die betrof­fe­nen Buch­hand­lun­gen, nicht die Jury­mit­glie­der noch die Öffent­lich­keit. Alle sind beschä­digt. Der Preis und die Buch­hand­lun­gen, deren Enga­ge­ment und Arbeit gewür­digt wer­den soll. Aber auch die unab­hän­gi­ge Fach­ju­ry, die sich aus­drück­lich von der Ent­schei­dung des Minis­ters distan­ziert und u.a. im Bör­sen­blatt vom 9. März 2026 in einer Stel­lung­nah­me mit­teilt: „…Wir sind davon über­zeugt, dass Buch­hand­lun­gen Orte der Mei­nungs­bil­dung und der geleb­ten Mei­nungs­frei­heit sind – offe­ne demo­kra­ti­sche Räu­me, in denen unter­schied­li­che Per­spek­ti­ven sicht­bar wer­den und gesell­schaft­li­che Debat­ten statt­fin­den kön­nen. …“ Nun sol­len auch unab­hän­gi­ge Jurys vom Ver­fas­sungs­schutz über­prüft wer­den. Wer will sich denn in Zukunft die­se zeit­in­ten­si­ve und anstren­gen­de Jury­ar­beit noch antun – in der Regel im Ehren­amt – wohl­ge­merkt.
Steckt hin­ter die­ser Vor­ge­hens­wei­se des Staats­mi­nis­ters ein grö­ße­rer Plan, wie in einem Arti­kel der Süd­deut­schen Zei­tung vom 13. März 2026 ver­mu­tet wird? Bekom­men wir ame­ri­ka­ni­sche Ver­hält­nis­se?

Nun aber zum eigentlichen Anlass dieses Textes – Würdigung unserer Buchhandlung van Wahden

Die Lese­för­de­rung ist der Buch­hand­lung van Wah­den von Beginn an eine Her­zens­an­ge­le­gen­heit. Men­schen jeden Alters Lust aufs Lesen zu machen, sieht sie als Kern­auf­ga­be ihrer Arbeit. Autoren­le­sun­gen und ‑begeg­nun­gen orga­ni­siert sie bei­spiels­wei­se für alle Alters­grup­pen und die unter­schied­lichs­ten Inter­es­sens­la­gen.

Her­vor­he­ben möch­te ich jedoch die viel­fäl­ti­gen Pro­jek­te mit und für Kin­der aus Kin­der­gär­ten und Schu­len, die seit Jah­ren fest im Pro­gramm der Buch­hand­lung ver­an­kert sind. Gabi van Wah­den und mich ver­bin­det eine lang­jäh­ri­ge enga­gier­te, kon­struk­ti­ve und ver­trau­ens­vol­le Zusam­men­ar­beit rund um die Lese­för­de­rung von Kin­dern und Jugend­li­chen an der ehe­ma­li­gen Haupt­schu­le Wer­mels­kir­chen. Mein Leseclub „Do it – read a book!“ ver­gab von 2004 – 2016 unter mei­ner Regie und mit gro­ßer Unter­stüt­zung von Gabi van Wah­den den Wer­mels­kir­che­ner Kin­der- und Jugend­li­te­ra­tur­preis. Sie besorg­te bei den Ver­la­gen einen Groß­teil der jeweils nomi­nier­ten Titel für den Deut­schen Jugend­li­te­ra­tur­preis, und die Bücher, die noch fehl­ten, spen­de­te sie, aber auch Eltern, Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen. Sie kam regel­mä­ßig in die Schu­le, wir tra­fen uns in der Buch­hand­lung oder im Juca. Bei die­sen Tref­fen stell­te sie Bücher vor, dis­ku­tier­te mit den Mit­glie­dern des Leseclubs, gab Tipps und war prä­sent. Wir fuh­ren gemein­sam zu den Buch­mes­sen nach Leip­zig und Frank­furt. Unver­ges­sen ist unse­re ers­te Fahrt nach Leip­zig 2007. Wegen eines ein­set­zen­den Win­ter­ein­bruchs ver­brach­ten wir die Nacht auf der ver­schnei­ten und ver­stopf­ten Auto­bahn mit den Kin­dern im Bus. Man kann sich den­ken, dass das her­aus­for­dernd für alle war. Trotz­dem ver­lief der fol­gen­de Tag plan­mä­ßig. Unser Leseclub war neu in der Jugend­ju­ry für den Deut­schen Jugend­li­te­ra­tur­preis und die Kin­der prä­sen­tier­ten unse­ren Favo­ri­ten ganz sou­ve­rän. Ohne Gabi van Wah­den hät­te ich die­se Situa­ti­on allein nicht bewäl­tigt.

Zahl­rei­che Pro­jek­te rund um Lite­ra­tur und das Lesen stemm­ten wir gemein­sam und im Lau­fe der Zeit schlos­sen sich unse­ren Haupt­schul­kin­dern zahl­rei­che Kin­der und Jugend­li­che der För­der­schu­le, des Gym­na­si­ums, der Jugend­hil­fe Ber­gisch Land, der Sekun­dar­schu­le und Flücht­lings­kin­der an. Mitt­ler­wei­le hat die neue Gesamt­schu­le einen eige­nen Leseclub gegrün­det.

Für das enga­gier­te Buch­hand­lungs­team ist die Lese­för­de­rung ein zen­tra­les Anlie­gen, in das es viel Zeit, Geld und Ideen inves­tiert. Da die Mit­tel begrenzt sind, wer­den die Maß­nah­men, die sich über die Jah­re bewährt haben und fest in den Jah­res­ab­lauf inte­griert sind, wei­ter­ge­führt. Dazu zäh­len auch die bestehen­den Ange­bo­te für päd­ago­gi­sche Fach­kräf­te und Ein­rich­tun­gen.

Die Buch­hand­lung koope­riert mit den unter­schied­li­chen Wer­mels­kir­che­ner Part­nern: der Kul­tur­in­itia­ti­ve Wer­mels­kir­chen e.V., der Stadt­bü­che­rei, dem Hos­piz­ver­ein Wer­mels­kir­chen e.V., dem Juca, dem Film-Eck und dem Krä­mer­la­den.

In der Buch­hand­lung bie­tet das Team die Lite­ra­ri­sche Wun­der­tü­te und offe­ne Autoren­be­geg­nun­gen an. Außer­halb der Buch­hand­lung sind es Lit.Im.Eifgen, Expe­di­ti­on ins Buch­reich, Letz­te Lie­der, Wohn­zim­mer­le­sun­gen für jun­ges Publi­kum, Fami­li­en-Feri­en­le­sung , Bücher­ti­sche, Got­tes­diens­te, Radio­sen­dun­gen. Neu im Pro­gramm sind die Bücher­tür­me für Wer­mels­kir­chen.

Und natür­lich tei­len wir die Begeis­te­rung für den Deut­schen Jugend­li­te­ra­tur­preis und die nomi­nier­ten Titel.

Sind Sie inter­es­siert an ein­zel­nen Pro­gramm­punk­ten? Dann fra­gen Sie in der Buch­hand­lung nach – kom­pe­ten­te Ant­wor­ten sind garan­tiert!

Dies sind Bei­spie­le, die exem­pla­risch dar­stel­len, war­um aus mei­ner Sicht die Buch­hand­lung van Wah­den eine wür­di­ge Preis­trä­ge­rin des Deut­schen Buch­hand­lungs­prei­ses 2025 ist. Die Urkun­de erhielt sie vor eini­gen Tagen unauf­fäl­lig per Post.



Herz­li­chen Glück­wunsch, lie­be Gabi van Wah­den, lie­be Andrea Swi­ta­la, lie­be Hei­ke Ollesch und alle, die in den ver­gan­ge­nen Jah­ren mit­ge­ar­bei­tet haben. Blei­ben Sie dran und bewah­ren Sie als Kul­tur­ver­mitt­le­rin­nen die lite­ra­ri­schen Schatz­in­seln – ganz im Sin­ne die­ses beson­de­ren Prei­ses.

Zum Schluss zitie­re ich die ehe­ma­li­ge Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin Prof. Moni­ka Grüt­ters, die auf ihrer Home­page sehr tref­fend schreibt:

„Die Kul­tur ist nicht ein­fach nur eine Sub­ven­ti­ons­emp­fän­ge­rin. Ja, sie ist vie­ler­orts ein wich­ti­ger Stand­ort­fak­tor, doch vor allem ist sie eines: Aus­druck von Huma­ni­tät.“

Marie-Loui­se Lich­ten­berg, 29. März 2026

Fotos: Man­fred van Wah­den und Marie-Loui­se Lich­ten­berg

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