Schweigen ist keine Nachlässigkeit – Schweigen ist Arroganz

Poli­tik­ver­dros­sen­heit ent­steht nicht durch „die da oben“ im Abs­trak­ten. Sie ent­steht ganz kon­kret. Hier. Vor Ort. Durch Igno­ranz. Durch Arro­ganz. Durch Schwei­gen. Nicht, weil Bür­ger zu laut wären. Son­dern weil sie über­haupt nicht mehr gehört wer­den.

Eine E‑Mail. Sechs Wochen. Kei­ne Ant­wort.

Mein Freund Klaus Reu­ter schreibt am 12. Dezem­ber 2025 eine sach­li­che, höf­li­che, gut begrün­de­te Mail an den Bür­ger­meis­ter. The­ma: die geplan­te Ent­fer­nung einer seit Jahr­zehn­ten genutz­ten Über­que­rungs­hil­fe im Bereich Eif­gen – ein sicher­heits­re­le­van­tes The­ma, das Jugend­li­che, Sport­ler, Eltern und Schul­kin­der betrifft.

Er stellt Fra­gen. Er macht Vor­schlä­ge. Er bit­tet um Rück­mel­dung.

Die Ant­wort kommt nicht. Nicht am nächs­ten Tag. Nicht in der nächs­ten Woche. Nicht nach zwei Wochen. Erst über einen Monat spä­ter, am 18. Janu­ar 2026 – und auch nur, nach­dem per­sön­lich nach­ge­hakt wird. Der zen­tra­le Satz der Ant­wort lau­tet:

„Die Beant­wor­tung Ihrer Mail war mir offen­sicht­lich unter­ge­gan­gen.“

Nun ja. Das pas­siert. Und das ist uns allen schon ein­mal pas­siert. Jedoch,  hier geht es nicht um einen Ter­min. Nicht um eine Lap­pa­lie. Son­dern um öffent­li­che Sicher­heit – und um das Recht von Bür­gern, Ant­wor­ten zu bekom­men.

Ant­wor­ten ohne Hal­tung

Ja, der Bür­ger­meis­ter lie­fert nach­träg­lich eine tech­ni­sche Erklä­rung. Aber was fehlt, ist das Ent­schei­den­de: Respekt. Dia­log. Das Ein­ge­ständ­nis, dass Bür­ger ein Recht auf früh­zei­ti­ge Infor­ma­ti­on haben – nicht erst, wenn etwas schon ent­schie­den ist. Zurück bleibt der Ein­druck: Man ant­wor­tet, weil man muss. Nicht, weil man will.

Rhom­bus: Mehr­heit ersetzt kei­ne Hal­tung

Beim Rhom­bus-Pro­jekt das­sel­be Mus­ter. Der Rat beschließt. Mit Mehr­heit. Mit fünf Gegen­stim­men und einer Ent­hal­tung. For­mal kor­rekt. Poli­tisch bequem. Doch par­al­lel flat­tern Grund­steu­er­be­schei­de ins Haus – Stei­ge­run­gen von über 25 %. Gleich­zei­tig stei­gen die Pro­jekt­kos­ten Rhom­bus eben­falls um rund 25 %. Bür­ger stel­len Fra­gen. Begrün­de­te Fra­gen. Kei­ne pole­mi­schen. Kei­ne popu­lis­ti­schen. Und wie­der: Kei­ne Ant­wor­ten. Außer – und das sei hier erwähnt – von eini­gen weni­gen enga­gier­ten Kom­mu­nal­po­li­ti­kern, die jedoch nicht einer Mehr­heits­par­tei im Rat ange­hö­ren.

Die Ein­la­dung, die igno­riert wur­de

Beson­ders ent­lar­vend wird es bei einer höf­lich for­mu­lier­ten Ein­la­dung des Forums zu einer Fra­ge­stun­de. Fra­gen von Bür­gern zum Rhom­bus-Pro­jekt. Fra­gen zu den Kos­ten­stei­ge­run­gen. Berech­tig­te Fra­gen. Fra­gen, auf die es bis zu die­sem Zeit­punkt kei­ne Ant­wor­ten gab.

Eine Ein­la­dung geht an den Bür­ger­meis­ter. Und an die CDU, die in Wer­mels­kir­chen die Mehr­heit im Stadt­rat stellt. Darf man dar­auf eine Ant­wort erwar­ten? Kei­nen Applaus. Kei­ne Zustim­mung. Nur ein „Dan­ke für die Ein­la­dung“, eine Zu- oder zumin­dest eine Absa­ge.

Die höf­lich for­mu­lier­te Ein­la­dung ging auch an die Par­tei mit einem „C“ im Namen. Die­ses „C“ steht für christ­lich – für Respekt, Anstand und die Ach­tung des Gegen­übers. Und auch das Kon­ser­va­ti­ve, auf das man sich beruft, war stets ver­bun­den mit Hal­tung, Ver­ant­wor­tung und guten Manie­ren. Mit Kin­der­stu­be sozu­sa­gen.

Poli­ti­sche Dif­fe­ren­zen, lie­be Wer­mels­kir­che­ner Christ­de­mo­kra­ten, sind legi­tim. Schwei­gen jedoch wirkt nicht sou­ve­rän – son­dern respekt­los. Wer Mehr­hei­ten bean­sprucht, soll­te auch Grö­ße zei­gen. Und wer das „C“ trägt, soll­te es leben.

Nun, aus den Rei­hen der CDU-Mehr­heits­par­tei kam: Nichts. Kei­ne Reak­ti­on. Kein Dank für die Ein­la­dung. Kein Bedau­ern. Kein Wort. Rein Nichts. Das ist nicht Über­las­tung. Das ist Unhöf­lich­keit. Und ja: Das ist Arro­ganz. Denn wer Ein­la­dun­gen igno­riert, signa­li­siert: Ihr seid es nicht wert, dass wir reagie­ren.

Auto­ri­tät statt Anstand

Ein Bür­ger­meis­ter, der im Rats­saal Bür­ger mit auto­ri­tä­rer Stim­me zurecht­weist, wenn sie Fotos machen wol­len. Eine Mehr­heits­par­tei, die schweigt, statt zu erklä­ren. Eine poli­ti­sche Kul­tur, die sich hin­ter Geschäfts­ord­nun­gen und Mehr­hei­ten ver­steckt. Das alles sen­det eine kla­re Bot­schaft: Mit­ma­chen ist uner­wünscht. Fra­gen stö­ren. Trans­pa­renz ist läs­tig.

Der Preis des Schwei­gens

Wer glaubt, das sei harm­los, irrt. Denn genau hier ent­steht der Nähr­bo­den für Poli­tik­ver­dros­sen­heit. Für Zynis­mus. Für das Abwen­den von demo­kra­ti­schen Pro­zes­sen. Und genau dort set­zen Extre­mis­ten an. Rechts­na­tio­na­ler Auto­ri­ta­ris­mus lebt davon, dass Men­schen sagen: „Die da oben hören sowie­so nicht zu.“

Natür­lich sind Bür­ger­meis­ter und Kom­mu­nal­po­li­ti­ker nicht allein ver­ant­wort­lich für die­se Ent­wick­lung. Aber sie tra­gen Mit­ver­ant­wor­tung.

Und wer sie igno­riert, wird ihr nicht gerecht.

Bür­ger sind kei­ne „dum­men Jungs“ und Bür­ge­rin­nen schon aus bio­lo­gi­schen Grün­den nicht. Bür­ger und Bür­ge­rin­nen sind kei­ne Que­ru­lan­ten. Sie sind Bür­ger die­ser Stadt. Sie fra­gen höf­lich. Sie laden ein. Sie erwar­ten Ant­wor­ten. Als enga­gier­te Ehren­amt­ler und Ehren­amt­le­rin­nen. Als Men­schen, die ande­ren hel­fen, die ihre Mit­men­schen ernst neh­men, die Respekt zol­len. Als Bür­ger Wer­mels­kir­chens, die die­se Stadt erhal­ten wol­len. Und das nicht nur mit ihren Steu­er­gel­dern. 

Und wenn Schwei­gen zur Regel wird, dann bleibt am Ende nur noch eines: Erin­ne­rung. Denn Demo­kra­tie heißt nicht nur ent­schei­den. Demo­kra­tie heißt ant­wor­ten.

Und in Wer­mels­kir­chen wird nicht ver­ges­sen, wer das ver­wei­gert.

Foto: Klaus Ulin­ski

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